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Schwimmen oder baden gehen?Geteiltes Echo zu ProjektvorstoßNeues Freibad - was halten Sie eigentlich davon?

St. Wendel. Selten hat ein Thema bei Lesern der St. Wendeler Zeitung für solch eine Resonanz gesorgt. Der geplante Neubau des Freibades in der Kreisstadt, den Bürgermeister Klaus Bouillon (CDU) am Freitagabend während seines Neujahrsempfangs angekündigt hat, ließ schon kurz danach insbesondere Menschen im Internet heftig darüber diskutieren Von SZ-Redakteur Matthias Zimmermann

St. Wendel. Selten hat ein Thema bei Lesern der St. Wendeler Zeitung für solch eine Resonanz gesorgt. Der geplante Neubau des Freibades in der Kreisstadt, den Bürgermeister Klaus Bouillon (CDU) am Freitagabend während seines Neujahrsempfangs angekündigt hat, ließ schon kurz danach insbesondere Menschen im Internet heftig darüber diskutieren.Auf der lokalen SZ-Facebook-Seite tauschten Nutzer Standpunkte aus, sparten nicht mit Kritik, zeigten sich aber auch vom Projekt überzeugt, das 5,5 Millionen Euro kosten soll. Zwischen ernste Argumente mischten sich witzige und zynische Beiträge. Einige äußerten sich mit ihrem Namen, andere unter Pseudonym.



"Klasse, mache ma noch mehr Schulden", ließ Ralf Hasselberg wissen. Worauf Manfred Rammel konterte: "Ich glaube, den Bürgermeister entführen wir nach Saarbrücken." Für ein neues Bades plädierte Anna Krämer: "Es gibt mit Sicherheit schlimmere Dinge, mit denen man Schulden machen kann. Das hier ist endlich mal ein vernünftiger und sinnvoller, weil der Allgemeinheit zukommender Grund. Weiter so." Kritischer sah es der Facebook-Nutzer mit Profilnamen Honigtau Bunsenbrenner: "Bin gespannt, welche Gegenleistung der Globus für die Spende bei künftigen Anliegen bekommt."

Wenig Unterstützung erfuhr Bouillon von Heinz Roehrig: "Wenn Stadt und Kreis es jemals geschafft hätten, ein bedeutsames Sportleistungszentrum im Südwesten mit einem darauf ausgerichteten Schulsystem einzurichten, statt ständig nur Fun zu erzeugen, wäre ich der erste, der solche Ideen unterstützt."

Sabine Klein konnte nicht verstehen, dass plötzlich Geld für solch ein Großprojekt vorhanden sein soll: "Wir haben vor zirka einem halben Jahr das Bauamt um Farbe zur Verschönerung des Schulhofes gebeten (nur Farbe, Arbeitskraft kam aus der Elternschaft). Da hieß es, dass der Haushaltstopf sehr abgebrannt sei und eine Unterstützung von 200 Euro nicht möglich sei. Da ist es doch nur verständlich, dass das einen enorm ärgert." Worauf Oliver V Li ihr witzig-sarkastisch antwortete: "Wenn Ihr das nächste Mal Farbe braucht, müsst Ihr einfach beim Globus danach fragen. Mit den Milliönchen fürs Freibad hat's ja scheinbar gut geklappt." Sabine Klein richtete sich persönlich an den Rathauschef: "Lieber Herr Klaus Bouillon, vielleicht sollten Sie mal das hier alles lesen. Wir machen mal 'ne gemeinsame Begehung des Schulhofes und der Umkleidekatakomben, gerne auch mit dem Bauamtsleiter und dem Herrn Landrat. Ich würde mich sehr über ein offenes Ohr freuen." Anne Spengler pflichtete bei: "Der Schulhof der Grundschule ist öde und teilweise ein Schlammloch. Da wird nichts investiert."

