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Stattliches Schloss von Beaumarais ging im Bombenhagel unter

Detonation folgte auf Detonation, Feuerschein auf Feuerschein, ein Beben auf das andere", schrieb Leo Nicola aus Beaumarais seinem Bruder Hans am 5. September 1942. Drei Tage zuvor war Saarlouis erstmals im Zweiten Weltkrieg aus der Luft angegriffen worden. Fraulautern und Roden, die es am schwersten getroffen hatte, gedachten am vergangenen Wochenende der Bombennacht vor 70 Jahren Von SZ-Redakteur Johannes Werres

Detonation folgte auf Detonation, Feuerschein auf Feuerschein, ein Beben auf das andere", schrieb Leo Nicola aus Beaumarais seinem Bruder Hans am 5. September 1942. Drei Tage zuvor war Saarlouis erstmals im Zweiten Weltkrieg aus der Luft angegriffen worden. Fraulautern und Roden, die es am schwersten getroffen hatte, gedachten am vergangenen Wochenende der Bombennacht vor 70 Jahren. Der Angriff britischer Bomber, der eigentlich Saarbrücken galt und nur versehentlich Saarlouis traf, richtete aber auch in anderen Teilen der Stadt Schäden an. Getroffen wurde damals auch das Schloss in Beaumarais. Es lag an der Wallerfanger Straße, etwa wo heute das Ford-Hochhaus steht. Nicht weit entfernt befand sich das nächste Schloss. Das Gebäude steht noch heute.Zwei Fotos aus dem Besitz des 1976 gestorbenen Hans Nicola zeigen die Schäden. Sein Nachlass befindet sich im Besitz von Gerlinde und Eugen Laurent aus Beaumarais. Durch Vermittlung des Saarlouiser Stadtplaners Jürgen Baus können wir Fotos zeigen und aus dem Brief zitieren.


Leo Nicola sah das Schloss brennen, wie er in dem Brief schrieb. Dort listete er auch jedes einzelne Gebäude auf, das in Brand geraten war. In Saarlouis selbst, damals Saarlautern, schrieb er, sei eine Bombe hinters Krankenhaus gefallen, das Kaufhaus Pieper, Häuser in der Wallstraße, der Suppengasse, der Engel-, Adler-, Bibel- und Weißkreuzstraße brannten. In Wallerfangen traf es unter anderem das Kinderheim des St. Nikolaushospitals und einzelne Häuser.

Vom Schloss Beaumarais, das zu der Zeit einem Schwesternorden aus Thionville gehörte, blieben nur die Außenmauern und Zwischenwände. Es wurde nicht wieder aufgebaut. 1953 wurde die Ruine ganz abgerissen.



Das Schloss war ein stattlicher klassizistischer Bau mit fünf Fensterachsen und zwei Geschossen gewesen. Es gehörte einst unter anderem der Familie von Galhau. Errichtet wurde es vermutlich in der Mitte des 17. Jahrhunderts, also noch vor dem Bau von Saarlouis. Das Schloss stand wohl in Verbindung mit dem Hofgut Beaumarais, das 1635 gebaut wurde. Von diesem Hofgut zeugt bis heute das Gasthaus "Hofhaus". Im Park befand sich eine Kapelle, die dem heiligen Valentin geweiht war und um 1700 erbaut wurde. Auch eine Orangerie gehörte zum Park. Fotos aus dem Nachlass von Nicola zeigen das unbeschwerte Leben der Mieter dort.

Die Vorderfront lag zur Saar hin. Die Wallerfanger Straße wurde erst später gebaut, 1836 bis 1840. Die wachsende Produktion Wallerfanger Steinguts brauchte einen guten Transportweg zum Bahnhof Ensdorf. Diese neue Straße verlief durch den Park des Schlosses. Es zeigte der Wallerfanger Straße seine Rückfront.

Den Park kaufte zwei Jahre nach dem Abriss, 1955, die Stadt Saarlouis. In Pferdeställen, die zum Schloss gehörten, berichtete 1967 Hans Nicola, saß noch der Reit- und Fahrverein Saarlouis. Bis 1960 arbeitete hier der Hufbeschlagmeister Klaus Weier.

Die städtische Gemeinnützige Bau- und Siedlungs Gesellschaft (GBS) errichtete an der Stelle des Schlosses, inmitten des alten Parks, ein 23-geschossiges Wohnhochhaus. 1969 war es bezugsfertig. Außer an seiner Höhe ist es durch den "Ford"-Schriftzug erkennbar. Im Park hinter dem Haus meint man noch den herrschaftlichen Geist des Schlösschens zu spüren.