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Klima-Demo
2100 junge Saarländer streiten fürs Klima

Fridays for Future: Schülerstreik für bessere Klimapolitik in Saarbrücken FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken/St. Wendel. In die weltweiten „Fridays for Future“-Schülerstreiks haben sich am Freitag 2100 junge Leute in Saarbrücken und St. Wendel eingereiht. Manche der Schüler kritisierten die ablehnende Haltung seitens ihrer Schulleitungen. Von Frank Bredel und Melanie Mai

Das Wetter ist regnerisch, windig und kalt, als sich am Freitag rund 2000 Schülerinnen und Schüler nach übereinstimmenden Angaben von Polizei und Veranstaltern der „Fridays for Future“ von der Saarbrücker Congresshalle auf den Weg zum Staatstheater machten, um für mehr Klimaschutz ein Zeichen zu setzen. Zusammen mit hunderttausenden Schülern auf der ganzen Welt. Und dabei demonstrierten die Jugendlichen auch gegen „schlechtes Wetter“. Der Hauptredner Chemieprofessor Gerhard Wenz von der Saar-Uni erläuterte es: „Ich bewundere euch, dass ihr bei diesem Scheißwetter auf die Straße geht. Aber es geht um ein wichtiges Anliegen. Durch den Klimawandel regnet es öfter, das Wetter wird schlechter. Die Durchschnitts-Temperatur hat sich in den letzten zehn Jahren um ein Grad erhöht“, sagte der Forscher, der sich für die Grünen um einen Sitz im EU-Parlament bewirbt, diesmal aber auf Parteiwerbung verzichtete.


Er gehöre zu den 12 000 Wissenschaftlern, die den Appell der Jugend ausdrücklich unterstützen würden. Unwetter-Ereignisse nähmen zu, der Regen gewinne an Intensität, in den Alpen würden Gletscher dahinschmelzen: „Die Gletscher sind ein neutraler Zeuge. Sie lügen nicht“, so der Chemiker. Er forderte eine Kohlendioxid-Steuer, den Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs aus diesen Einnahmen und die Aufforstung von Wäldern. So wie man das Ozonloch in den Griff bekommen habe, könne man auch die Klimaerwärmung stoppen, wenn man geeignete Maßnahmen umsetze.

Neben Wenz redeten Schüler aus allen Landkreisen, da inzwischen in jedem Kreis ein festes Organisationsteam der „Fridays for Future“- Bewegung existiere. Das sagte Mitinitiatorin Susanne Speicher, die für den kommenden Freitag eine Demo in Merzig ankündigte. Mit Megaphon und gelbem Regenmantel ging sie der Demo voraus und äußerte sich zufrieden über die Resonanz. Die Demonstranten waren überwiegend im Schüleralter, allerdings waren auch einige Eltern und Lehrer unter den Demonstranten. Für die jungen Leute bestand erneut das Problem des Unterrichtsausfalls. Carina und ihre Freundin Hanna aus dem Bliesgau kamen von einer Schule in Blieskastel und schwänzten dort den Unterricht: „Wir bekommen von unseren Eltern Entschuldigungen, aber wir müssen lügen, da der Schulleiter die Aktion überhaupt nicht unterstützt“, so die Mädchen. Simon aus Fischbach begleitet sie, ist erstmals dabei und fehlt ebenfalls „entschuldigt“. Er findet es blöd, dass man der Schule etwas vormachen müsse: „Wir werden noch 60 Jahre in dieser Welt leben aber nur noch zwei Jahre zur Schule gehen. Der Protest ist einfach ein wichtiges Anliegen für uns“, sagt der junge Mann. Kirchenrat Frank-Matthias Hofmann, der Beauftragte der Evangelischen Kirchen im Saarland, ist auch beim Protest dabei: „Wir finden das gut. Die Jugend soll den Erwachsenen ruhig mal Druck machen. Unsere Generation hat nämlich viel zu wenig gemacht“, sagte Hoffmann.



Auch in St. Wendel versammelten sich etwa 100 Schülerinnen und Schüler auf dem Schlossplatz zu einer eigenen „Fridays for Future“-Demo. „There is no Planet B“ oder „Ohne Natur kein Leben” stand auf großen Plakaten geschrieben, die die Schüler in die Höhe hielten.

 Auch in St. Wendel versammelten sich 100 Schüler.
Auch in St. Wendel versammelten sich 100 Schüler. FOTO: Melanie Mai