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Massive Vorwürfe gegen Feuerwehrchef
Stadt Saarbrücken stellt Feuerwehrchef Schun frei

Die Abläufe des Feuerwehr-Einsatzes beim tödlichen Brand am Saarufer vor zehn Tagen werden nun genau untersucht.
Die Abläufe des Feuerwehr-Einsatzes beim tödlichen Brand am Saarufer vor zehn Tagen werden nun genau untersucht. FOTO: Peter Stefan Herbst
Saarbrücken. Kollegen kritisierten seine Einsatzleitung beim tödlichen Brand vor zehn Tagen. Von Hélène Maillasson
Hélène Maillasson

Seit Monaten rumort es bei der Saarbrücker Berufsfeuerwehr. Gestern hat sich die Lage erheblich zugespitzt, nachdem Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD) deren Chef, Josef Schun, vom Dienst freigestellt hat. Auslöser für diese Entscheidung war wohl seine Einsatzleitung beim verheerenden Brand Anfang Dezember in der Saaruferstraße in Saarbrücken, bei dem vier Menschen ums Leben kamen und weitere 20 verletzt wurden. Der Saarländische Rundfunk berichtet, Schun habe an diesem Tag unter anderem eigenmächtig bereits angeforderte Atemschutzgeräte wieder abbestellt. Nicht nur mit dem Ablauf des Einsatzes selbst, sondern auch mit seiner Nachbearbeitung waren die Mitarbeiter offensichtlich unzufrieden. „Zahlreiche Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr hatten massive Vorwürfe auch gegen das nachfolgende Verhalten von Schun erhoben“, teilte die Stadt Saarbrücken mit. „Dadurch ist das Vertrauensverhältnis sowohl zur Verwaltungsspitze als auch zu den Feuerwehrbeamten schwer erschüttert“, so Stadtsprecher Robert Mertes weiter. Nun werden die Vorwürfe untersucht, und auch Josef Schun bekommt die Gelegenheit, sich dazu zu äußern.


Seit Jahren gärt ein Konflikt in den Reihen der Saarbrücker Berufsfeuerwehr. Mehrmals hatten sich Einsatzkräfte über den Führungsstil von Josef Schun beschwert, den sie als autoritär bezeichneten (wir haben berichtet). Um die Probleme aus dem Weg zu räumen, wurde im Sommer sogar ein Wachmannschaftsbeirat gegründet. Nach der konstituierenden Sitzung sollte ein nächstes Treffen stattfinden, das jedoch aus aktuellen Anlässen verschoben worden war. „Die Kollegen waren nicht erstaunt, als sie von der Freistellung erfahren haben“, sagte gestern Detlef Schütz, Landesvorsitzender der Deutschen Feuerwehr-Gewerkschaft. „Niemand freut sich, dass die Saarbrücker Berufsfeuerwehr wieder in die negativen Schlagzeilen gerät, aber diese Entscheidung der Oberbürgermeisterin ist das richtige Signal.“

Ähnlich sieht es auch Bernd Schumann, Chef des Personalrates der Landeshauptstadt, der ebenso mehrmals in der Vergangenheit auf die Probleme in der Truppe aufmerksam gemacht hatte. Die Lage sei schon seit langem angespannt, Verbesserungen habe es trotz der Gründung des Beirats leider nicht gegeben, im Gegenteil habe sich die Lage noch etwas verschlechtert. Wegen des autoritären Führungsstils von Josef Schun hätten mehrere Beamte in den vergangenen Monaten den Dienst bei der Berufsfeuerwehr gekündigt. Folglich bewertet Schumann die Entscheidung, den Wehrchef freizustellen, als richtig: „Diese Maßnahme ist adäquat und notwendig.“



Maximal drei Monate lang wird Josef Schun von seinem Dienst freigestellt. Und er wird die Möglichkeit, sich zu den Vorwürfen seiner Kollegen zu äußern, auch nutzen. Für ihn war diese Ankündigung „eine vollkommene Überraschung“. „Ich habe meine Anwälte bereits eingeschaltet und werde mich zur Wehr setzen“, sagte Schun gestern der SZ. Solange haben leitende Beamte der Berufsfeuerwehr die Führung übergangsweise übernommen. Gestern informierte der Sicherheitsdezernent Harald Schindel (Linke) die Mitarbeiter über die Lage und darüber, wie die Einsatzbereitschaft der Feuerwehr weiterhin sichergestellt wird.

Feuerwehrchef Josef Schun
Feuerwehrchef Josef Schun FOTO: BeckerBredel / bub/fb