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Bodenqualität jenseits von „Gut und Böse“
Start der Bodensanierung rund um die alte Kokerei Heinitz

Der Boden auf und um die ehemalige Kokerei in Heinitz ist mit angeblich krebserregenden Stoffen verseucht und wird nun saniert.
Der Boden auf und um die ehemalige Kokerei in Heinitz ist mit angeblich krebserregenden Stoffen verseucht und wird nun saniert. FOTO: RAG / RAG-Archiv
Heinitz. Etwa 120 der 668 gemeldeten Heinitzer waren am Montag in die Aula der alten Schule in die Grubenstraße gekommen. Dort informierten Vertreter der RAG Montan Immobilien über die nun gestarteten Bodensanierungsmaßnahmen im Neunkircher Stadtteil. Blei, Teer, Öle, Cyanide. Oder Naphthalin und Benzoapyren, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein, liegen dort auf und rund um die Halde Geisheck an der Friedrichsthalerstraße. Seit mehr als 100 Jahren sind die Böden dort mit Kokereiabfällen verseucht. Bis 1963 lief die Kokerei. Von Michael Kipp

Etwa 120 der 668 gemeldeten Heinitzer waren am Montag in die Aula der alten Schule in die Grubenstraße gekommen. Dort informierten Vertreter der RAG Montan Immobilien über die nun gestarteten Bodensanierungsmaßnahmen im Neunkircher Stadtteil. Blei, Teer, Öle, Cyanide. Oder Naphthalin und Benzoapyren, die im Verdacht stehen, krebserregend zu sein, liegen dort auf und rund um die Halde Geisheck an der Friedrichsthalerstraße. Seit mehr als 100 Jahren sind die Böden dort mit Kokereiabfällen verseucht. Bis 1963 lief die Kokerei.


Erst seit 2006 liegen verlässliche Messwerte für die Böden der Umgebung vor. Sie sind teilweise jenseits von „Gut und Böse“, wie die RAG-Verantwortlichen zugeben. „Wir sind froh, dass die Sanierung endlich losgeht“, eröffnete der Heinitzer Frank Lorschiedter die Versammlung. „Das ist die bisher größte Sanierungsmaßnahme von uns im Saarland“, erklärte RAG-Montan-Prokurist Rudolf Krumm. In vier Jahren soll der erste Bauabschnitt abgeschlossen sein. Etwa elf Millionen Euro werden die Arbeiten in den kommenden vier Jahren kosten. Um die vorhandene Flora und Fauna zu schützen, haben die Planer vier Sanierungszonen angelegt, die sie nacheinander abarbeiten. So könne sich die Natur zurückziehen, ohne große „Sprünge“ machen zu müssen.

6250 Tonnen Wurzelmasse werden anfallen. Sieben Hektar Fläche wird die RAG mit Folien abdichten, sieben Hektar mit Bergematerial abdecken, rund 7500 Kubikmeter Massen entsorgt sie und baut 356 000 Kubikmeter Böden ins Gelände ein. Das verbaute Material sind meist Berge, die die RAG hauptsächlich aus Fischbach von der Halde Lydia ankarrt, die sie auch gerade saniert.



Die Arbeiten sind bereits am Laufen: Die Rodungsarbeiten in Sanierungszone vier sind bereits abgeschlossen. Derzeit werden die Hölzer geschreddert und abtransportiert. Danach soll die notwendige Infrastruktur angelegt werden. Zwischen den Häusern der Friedrichsthaler Straße 42 und 50 legt die RAG dazu eine Baustraße an. Über diese will sie die Massen entsorgen und das Bergematerial anliefern.

Insgesamt rechnet das Unternehmen mit 20 000 LkW-Ladungen in vier Jahren. Das sind etwa 25 am Tag. Eine Lärmbelastung wird sich nicht vermeiden lassen, sagen die RAG-Montan-Vertreter den Heinitzer Bürgern. Wenn die RAG in vier Jahren fertig ist, soll die Fläche Bestandteil der LIK.Nord (Naturschutzgroßprojekt „Landschaft der Industriekultur Nord“) werden.