| 00:00 Uhr

Spektakuläre Sprünge auf dem Seil

Mit spektakulären Stunts sichert sich Brandon Gebhart aus Prescott im US-Bundesstaat Arizona am Samstag beim 1. saarländischen Slackline-Cup am Jägersburger Brückweiher nicht unerwartet den Titel. Fotos: Thorsten Wolf
Mit spektakulären Stunts sichert sich Brandon Gebhart aus Prescott im US-Bundesstaat Arizona am Samstag beim 1. saarländischen Slackline-Cup am Jägersburger Brückweiher nicht unerwartet den Titel. Fotos: Thorsten Wolf
Jägersburg. Bei „Wetten,dass?“ im vergangenen Jahr zeigte Cihan Calis erstmals die neue Sportart Slackline einem großen Publikum. Am Samstag präsentierte er als Veranstalter am Brückweiler in Jägersburg einen Wettbewerb mit Akrobaten aus aller Welt. Dabei waren teils sensationelle Einlagen zu sehen. Von SZ-MitarbeiterThorsten Wolf

Da staunten Radfahrer, Wanderer, Samstagausflügler und Spaziergänger am Samstag nicht schlecht, als aus dem Schatten des Fun-Forest-Kletterparks am Brückweiher in Jägerburg nicht nur heftige Beats aus Lautsprecherboxen knallten, sondern auch junge Menschen scheinbar schwerelos in der Luft schwebten. Viele blieben stehen, schauten erst fragend, gesellten sich dann zu anderen Staunenden auf eine der zahlreichen Sitzbänke vor dem Spektakel - und wurden so unvermittelt zu Kulisse des 1. saarländischen Slackline-Cups. Slackline? Das steht für eine ausgemachte Trendsport-Art, bei dem sich sichtlich Begabte auf ein straff gespanntes Seil, die "Line", wagen, und dort Sachen machen, die bei einem Untrainierten schon am Boden zu Verknotungen im Bewegungsapparat führen würden. Das passende Stichwort: spektakulär.

Urheber des ersten Slackline-Cups ist der Wahl-Esslinger Cihan Calis. Und bei diesem Namen dürfte es bei eingefleischten "Wetten dass"-Fans klingeln. Richtig. Eben jener Cihan Calis wurde mit seinen Slackline-Stunts im Oktober 2012 Wettkönig bei Markus Lanz. Seit dem hat sich einiges bei Calis getan, nicht zuletzt richtet er seit kurzem als Chef seiner eigenen Firma die Slackline-Cups als offene Wettbewerbe aus. Der vom Wochenende, in Partnerschaft mit dem Fun-Forest-Kletterpark, war der nunmehr zweite nach der Premiere im schwäbischen Esslingen vor drei Monaten. So verwandelte sich am Samstag ein kleines Fleckchen Erde am Brückweiher zur internationalen Wettbewerbszone für eine Sparte des Slacklinings, das Tricklining. Und international war das achtköpfige Starterfeld mit Teilnehmern aus den USA, Chile oder auch Österreich dabei ohne Zweifel.

Doch bevor die Acht um die Meisterschaft im Saarland in so genannten Battles gegeneinander antraten, nahm sich Cihan Calis ein bisschen Zeit, um unserer Zeitung zu erklären, was es mit seinem Wettkampf eigentlich auf sich hat. "Das Ganze ist zwar ein echter Wettbewerb, aber in erster Linie geht es um den Spaß." Andere Wettbewerbe seien oft sehr verbissen, "es gibt Regeln, wer teilnehmen darf und wer nicht. Und es kommt auf Sponsoren-Verträge an, die darüber entscheiden, zu welchem Wettbewerb man darf und zu welchem nicht". Davon sollen sich Calis' Cups abheben. Alles ist offen, so auch am vergangenen Samstag.

Unter den Startern fand sich auch Brandon Gebhart, Top-Trickliner aus Prescott, Arizona. Der offenbarte im Gespräch mit unserer Zeitung Verblüffendes: "Wenn ich auf dem Seil stehe, dann bin ich ruhig, auf mich konzentriert und auf die Aufgabe fokussiert. Und dann ist dieser Sport für mich ein Spiegelbild meines Lebens, so wie es sein soll." Slacklining als Philosophie? Für Gebhart auf jeden Fall. Doch nicht nur das, sondern auch Ausdruck eines phantastischen Körpergefühls. Schon in der Vorrunde, in der der Ausnahme-Trickliner trotz teils spektakulärer Manöver nicht mal die Sonnenbrille abzog, ließ er die Zuschauer und Konkurrenten erahnen, zu was er noch in der Lage ist. Und mit diesem Können verteidigte er - im Finale knapp, aber nicht unerwartet - seinen Titel, den er sich schon vor drei Monaten in Esslingen zum ersten Mal gesichert hatte.