Für Helmut Bitdinger ging es nicht nur um die Ausgaben für einen Neubau: "Man hört doch immer nur, dass selbst die Unterhaltung der Freibäder ein Problem darstellt. Bei klammen Kassen dann ein neues Bad? Oder hat unser cleverer Bürgermeister ein System entdeckt, das auf lange Zeit die Investitionen wieder einbringt?"

Christina Kirsch sprang dem Verwaltungschef zur Seite, schrieb kurz und bündig: "Wir haben einen tollen Bürgermeister!" Jochen Geitlinger vermeldete: "Witzigerweise habe ich schon vor zirka einem Jahr zufällig das Gespräch eines Bademeisters mit einer Schwimmbadbesucherin mitbekommen, dessen Inhalt der Bau eines neuen Freibades war. Wirklich überrascht hat mich das also nicht. Und Herr Bouillon schafft sich damit ein weiteres Denkmal, bevor er sich in den wohl verdienten Ruhestand begibt. Mein Namensvorschlag 3B (Bouillon-Bruch-Bad)."

Des Weiteren machten sich die Leser aber auch Gedanken darüber, was Globus-Chef Thomas Bruch bewogen haben könnte, den Neubau zu unterstützen. Anne Spengler: "Was verlangt Globus im Gegenzug von der Stadt? Der verschenkt doch nicht so viel Geld, ohne etwas für ihn sehr Wichtiges zu bekommen." Und Oliver V Li zum gleichen Thema: "Ich kenne Thomas Bruch. Das ist ein sehr netter Mensch, bei dem ich mir durchaus honorige Gründe für eine Spende vorstellen kann." Sollte das Geld aus dem Unternehmen mit den Werbefarben Grün und Orange stammen, "wird wahrscheinlich das Bad in Grün-Orange gestrichen, heißt dann Globus-Bad, und in der Cafeteria gibt es einen Ableger der Globus-Schnellimbisse (ergänzt um einen kleinen Bademodenshop)", ergänzte er mit Humor. Kay Bechtold kehrte wieder zum Ernst zurück: "Ich weiß ja nicht, aber sollten wir nicht doch froh sein, dass ein Herr Bruch so was für seine Stadt macht?"

Margreth Fuchs sah es lockerer: "Meine Frage dazu wäre: "Haben Globus-Mitarbeiter dann freien Eintritt, von wegen Prophylaxe (Vorsorge, Anmerkung der Redaktion)?"

Einen Vorschlag unterbreitete Andrea Schallmo: "Ich wünsche mir eine Eintrittskarte, die sowohl fürs Freibad als auch fürs Hallenbad genutzt werden kann. Wetter gut - Freibad, Wetter schlecht - Hallenbad. Jedoch sollte diese Karte erschwinglich sein."

Isolde Meuler wunderte sich: "Kein Geld für Streusalz und Weihnachtsbäume für die Ortsteile, aber 5,5 Millionen für ein neues Freibad? Seltsam, seltsam, woher das Geld kam." Karsten Hermann Konarski konterte: "Wird auch mal Zeit, damit ein neues Freibad in die Stadt kommt." Und Vera Schmidt schrieb in Anlehnung an den Werbeslogan der Stadt: "Ich finde das prima. Gratulation. In St. Wendel tut sich was."

Zum Abschluss Eric Flohr: "Bin ich froh, dass ich in Püttlingen wohne. Die Stadt ist total pleite. Das erspart uns Eure Probleme."

facebook.com/

saarbrueckerzeitung.wnd

St. Wendel. Die Diskussion um ein neues Freibad in St. Wendel schlägt hohe Wellen. Nach der Debatte im Internet möchten wir nun die Leser der gedruckten St. Wendeler Zeitung nach ihrer Meinung fragen. Dazu sind von heute an bis morgen, zwölf Uhr, Telefonleitungen geschaltet. (06 81) 5 02 60 10: Ja, ich finde es gut, wenn die Stadt ein neues Freibad bekommt. Das bringt einen Attraktivitätsgewinn. (06 81) 5 02 60 20: Nein, ich bin gegen den Neubau. Ich bin der Meinung, das Geld könnte anderweitig sinnvoller eingesetzt werden. (06 81) 5 02 60 30: Ist mir egal.

