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Mindestens drei Menschen in Losheim erkrankt
Senioren in Pension mit Krätze infiziert

Narben im Hüftbereich eines Mannes erinnern an eine überstandene Krätze-Erkrankung.
Narben im Hüftbereich eines Mannes erinnern an eine überstandene Krätze-Erkrankung. FOTO: dpa / Henning Kaiser
Losheim. Das Gesundheitsamt schlägt Alarm: Ein Bewohner ist angeblich nach der Infektion mit Krätze an einer Blutvergiftung gestorben. Von Michael Jungmann und Dennis Langenstein
Michael Jungmann

In der Seniorenpension M. in einem Losheimer Ortsteil sollen sich gesundheitlich angeschlagene Bewohner und Personal mit Krätze (Skabies) infiziert haben. Ein an dieser Milbeninfektion erkrankter Bewohner der Einrichtung ist später an einer Blutvergiftung im Losheimer Krankenhaus gestorben. Dies bestätigte auf Anfrage ein Sprecher des Landkreises Merzig-Wadern, dessen Gesundheitsamt Alarm geschlagen hat.


Nach dem Infektionsschutzgesetz dürfen an Krätze Erkrankte oder Verdachtspatienten so lange nicht mehr in Pflegeheimen oder ähnlichen Häusern arbeiten, bis ein Arzt Entwarnung gegeben hat. In dem Losheimer Fall scheinen möglicherweise erst Mediziner, die Angehörige von Mitarbeitern behandelteten, auf die Erkrankungen hingewiesen zu haben. Nach den Informationen des Sprechers ist ein Hausbesuch eines Hautarztes am 23. Mai erfolgt, ein Abstrich sei zwei Tage später vorgenommen worden. Drei Tage danach sei der Rentner ins Krankenhaus eingeliefert worden. Dort ist er am 3. Juni verstorben.

Das Ergebnis des Abstriches sei allerdings erst am 5. Juni eingetroffen. Demnach handelte es sich tatsächlich um Krätze. „Der Landkreis hat davon erst am 8. Juni erfahren und die Ermittlungen aufgenommen“, so der Sprecher. Drei weitere Personen in der Einrichtung seien ebenfalls mit Krätze infiziert gewesen. Diese seien allerdings mit Medikamenten behandelt worden und mittlerweile wieder genesen.



Die Leiterin der Einrichtung, Frau M., war zu detaillierten Auskünften nicht bereit, bestätigte aber unserer Zeitung Erkrankungen und den Todesfall. Sie sagte: „Wir wissen noch nicht, ob es Krätze oder Windpocken sind. Wir sind immer noch auf der Suche nach der Ursache.“ Es sei möglich, dass ein neuer Patient die Erkrankung eingeschleppt habe. Selbstverständlich sei bekannt, dass Krätze meldepflichtig sei. Ihr Haus habe kompetente Mediziner eingeschaltet. Weiter betonte sie: „Unser Haus ist nicht ansteckend.“ Nach Angaben im Internet verfügt die Seniorenpension über sieben Zimmer für Bewohner.

Zwischenzeitlich hat sich auch die Heimaufsicht und die oberste Gesundheitsbehörde eingeschaltet. Frederic Becker, Sprecher des Sozial- und Gesundheitsministeriums, teilte auf SZ-Anfrage mit: „Dem Ministerium wurden Hinweise bekannt, wonach es zu neuen Unregelmäßigkeiten in dem Losheimer Haus gekommen sein soll. Wir haben im Rahmen unserer rechtlichen Möglichkeiten den Kontakt mit dem zuständigen Einrichtungsträger sowie dem Gesundheitsamt Merzig-Wadern und dem Medizinischen Dienst der Krankenkassen aufgenommen. Sollten wir Anhaltspunkte für ein heimrechtliches Einschreiten sehen, werden wir selbstverständlich weitergehende Maßnahmen einleiten.“

Der Seniorenservice war bereits 2016 im Visier der Heimaufsicht, die im Sofortvollzug wegen „Gefahr für Leib und Leben“ der Bewohner eine Schließungsverfügung durchsetzen wollte. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) urteilte schließlich sinngemäß, die Heimaufsicht sei für die Seniorenpension, in der sich Bewohner einmieten können, nicht zuständig.

Die Milbe, die die Krätze verursacht, wird in der Regel, ähnlich wie bei Läusen, von Mensch zu Mensch übertragen. Anzeichen einer Infektion treten erst nach zwei bis fünf Wochen auf. Die Absonderungen der Milbe bringen unter anderem Bläschen und Krusten hervor, letztere auch Folge eines starken Juckreizes, der vor allem bei Wärme auftritt. Auch nicht befallene Körperstellen können allergische Reaktionen zeigen. Hauptverursacher der Krätze ist vor allem die weibliche Milbe, die sich in die Hornschicht der Haut bohrt und dort in kleinen Tunneln ihre Eier ablegt.