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SR3-Sommeralm
„Die Mission ist erfüllt: Der Berg ist belebt“

Eberhard Schilling beim Grasschneiden vor seiner Hütte auf der Bergehalde in Landsweiler-Reden.
Eberhard Schilling beim Grasschneiden vor seiner Hütte auf der Bergehalde in Landsweiler-Reden. FOTO: Seeber
Landsweiler-Reden. Nach der diesjährigen SR3-Sommeralm verabschiedet sich der Alm-Ebi in den Ruhestand. Die Alm wird es aber weiter geben. Von Ute Kirch
Ute Kirch

Am 29. Juli ist Schluss: Der Alm-Ebi, der seit zehn Jahren während der SR3-Sommeralm auf der Bergehalde in Landsweiler-Reden in einer Holzhütte wohnt, geht in den Ruhestand. Rente mit 60 – trägt die Luft auf rund 150 Meter Höhe zum vorzeitigen Altern bei? „Ach was, mit sowas hat das gar nichts zu tun“, winkt SR3-Programmchef Eberhard „Ebi“ Schilling, der den Alm-Ebi mit Hut, Hemd und Jeansjacke verkörpert, ab und stellt klar: „Ich gehe nicht in Rente, weil ich keine Lust mehr habe oder weil die Leberwerte nicht mehr stimmen oder ich sonst gesundheitlich irgendwie beeinträchtigt wäre.“ Vielmehr sei die Mission erfüllt: „Die Aufgabe war vor zehn Jahren: Wir wollen diesen Berg, die Halde, den Menschen näher bringen. Der Berg ist belebt, es gibt das ganze Jahr über Gastronomie. Deswegen sage ich: Es ist nach zehn Jahren ein guter Zeitpunkt aufzuhören.“


Der Sommeralm wird Schilling aber weiterhin verbunden bleiben, sei es bei der Organisation der Bands oder der Moderation. „Ganz klar: Die Sommeralm wird es weiter geben, nur nicht die Figur des Alm-Ebi.“ Derzeit überlege der Sender noch, wie das Format weiter gestaltet werden könne. Ein möglicher Nachfolger – oder eine Alm-Ebine – bräuchte jedenfalls eine Menge Kondition. Bereits um 7 Uhr radeln die ersten Besucher auf den Berg, die letzten gehen erst weit nach der Abfahrt des letzten Shuttle-Busses um 1 Uhr. „Das ist anstrengend, keine Frage. Aber ich habe in den Jahren gelernt, die Kräfte einzuteilen“, sagt Schilling. Der Tagesablauf habe sich über die Jahre hinweg entspannt: „Zu Beginn gab es auf der Alm weder Wasser noch Strom. Damals hat mir jeden Morgen ein Prominenter das Frühstück gebracht, damit ich etwas zu essen hatte. Auch mittags brachte mir jemand etwas rauf.“ Seit es die Gastronomie auf der Halde gibt, sei dies nicht mehr notwendig. Jetzt hat der Alm-Ebi morgens Zeit, die Hütte zu fegen, seine Blumen zu gießen und nach den Tieren zu sehen. „Was ein Hausmann jeden Tag in den Bergen so macht.“

Mittlerweile schläft der Alm-Ebi in seiner vierten Hütte. Der Komfort ist schlicht geblieben: „Es ist alles drin, was man braucht: Tisch mit Stühlen, Bett, eine Stehlampe, eine alte Musikkommode, da kann ich abends meine James-Last-Schallplatten hören. Mehr braucht es nicht.“ Die Einrichtung ist noch das Original von 2009, als der Alm-Ebi die Saarländer um Möbelspenden bat, die das THW eingesammelt hat.

Gleich geblieben ist auch die Rolle des Alm-Ebi: „Der Alm-Ebi ist ein Typ, da hat er viel von mir, der gern auf Menschen zugeht, der gerne kommuniziert, der auch mal ein bisschen dummschwätzt“, umschreibt es Schilling. Von Beginn an sei klar gewesen: Zu volkstümelnd, etwa in Tracht, soll die Rolle nicht sein. Einen großen Vorteil biete die Rolle: „Die Ansprache mit den Leuten ist direkter, das macht Spaß. Der Alm-Ebi kann zu einem, den er nicht kennt und der dummes Zeug schwätzt, sagen: Komm, is’ jetzt gudd. Das könnte ich als Eberhard Schilling nicht.“

Sobald er den Hut aufziehe, sei er der Alm-Ebi, einer besonderen Vorbereitung bedürfe es nicht. Aber auch ohne Hut wird Schilling im Privatleben die Rolle des Hüttenwirts nicht los. „Ich war vor drei Jahren montags an der Supermarktkasse und habe eingekauft. Hinter mir stand ein Mann, der sagte: ,Unn, Alm-Ebi, ist die scheen Zeit wieder rum? Muschde wieder selbschd kochen?’“, erzählt er. Diese Identifikation seiner Person mit der Rolle habe er sich zu Beginn nicht vorgestellt.



Am schönsten sei es, wenn der Berg leer sei. Bei einem Glas Wein schweift der Blick bis zum Schaumberg, die Züge unten im Tal wirken zierlich wie Modelleisenbahnen. Dann kommen die Gedanken an den Vater, der bei Saarberg Dampflokomotiven rangierte, oder den Großvater, der mit nur 39 Jahren unter Tage starb.

Noch laufen die letzten Vorbereitungen für das Jubiläum von Freitag, 20. Juli, bis Sonntag, 29. Juli. Erstmals in zehn Jahren hat kurzfristig eine Band abgesagt. Eberhard Schilling muss schauen, wie er die Lücke schließen kann. Bei der Programmauswahl sei man sich treu geblieben: Am Freitag und Samstag spielen Partybands, von Sonntag bis Donnerstag hat jeder Abend eine andere musikalische Ausrichtung (siehe Info). „So ist für jeden mal etwas dabei“, sagt er. In diesem Jahr gebe es erstmals einen italienischen Abend. Wieder im Programm sind auch die Fahrten mit der Eselkutsche, Lama-Trecking, Streichelgehege, naturkundliche Wanderungen und Führungen auf den Spuren der Bergleute, etwa zu den Themen „Glück auf – Aus dem Alltag einer Bergmannsfamilie“ und „Vergangen, aber nicht vergessen“.

Ob Heino oder die Höhner: Auf der Alm waren schon viele Stars. Doch der eigentliche Star ist für den Alm-Ebi ganz klar die Alm. „Daher muss der Alm-Charakter erhalten bleiben. Verbunden mit der tollen Aussicht und der Musik, macht das den Charme aus.“