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Saarbrücken
Streit unter Linken: „Der kann mich kreuzweise“

Adolf Loch, Schriftführer der Saar-Linken, ist aus der Partei ausgeschlossen worden – oder doch nicht?
Adolf Loch, Schriftführer der Saar-Linken, ist aus der Partei ausgeschlossen worden – oder doch nicht? FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Die Schiedskommission will Landesvorstandsmitglied Adolf Loch ausgeschlossen haben. Doch es gibt Ungereimtheiten.

Die Chaostage bei der saarländischen Linken gehen weiter – und es ist kein Ende in Sicht, im Gegenteil. In der Landesschiedskommission, dem Parteigericht, bekriegen sich zwei Gruppen unerbittlich. Nach einer Mitteilung des Vorsitzenden Nikolaus Staut hat die Kommission am Mittwoch den innerparteilich umstrittenen Landesschriftführer Adolf Loch aus der Partei ausgeschlossen: Sein fortwährend parteischädigendes Verhalten sei so schwerwiegend, dass eine weitere Mitgliedschaft der Partei nicht zumutbar sei, teilte Staut schriftlich mit. Die Entscheidung fiel den Angaben zufolge mit 4:0 Stimmen. Drei weitere Mitglieder waren nicht da.



Loch sieht sich aber weiterhin als Parteimitglied. Über Staut sagte er: „Der kann mich kreuzweise.“ Loch hatte vor der Bundestagswahl mit allen juristischen Mitteln versucht, die Landesliste der Partei mit Spitzenkandidat Thomas Lutze wegen angeblicher Wahlmanipulationen zu Fall zu bringen – auch in Kauf nehmend, dass die Linke im Saarland bei der Wahl gar nicht antreten darf. Ein Spitzen-Linker sagte der SZ, Lochs Versuch habe in der Partei breite Unterstützung gehabt, bis in die Parteispitze hinein. Gegen Loch lagen vier Ausschlussanträge vor, darunter einer von Lutze.

Loch hält die Entscheidung der Schiedskommission für „rechtswidrig, rechtsbeugend und verbrecherisch“. Die Landesschiedskommission habe ihm am Dienstag mitgeteilt, dass der Termin zur mündlichen Verhandlung am Folgetag wegen Ladungsfehlern aufgehoben werde. Dieser Beschluss war von den drei Mitgliedern des anderen Lagers innerhalb der Schiedskommission – ohne das Wissen des Vorsitzenden Staut – gefasst und Loch unter dem offiziellem Briefkopf der Kommission mitgeteilt worden. Daraufhin ließ Staut, nach eigenen Worten Partner in einer spanischen Anwaltskanzlei, per Pressemitteilung umgehend klarstellen, der Termin finde sehr wohl statt, es sei ordnungsgemäß eingeladen worden. Das sei „ein unglaublicher Vorgang“, man erwäge rechtliche Schritte.