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Stückwerk im Rilchinger Kurpark

Das Kurgebiet in der Gemeinde Kleinblittersdorf soll als Saarland Thermen Resort Rilchingen Kunden aus dem weiten Umkreis anlocken. Übernachten können sie an der Therme (li.) noch nicht. Fürs Medical-Vital-Center läuft die Suche nach weiteren Mietern. Foto: heiko Lehmann
Das Kurgebiet in der Gemeinde Kleinblittersdorf soll als Saarland Thermen Resort Rilchingen Kunden aus dem weiten Umkreis anlocken. Übernachten können sie an der Therme (li.) noch nicht. Fürs Medical-Vital-Center läuft die Suche nach weiteren Mietern. Foto: heiko Lehmann FOTO: heiko Lehmann
Rilchingen-Hanweiler. Rilchingens Kurgebiet ist längst nicht fertig. Während für die Therme schon Erweiterungspläne reifen, ist das Hotel nicht mal angefangen. Die Victor's-Planer wollen Fortschritte im Medical-Vital-Center sehen. Dessen Betreiber sehen keinen Grund für Verzögerungen beim Hotel. Von SZ-RedakteurFrank Kohler

Therme und Park im Rilchinger Kurgebiet sind fertig. Vom Vier-Sterne-Hotel, das die Victor's Gruppe bauen soll, ist nichts zu sehen, im Vitalcenter noch vieles eine Baustelle. Wieso? Heinz-Peter Klein, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Thermalbad (PGT) Rilchingen: "Es liegt an den Akteuren." An dreas Schauer habe Wort gehalten und die Saarland-Therme am 2. September 2012 eröffnet.

Pächter Schauer erwartet schon im ersten Betriebsjahr 210 000 Gäste. "160 000 benötigen wir, um unsere Kosten zu decken." Er hat das Drei-Säulen-Konzept nicht abgeschrieben und prüft die Möglichkeiten, die Thermen- und Sauna-Angebote um 24 Hotelbetten zu erweitern. "Damit decken wir die Spitze der Nachfrage ab, ohne selbst zu akquirieren. Wir sagten immer, das Einzugsgebiet gibt mehr her als das, was wir haben."

Schon Wochen vor der Thermen-Eröffnung habe eine Bänkerin aus Frankfurt sich nach Übernachtungsmöglichkeiten erkundigt. Um aber die Kundschaft für ein Hotel mit 30 000 Übernachtungen im Jahr zu sichern und den jüngst um 14 Prozent gewachsenen Gesundheitstourismus zu nutzen, braucht es aus Schauers Sicht zusätzlich zur Therme im Medical-Vital-Center ärztliche Angebote wie Kurz-Checks und mehrtägige Vorsorgeprogramme. "So was muss der Betreiber des Medical-Vital-Centers machen. Gesundheit ist wegen der Probleme wie Übergewicht, Diabetes und Bluthochdruck, die sich aus unserer Lebensweise ergeben, ein Megathema." Daher sei das Drei-Säulen-Konzept nicht erledigt. "Am Ende wird an diesem Standort alles gut."

Das Hotel nennt Klein einen "schwierigen Part". "Es gibt nichts Neues, es ist Funkstille. In der nächsten Aufsichtsratssitzung im August läuft es darauf hinaus, dass wir den Vertrag mit Victor's rückabwickeln und mit einer europaweiten Ausschreibung einen neuen Partner finden." Juristische Mittel, Ostermann zum Bauen zu bewegen, gebe es nicht.

Klein: "Die privaten Partner, also Schauer, Walle und Ostermann, hatten sich vielmehr untereinander verpflichtet, die Abstimmung hinzubekommen. Das ist anscheinend nie geschehen." Wann ein Hotel stehe? "Das kann dauern." Weshalb ja Schauer seine kleine Hotellösung anstrebt. Übers Medical-Vital-Center sagt Klein: "Erdgeschoss und erstes Obergeschoss sind nicht fertig. Im zweiten und dritten Obergeschoss läuft das Fitnessstudio ganz gut. Wir wissen nicht, was sonst ins Center reinkommt, und haben keinen Anspruch, es zu erfahren. Aber wir müssen die Anbieter kennen für ein gemeinsames elektronisches Chipsystem von Therme und Vital-Center und eine Durchlässigkeit zwischen den Einrichtungen." Sicher sei aber die Erweiterung der Therme. "Unser Ziel ist, Kosten und Finanzierung bis Herbst zu klären und 2014 den Erweiterungsbau anzugehen." Aufs Hotel angesprochen, sagt Victor's-Sprecher Peter Müller: "Wir haben aus unserer Sicht einen Vertrag, den wir erfüllen wollen. Wir stehen für ein Drei-Säulen-Modell und sehen für uns und die Projektgesellschaft keine vertragsrechtliche Grundlage, auszusteigen. Auch Fristen sehen wir nicht. Wir bauen ein Hotel, wenn die dritte Säule als Vertragsgrundlage erfüllt ist, und halten uns an Verträge. Aber wir sehen keinen erkennbaren Fortschritt im Vital-Center, den wir brauchen, um ein Hotel zu betreiben."

Bauherr Rainer Walle zeigt beim Rundgang durch das Medical-Vital-Center (MVC) - Investitionsvolumen rund fünf Millionen Euro, "gebaut ohne einen Cent Zuschuss" - die symbolträchtigsten Stellen des Gebäudes. Es sind die hinter den MVC-Wänden schon angelegten Übergänge zum Hotel und zur bereits fertigen Saarland-Therme. Nur der Durchbruch fehlt dort im Wortsinn.

Der Hauptmieter, das große Fitness-Studio über zwei Etagen, auf das Walle stolz ist "und mit dem ein Hotel durchaus gut für sich werben könnte", lockt schon, wie geplant, am frühen Morgen die Kunden.

Und die Pächtersuche von Bitburger und Karlsberg für die Gastronomie im Erdgeschoss laufe. Aber der Architekt zeigt auch, wo die MVC-Pläne hart mit der deutschen Gesundheitspolitik kollidiert sind. "Hier wollten wir vier bis fünf Arztpraxen reinmachen, denn wir haben ja an das Modell mit den Drei-Tage-Check-ups geglaubt", sagt er und zeigt die große leere erste Etage. Internisten, Orthopäden, Fachleute, deren Angebote einen mehrtägigen Gesundheitstrip ins Kurgebiet an die Grenze lohnend machen, standen im detaillierten Belegungskonzept für das MVC. Dem hätten für diese Praxen die fehlenden zusätzlichen Zulassungen der Kassenärztlichen Vereinigung entgegengestanden. Blieben als MVC-Klientel nur Privatpatienten und Selbstzahler. "Aber die kommen nicht, wenn es hier kein Hotel gibt." Die Hotelplaner wiederum verweisen auf fehlende Fortschritte im MVC.

"Hier beißt sich die Katze in den Schwanz", sagt Walle. Die Betreibergesellschaft werde diese Blockade durchbrechen und in den kommenden Wochen zu den vorhandenen Mietern weitere Betreiber aus den Trendbranchen Wellness und Gesundheitsförderung suchen.

Auch die neue Vitalcenter-Mischung ohne Arztpraxen sei Grund genug, nebenan ein Hotel zu bauen. "Wir glauben an das Drei-Säulen-Konzept."