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Solarstrom vom Kokerei-Gelände

Völklingen. Reich werden kann man mit Photovoltaikanlagen wohl nicht mehr, aber wohl noch kleines Geld verdienen und die Energiewende von unten anschieben. Die Völklinger gehen es mit der RAG und weiteren Partnern an. Von SZ-RedakteurPeter Wagner

Mit der viel beschworenen Energiewende geht es auf "großer" Bundesebene wohl vielerorts nicht so schnell voran, wie erhofft und wie der Bevölkerung angekündigt. Wie gut, befand da gestern der Völklinger Oberbürgermeister Klaus Lorig (CDU), dass wenigstens die Kommunen als Zugpferde einsprängen. Sprach's und gab, gemeinsam mit Stadtwerke-Chef Jochen Dahm das Startsignal für die Photovoltaik-Anlage auf dem ehemaligen Gelände der Kokerei Fürstenhausen.

In direkter Nachbarschaft zur Meeresfischzuchtanlage haben die Stadtwerke und die Ruhrkohle AG Montan Immobilien (über ihre Firma Montan Solar GmbH diese Anlage errichtet. Mit im Boot sitzt auch die badische Firma Wirsol, die das Solar-Fachwissen beisteuert).

An diesem Donnerstag soll sie ans Netz gehen. Ihre Spitzenleistung liegt bei 3,94 Megawatt/peak. Nach Angaben von Rudolf Krumm, Repräsentant Saar der RAG Montan Immobilien und zugleich Geschäftsführer der "montanSolar", können damit 1200 Haushalte bei einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden mit Solarstrom versorgt werden. Wie Krumm verriet, wurden auf der von der Völklinger Gewerbeansiedlungsgesellschaft (einer Tochter der Stadtwerke) gepachteten Fläche von 6,5 Hektar etwa 4,8 Millionen Euro investiert.

Die Gewerbesteuer soll somit in Völklingen verbleiben, wie überhaupt alle Beteiligten stolz darauf verwiesen, dass die Photovoltaik-Anlage an der Fischzuchtanlage ganz und gar "der lokalen Wertschöpfung" diene, dass also keine Planer, Investoren und Betreiber von außerhalb des Saarlandes beteiligt seien. Eine wichtige Rolle übernimmt die Neustromland GmbH & Co. KG, ein Zusammenschluss von bislang 17 saarländischen Stadt- und Gemeindewerken, darunter auch die Stadtwerke Völklingen. Sie wird Eigentümerin der Anlage. Ziel der Gesellschaft, die bereits fünf Solarparks betreibt, ist nach Worten von Geschäftsführer Markus Bastian der koordinierte Ausbau der erneuerbaren Energien im Saarland.

Mit dem Photovoltaik-Engagement in Fürstenhausen will es die RAG Montan Immobilien nach Worten von Krumm vorerst bewenden lassen und abwarten. Ehe weitere Investitionen in neue Energien erfolgten, etwa in Ludweiler, Luisenthal oder Maybach, müsste die Politik die entsprechenden Rahmenbedingungen bieten, konkret: die Einspeisevergütungen müssten rentables Wirtschaften ermöglichen. Solche Solaranlagen sind keine Selbstläufer oder Gelddruckmaschinen mehr, wenn sie es denn je waren.

Wie zu erfahren war, betrug die Strom-Vergütung beim Start der Planung für Völklingen (vor anderthalb Jahren) 18 Cent je Kilowattstunde, nun liege sie bei nur noch 11 Cent. Ein weiterer Rückgang in dieser Größe sei nicht zu verkraften, hieß es. Da auch die Preise für die Solarmodule nicht mehr sinken (was vor allem mit Einfuhrzöllen zusammenhängen soll), lassen Investitionen in solche Anlagen allenfalls geringe einstellige Renditen erwarten. Die in Völklingen verbauten Module wurden von einem führenden chinesischen Hersteller bezogen.

Die RAG Montan Immobilien verfügt im Saarland nach eigenen Angaben über 300 Hektar Flächen, die für die Erzeugung erneuerbarer Energien grundsätzlich geeignet wären.