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Stadtrat beschließt Familienpass

Saarbrücken. Die Sterne stehen gut, dachte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz. Und jetzt das. Noch bevor der Stadtrat gestern damit begann, seine Tagesordnung abzuarbeiten, gab es den ersten heftigen Schlagabtausch. Das Horoskop der Saarbrücker Zeitung sei das Erste, was sie morgens lese, sagt Britz Von SZ-Redakteur Martin Rolshausen

Saarbrücken. Die Sterne stehen gut, dachte Oberbürgermeisterin Charlotte Britz. Und jetzt das. Noch bevor der Stadtrat gestern damit begann, seine Tagesordnung abzuarbeiten, gab es den ersten heftigen Schlagabtausch. Das Horoskop der Saarbrücker Zeitung sei das Erste, was sie morgens lese, sagt Britz. Gestern erfuhr sie aus der Zeitung: "Jemand könnte am Nachmittag versuchen, Sie durch Schmeicheleien auf seine Seite zu ziehen." Gleich zu Beginn der Sitzung war klar: Der CDU-Stadtverordnete Richard Borg war nicht gemeint. Der bestand darauf, dass - anders als von der SPD beantragt - übers Kleine Theater und die Zukunft von dessen ehemaligem Leiter Christian Caimacan diskutiert wird. Caimacan ist mit der Stadt vorm Arbeitsgericht, weil die ihm gekündigt hat. Den Ausgang dieses Prozesses solle man doch erstmal abwarten, argumentierte SPD-Fraktions-Chef Ralf Latz. Die CDU wollte das nicht, beantragte geheime Abstimmung darüber, ob das Thema auf der Tagesordnung bleibt. Bereits Streit um die richtige Tagesordnung ausgerechnet in der letzten Sitzung dieses Stadtrates - da versuchte Britz es zunächst mit einem Hinweis auf "die Würde des Rates". Vergebens. Also beherzigte sie ihr Horoskop, das gestern riet: "Sie zeigen sich neutral und unbeirrbar." Sie ließ abstimmen. Und der Rat entschied mit deutlicher Mehrheit, dass er zu diesem Zeitpunkt nicht über Christian Caimacan reden will.Danach ging es recht zügig voran - schließlich wartete nach 42 Sitzungen und dem Abarbeiten von 1233 Tagesordnungspunkten in fünf Jahren das Abschiedsessen auf die 63 Stadtverordneten. Am 7. Juni wird der neue Rat gewählt. Der alte gab der Verwaltung unter anderem grünes Licht dafür, das Projekt "Stadtmitte am Fluss" weiter voranzutreiben. Und er sagte ja zum Familienpass. Der soll Familien Vergünstigungen bei der Nutzung kultureller und anderer Freizeitangebote verschaffen. Auch der Handel und die Gastronomie sollen dazu bewogen werden, besondere Angebote zu machen. Da waren sich alle Parteien grundsätzlich einig. Offen blieb gestern, wie der Familienpass finanziert wird und ob ihn alle oder nur sozial benachteiligte Familien bekommen. Das zu entscheiden ist dann Aufgabe des neu gewählten Stadtrats. Der alte Rat hofft offenbar darauf, dass die Sterne so gut stehen, wie gestern für Rechtsdezernent Jürgen Wohlfarth. In dessen von Britz ebenfalls vorgetragenem SZ-Horoskop stand: "Kurze Perioden der Unsicherheit sind kein Grund zur Aufregung. Nach einer gewissen Zeit klären sich offene Fragen ganz von selbst."