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Sex - so oder so ein Problem

Saarbrücken. Endspurt bei den Proben für "Frühlings Erwachen" in der Alten Feuerwache. In pastelligen langen, schwingenden Kleidern schreiten fünf junge Damen zu Rap-Rhythmen dem Zuschauerraum entgegen. Auch das frech-forsche Stakseln, wie es Models bei Modeschauen so gut beherrschen, will geübt sein

Saarbrücken. Endspurt bei den Proben für "Frühlings Erwachen" in der Alten Feuerwache. In pastelligen langen, schwingenden Kleidern schreiten fünf junge Damen zu Rap-Rhythmen dem Zuschauerraum entgegen. Auch das frech-forsche Stakseln, wie es Models bei Modeschauen so gut beherrschen, will geübt sein. Regisseur Jörg Wesemüller schickt die fünf deshalb immer wieder in die Ausgangsposition zurück. An den Seiten sitzen die übrigen Akteure auf Stuhlreihen und schauen zu. Links die jungen aus dem Jugendclub U 21 des Saarländischen Staatstheaters, rechts die "Die Raureifen" über 65 Jahre. Bereit, sich aufs jeweilige Stichwort hin von den Sitzen zu lösen und einzugreifen in die Szene. Schon bald mischen sich Jung und Alt, teilen sich Rollen, kommentieren das Geschehen. Frank Wedekinds "Kindertragödie" über die repressive Erziehung und Sexualmoral im Kaiserreich als Mehrgenerationen-Projekt - wie das geht, erklärt der Regisseur und Leiter des Projekts so: "Wir haben zunächst lange über den Text gesprochen und festgestellt, dass die Älteren die repressive Sexualmoral noch so erlebt haben, während sich bei den Jungen der Druck ins Gegenteil gekehrt hat". Soll heißen: Heute müsse man einen Porno auf dem Handy haben, um "in" zu sein. Deshalb bleibe man in der Handlung zwar relativ am Original, zeige aber, wie die Erfahrung der heutigen und älteren Generation aufeinander stoßen. "Wir haben die Diskussionen, die bei der Lektüre des Textes entstanden, mit einfließen lassen", sagt Wesemüller. Interessant sei auch die Feststellung gewesen, was gleich geblieben sei. "Die Unfähigkeit in den Familien, über Konflikte offen zu sprechen etwa oder auch der Umgang mit Gewalt." Für das Saarländische Staatstheater war das Generationen-übergreifende Projekt ein Experiment. Es hat 19 Jugendliche und 13 Senioren erstmals zusammengebracht, um an mehreren Intensiv-Wochenenden in diesem Frühjahr gemeinsam ein Theaterstück zu erarbeiten. "Für beide Generationen war dieser Austausch eine sehr wertvolle Erfahrung", sagt Wesenmüller. Ob es fortgesetzt wird, ist noch offen. sbuAufführungen: Heute, 22.Mai (Premiere), 23. und 28. Mai, 19.30 Uhr, Alte Feuerwache, Karten: (0681) 2092-486.