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Stets auf der Suche nach Perfektion

Fenster der ev. Kirche Leitersweiler.Foto: Scherschel
Fenster der ev. Kirche Leitersweiler.Foto: Scherschel FOTO: Scherschel
Neunkirchen. Dem 1927 in Neunkirchen geborenen Künstler Ferdinand Selgrad widmet der Verkehrsverein Neunkirchen zwei umfangreiche Ausstellungen. In der Städtischen Galerie wird eine große Retrospektive seines Schaffens von den 50er Jahren bis heute zu sehen sein. Von SZ-Redakteurin Heike Jungmann

Eine "spannende Rundreise" durchs Saarland haben Ferdinand Selgrad und Annelie Scherschel-Freudenberger in diesem Sommer zusammen erlebt. Die Kunsthistorikerin bereitete für den Verkehrsverein Neunkirchen eine große Retrospektive über das Schaffen des in Spiesen lebenden Künstlers vor. Und um sich buchstäblich ein Bild vom Wirken des heute 86-Jährigen zu verschaffen, setzten sich beide kurzerhand ins Auto und klapperten viele Kirchen und andere öffentliche Orte ab.

"Mit einem mulmigen Gefühl im Vorfeld", gesteht Ferdinand Selgrad im SZ-Gespräch, hatte er doch etliche Arbeiten, mit denen er im Laufe der Zeit beauftragt worden war, seit der Fertigstellung nicht mehr gesehen. Dabei ist der Kunstlehrer im Ruhestand - seine ehemaligen Schüler am Steinwaldgymnasium erinnern sich mit großem Respekt - auch heute noch genauso auf der Suche nach Perfektion wie vor über 65 Jahren, als er zur ersten Meisterklasse von Professor Boris Kleint in Saarbrücken gehörte. "Ich verlange von mir immer eine 100-prozentige Leistung, schaffe es aber nie", sagt er selbstkritisch. So war er bei der Einweihung seiner Werke - über 50 sind es im sakralen Raum und bisher über 30 im öffentlichen - immer "total unglücklich." Deshalb sei er auf der Recherchefahrt auch "ängstlich gewesen, ob die Dinge noch Bestand haben." Wer die Ausstellung "Zwischen Figuration und Abstraktion - Glas und Leinwand" in der Städtischen Galerie besucht, wird Selgrad beruhigen können: Seine Kunst hat nicht nur Bestand in der modernen Zeit, sie gibt dieser auch neue Impulse. Zu verdanken ist dies wohl der Tatsache, dass sich Selgrad immer treu geblieben ist und sein Konzept der Abstraktion auch in den gegenständlichen Werken auf seine Weise umgesetzt hat.

Selgrad musste eine Familie ernähren, konservative Auftraggeber wie die katholische Kirche bestimmten, wo's lang geht. Dass dies einem Künstler, der sich eher dem Bauhaus verpflichtet fühlt, nicht immer behagte, kann man nachvollziehen. Umso erfüllender für Selgrad der Auftrag, für die evangelische Bruderkirche in Düsseldorf moderne Glasfenster zu entwerfen. Als vor drei Jahren das 40-jährige Bestehen der Kirche gefeiert wurde, war auch der Neunkircher Glaskünstler eingeladen. In Düsseldorf wurde seine Arbeit gewürdigt. Das sollte auch endlich in seiner Heimatregion geschehen, sagte sich der Verkehrsverein. Für dessen Vorsitzenden Sascha Ahnert "ein persönliches Anliegen". Für eine solche Ausstellung, übrigens die erste überhaupt, die das Gesamtwerk von Ferdinand Selgrad würdigt, sei es "höchste Zeit gewesen", findet Annelie Scherschel-Freudenberger. Sie sei "total überrannt worden von dem Thema, weil es so viel war." Mit der Ausstellung in der Städtischen Galerie und einer zweiten in der Rathausgalerie, in der das malerische Schaffen des bis heute aktiven Malers zu sehen sein wird, erfüllt der Verkehrsverein Ferdinand Selgrad einen "Herzenswunsch". Dieser verspricht: "Ich ruhe mich nicht aus, ich habe noch viele Projekte im Sinn."

Städtische Galerie Neunkirchen im Bürgerhaus (Marienstraße 2), bis 5. Januar.

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