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"So sollte der Wald nicht aussehen"

Merzig. Im Stadtwald von Merzig bietet sich seit Wochen ein Bild, das Kritik hervorruft: Grob abgesägte Äste säumen die Waldwege, etwa am Gipsberg. Abgeschnittene Baumteile hängen in Bündeln im Dickicht. "Einfach reingeworfen", befindet Klaus Borger, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, bei einem Lokaltermin mit der SZ. "So werden hier Erholungssuchende begrüßt Von SZ-Redaktionsmitglied Frauke Scholl

Merzig. Im Stadtwald von Merzig bietet sich seit Wochen ein Bild, das Kritik hervorruft: Grob abgesägte Äste säumen die Waldwege, etwa am Gipsberg. Abgeschnittene Baumteile hängen in Bündeln im Dickicht. "Einfach reingeworfen", befindet Klaus Borger, Fraktionsvorsitzender der Grünen im Stadtrat, bei einem Lokaltermin mit der SZ. "So werden hier Erholungssuchende begrüßt." Der Zustand sei durch Freischnitt-Arbeiten entstanden, die "ein normales Verfahren" im Rahmen der Forstwirtschaft darstellten. Aber "die derart grobe Vorgehensweise" stört Borger. So wie derzeit sollte der Wald nicht aussehen, meint der Politiker, und nennt den Umgang der "öffentlichen Hand mit der Natur" ein schlechtes Vorbild für Mitbürger.Zu einem "sorgsameren Umgang mit dem Bürgerwald" hat nicht nur die Grünen-Fraktion in einem Antrag vom 9. Januar, der der SZ vorliegt, plädiert. Borger verweist auch auf "zunehmende Beschwerden aus der Bevölkerung". Außerdem hatte CDU-Stadtratsmitglied Hans-Jochen Fries in der letzten Ratssitzung im Dezember die Folgen der Arbeiten am Gipsberg bemängelt. Auf SZ-Nachfrage wiederholte Fries seinen Ärger. Er mahne "etwas mehr Gefühl im Umgang mit dem Wald" an - und darauf habe Oberbürgermeister Alfons Lauer auch reagiert. "Es wurde ja schon nachgebessert".


Eine "Nachbesserung" der "eingetretenen Schäden, insbesondere der Baumverstümmelungen" fordern auch die Grünen. Borgers Fraktion spricht von einer "schlechten Werbung für den Tourismus" und verlangt Aufklärung über die Art und Kosten der Maßnahmen, sieht einen Widerspruch zu Beschlüssen der Kommune, die "naturnahe Waldwirtschaft als Betriebsmodell für den Stadtwald festzuschreiben".

Stadt stimmt Kritik zu

Auf Anfrage der SZ stimmte die Stadtverwaltung Kritikern zu. "Da der Großteil des Freischnitts maschinell bearbeitet wurde, sind derzeit an der einen oder anderen Stelle Eingriffe zu erkennen, die aus waldästhetischer Sicht kritisch zu betrachten sind", heißt es dazu in einer Stellungnahme. Am Gipsberg und an Wegen in Brotdorf hätte der Forstbetrieb Merzig "nacharbeiten" müssen. Zu den Kosten der Arbeiten, die ein "Umwelt- und Landschaftspflegeunternehmen aus dem Rhein-Hunsrück-Kreis" vorgenommen habe, äußerte sich die Verwaltung nicht. Sie verwies auf die forstwirtschaftliche Notwendigkeit des regelmäßig anfallenden "Lichtraumprofil"-Freischnitts. Das "Netz von ganzjährig befahrbaren, Lkw-festen Holzabfuhrwegen" im Stadtwald, "mit rund 2400 Hektar Waldfläche der größte kommunale Waldbesitz im Saarland", müsse stets freien Fahrraum bieten. Der Auftrag sei vergeben worden, da eigene Forstarbeiter wegen "Holzeinschlagsarbeiten" verhindert waren.



Einen Widerspruch zu ihren "waldbaulichen Zielen "sieht die Stadt nicht. Aber: "In Zukunft werden erforderliche Eingriffe schonender durchgeführt." OB Lauer habe "bereits auf die vereinzelt geäußerte Kritik dieser Maßnahme reagiert" und angeordnet, "künftig insbesondere dort, wo die Stadtwaldfläche einer besonders hohen Erholungsnutzung unterliegt, mit einer größeren Sensibilität" vorzugehen.