Gleichzeitig ist auch im Internet die Umfrage geschaltet. hgn

saarbruecker-zeitung.de

/umfragen

St. Wendel. Die politischen Reaktionen auf die Ankündigung des St. Wendeler Bürgermeisters Klaus Bouillon über einen Freibadbau fallen unterschiedlich aus. Während die CDU-Nachwuchstruppe Junge Union (JU) erwartungsgemäß das Großprojekt als Erfolg feiert, kommt Gegenwind von der SPD. JU-Stadtchef Alexander Zeyer: "Das jetzige Freibad ist in die Jahre gekommen." Deshalb freue es ihn sehr, "dass wir trotz angespannter Haushaltslage ein neues Freibad bauen können", sieht er die Pläne schon perfekt.

Anders SPD-Kreisvorsitzender Magnus Jung. Er wundert sich zunächst einmal darüber, dass er zuerst aus der St. Wendeler Zeitung von diesem Projekt erfahren habe und Landrat Udo Recktenwald (CDU) dies befürworte. Er stelle sogar einen Zuschuss von einer Million Euro in Aussicht. Das könne sich Jung "vor dem Hintergrund der verheerenden Finanzlage der anderen Gemeinden nicht vorstellen". Denn diese würden über eine dann steigende Kreisumlage zur Kasse gebeten, um das St. Wendeler Projekt zu realisieren. Mit der Kreisumlage finanzieren Städte und Gemeinde den Landkreishaushalt mit. Jung befürchtet: "Bei der geforderten Million müssten die einzelnenn Gemeinden zwischen 50 000 und 150 000 Euro zusätzliche Kassenkredite aufbringen." Zwar verweigere sich die SPD nicht gänzlich dieser Idee. Ihr Chef verlangt jedoch ein Infogespräch, zudem Bouillon sie einladen müsse. Gleichzeitig fordert er die Kreisstadt auf, ihre Einnahmequellen besser auszuschöpfen. Zuletzt habe sie die Gewerbesteuer mehrmals gesenkt. Ähnlich argumentiert Torsten Lang, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion. Er macht die Haltung seiner Kollegen davon abhängig, "ob ein solches Projekt mit Blick auf die Finanzen der Kreisstadt insgesamt verantwortlich finanziert werden kann oder nicht". Gebe es beim ausgerufenen Kostenrahmen von 5,5 Millionen Euro Unwägbarkeiten? Und geraten andere Investitionen durch dieses Großprojekt ins Hintertreffen? "Es darf nicht ein weiteres Mal durch ein einzelnes Großprojekt an einer Stelle die finanzielle Luft für alle anderen abgeschnürt werden." Lang spielt dabei auf das Colbus-Haus an, das zu einem Rathaus umgebaut wird. Gleichzeitig dankt er Globus-Chef Thomas Bruch für sein privates Engagement. Dies wisse seine Fraktion "in hohem Maße zu würdigen". hgn

Foto: Privat

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Auf einen Blick

Das neue Freibad in St. Wendel ist bislang auf 5,5 Millionen Euro veranschlagt. Geld soll nach Angaben von Bürgermeister Klaus Bouillon aus drei Quellen sprudeln: von den Gewinnen der Stadtwerke, eine Million Euro aus dem Haushalt des Landkreises sowie als Spende von Globus-Chef Thomas Bruch, die allerdings nicht öffentlich beziffert wurde. Allerdings liegt diese nach SZ-Informationen im Millionenbetrag.

Pläne: Ein Jahr wurde hinter verschlossenen Türen mit Architekten im Rathaus geplant.

Baubeginn und Fertigstellung: Nach bisherigen Plänen sollen Arbeiter mit der Vorbereitung Ende dieses Jahres anfangen. 2014 werde das Bad an selber Stelle das alte ersetzen. Zur Sommersaison 2015 soll alles fertig sein.

Voraussetzung: Noch haben der Stadtrat und der Kreistag über das Projekt zu befinden. hgn