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Strahlende Stimmen, funkelnde Sterne

Die Band 41 Grad spielte am Samstag beim Castle Rock auf der Burg Lichtenberg. Fotos: Evelyn Schneider
Die Band 41 Grad spielte am Samstag beim Castle Rock auf der Burg Lichtenberg. Fotos: Evelyn Schneider
Thallichtenberg. Erst Sonne satt, später ein klarer Sternenhimmel – die Bedingungen beim Open-Air auf der Burg Lichtenberg waren perfekt. Doch der vom Veranstalter erhoffte Zuschauersturm auf die Abendkasse blieb aus. Von SZ-Redakteurin Evelyn Schneider

"Gesucht und Gefunden": Mit diesem Lied verabschiedeten sich die Söhne Mannheims am Samstagabend kurz vor Mitternacht von ihren Fans. Es war der perfekte Abschluss ihres Auftritts, vor allem, wenn man bedenkt, dass die zwölf Musiker und Sänger mit Verspätung zur Burg Lichtenberg anreisten. Die Veranstalter der 18. Auflage des Castle Rock, die TSG Burg Lichtenberg, hatte die Combo bereits am Nachmittag erwartet. "Das Catering für 40 Personen war ab 14 Uhr gerichtet", sagte Erwin Thelen, Leiter des Organisationsteams. Tatsächlich wurde es 21.30 Uhr ehe ein schwarzer Kleinbus die Musiker zum Backstage-Bereich chauffierte. Hatten sie die Burg gesucht? Und rechtzeitig gefunden?

Kurz nach 22 Uhr starteten die Söhne Mannheims ihre Show. Unter ihnen einer, der die Burg Lichtenberg bereits bestens kannte. "Ich bin zum dritten Mal hier", verriet Sänger Henning Wehland. Der "The Voice of Germany Kids"-Juror hat Castle Rock schon vor und auf der Bühne erlebt. "Es arbeiten viele Leute freiwillig, um dieses Festival möglich zu machen", sagte Wehland, verbunden mit einem Dank an all jene Helfer im Hintergrund. Mehr als 70 waren es an der Zahl. "Wenn der Zusammenhalt im Verein nicht stimmen würde, wäre solch ein Einsatz nicht möglich", sagte Manfred Loos von der TSG Burg Lichtenberg.

Das Lob aus Wehlands Mund tat sicher auch Orga-Leiter Erwin Thelen gut. Er sprach von Gänsehaut-Feeling bei dem Auftritt der Söhne Mannheims und wahrem Traumwetter. Und doch konnte er am Ende nicht zufrieden sein. Auf SZ-Nachfrage lautet sein Resümee am Sonntag. "Ich bin absolut enttäuscht." Seine Enttäuschung hängt mit der Zahl der verkauften Tickets zusammen. Nicht einmal 1000 Karten hatte der Veranstalter im Vorfeld absetzen können. So hoffte Thelen auf spontane Fans. "Wenn wir jetzt noch 200 Tickets verkaufen, wird es für uns kein Minusgeschäft", sagte Thelen am frühen Samstagabend gegen halb acht. Dass am Ende kaum Nachfrage an der Kasse herrschte, konnte Thelen auch Sonntag noch nicht begreifen. "Das Wetter hat uns doch eigentlich in die Karten gespielt".

Und tatsächlich hätte die Atmosphäre am Samstag nicht besser sein können: strahlender Sonnenschein, dazu die Kulisse der Burgruine und am späten Abend ein funkelnder Sternenhimmel über der Bühne. Eröffnet wurde das Festival von der Band Tom Cali. Dann eroberte quasi passend zu den sommerlichen Temperaturen die Formation 41 Grad die Bühne. Für die meisten Bandmitglieder, die mit Ausnahme von Sängerin Saskia Mertens aus dem St. Wendeler Land stammen, war die Burg Lichtenberg an sich kein neuer Anblick. Doch dort auf der Bühne zu stehen, war eine neue Erfahrung. "Es hat Spaß gemacht", schwärmte Gitarrist Ralf Jung nach dem Auftritt. "Die Location ist genial". Dass die Resonanz fürs Castle Rock nicht größer war, konnten die Bandmitglieder nicht nachvollziehen. "Die Organisation war klasse. Lob an den Veranstalter", sagte Gitarrist Henrik Nagel. Sängerin Saskia hatte ihren Auftritt ebenfalls genossen. "Aber jetzt am Abend ist es noch cooler", sagte sie mit Blick auf die Lichteffekte bei den Söhnen Mannheims. Die verzauberten aber vor allem mit ihren Stimmen, mischten alte Songs wie "Geh davon aus" mit neuen wie "One Love". Absolutes Gänsehaut-Feeling kam bei dem gefühlvoll gesungenen "Und wenn ein Lied" auf. Gerade hier ließen die Sänger mit zarten Tönen das Fehlen von Xavier Naidoo vergessen. Und doch, so Thelens Vermutung, hätten Naidoo und seine neuen Lieder vielleicht als Zugpferd fungieren können, so dass am Ende die erlaubten 2000 Besucher auf der Burg Lichterberg gefeiert hätten.

Nach der Show der Söhne erklang Freddy Quinns "Schön, schön war die Zeit" aus den Lautsprechern. Dem stimmten die Besucher singend zu.


Die beiden Mannheimer Söhne Michael Klimas und Marlon B. in Aktion auf der Bühne.
Die beiden Mannheimer Söhne Michael Klimas und Marlon B. in Aktion auf der Bühne.