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Schriftsteller der Region im Blick

Saarpfalz-Kreis. Tot müssen sie sein: Das ist das Kriterium, das bei der Zusammenstellung des Saarpfälzischen Autorenlexikons die wichtigste Rolle spielte. Viel weiter gefasst ist indes die räumliche Eingrenzung, denn mit "Saarpfalz" ist nicht nur jene Verwaltungseinheit gemeint, die seit mehr als einem Vierteljahrhundert als "Saarpfalz-Kreis" firmiert Von SZ-Mitarbeiter Martin Baus

Saarpfalz-Kreis. Tot müssen sie sein: Das ist das Kriterium, das bei der Zusammenstellung des Saarpfälzischen Autorenlexikons die wichtigste Rolle spielte. Viel weiter gefasst ist indes die räumliche Eingrenzung, denn mit "Saarpfalz" ist nicht nur jene Verwaltungseinheit gemeint, die seit mehr als einem Vierteljahrhundert als "Saarpfalz-Kreis" firmiert. Der Blick weit über diesen administrativen Tellerrand hinaus wird historisch durchaus nachvollziehbar begründet, denn rückblickend betrachtet waren derlei Zugehörigkeiten in der Regel kaum mehr als flüchtige Phasen. Biografien und Werkverzeichnisse von über 80 Schriftstellern hat Reiner Marx in sein genau 208 Seiten umfassendes Kompendium regionaler Literatur aufgenommen. Der habilitierte Literaturwissenschaftler hat das Buch im Auftrag des Saarpfalz-Kreises erstellt.



"Für die Auswahl der Autoren waren eindeutige Beziehungen des Werkes oder des Lebens zur Region entscheidend. Dabei werden die politischen Grenzen im Sinne eines erweiterten kulturellen Saarpfalz-Begriffes durchaus überschritten", erläutert der Herausgeber. Deshalb habe beispielsweise auch das im 18. und 19. Jahrhundert kulturgeschichtlich besonders bedeutsame Zweibrücken, das als "Klein-Paris" kulturell hoch im Kurs stand, auf die gesamte Umgebung ausgestrahlt. Aber auch Autoren aus der Westpfalz, etwa aus dem Kuseler Raum, fanden Berücksichtigung, während das ehedem preußische Saarland nicht vorkommt, weil es eben auf die Saarpfalz kaum Auswirkungen hatte. Vom Humanismus im ausgehenden 16. Jahrhundert über das Barock, die Klassik und die Romantik bis in die Gegenwart hinein reicht das Spektrum der literarischen Epochen, die durch die Autoren vor Ort zu ihrer individuellen und deswegen auch regionalen Ausprägung fanden. Darunter sind auch eine ganze Reihe von Schriftstellern, deren Werken besondere Wirkung zeitigte und die teilweise auch wegweisend waren. Theobald Hock beispielsweise, 1573 in Limbach geboren, dann Stipendiat des Zweibrücker Gymnasiums und danach politischer Strippenzieher in Böhmen, legte mit seinem Gedichtband "Schönes Blumenfeld" 1601 ein solches Buch vor. "In einer Zeit, in der Neulatein immer noch die dominante Sprache der Gelehrten war, veröffentlichte er den ersten deutschsprachigen Gedichtband eines einzelnen Autors überhaupt", skizziert Marx und weist Hock die Funktion eines Pioniers in der deutschen Literatur überhaupt zu.

Aber auch um die vorletzte Jahrhundertwende, als in München die Avantgarde der deutschen Literatur neue Maßstäbe setzte, war mit Ludwig Scharf eine der Galionsfiguren saarpfälzischer Herkunft. Kindheit und Jugend hatte er in Blieskastel verbracht, ehe er Mitte der 1880er-Jahre zum Studium nach München ging. "Scharf war eine zentrale Gestalt der Münchner Moderne und eine Leitfigur der Schwabinger Künstlerszene, in der er als König der Bohème fungierte", erläutert Reiner Marx den nachhaltigen Einfluss von Ludwig Scharf, dessen "diabolische Physiognomie" auch mehrfach von Albert Weisgerber, dem St. Ingberter Malerfreund, eingefangen wurde. In nahezu allen Ortschaften der saarpfälzischen Region wurde der Literaturwissenschaftler bei seiner Recherche fündig. Ganz berühmte Namen sind in seinem Nachschlagewerk ebenso zu finden wie Autoren, die gelegentlich schrieben oder in Mundart dichteten. Von Friedrich Aulenbach (Homburg) und dem in den USA so erfolgreichen Conrad von Bolanden (Niedergailbach) über Johann Nikolaus Götz (Zweibrücken) oder Nikolaus Lauer (Lautzkirchen) reicht die Palette der Literaten bis hin zu Karl Leibrock (Kirkel-Neuhäusel), Johann Christian Mannlich (Homburg/Zweibrücken), Eugen Motsch (Rohrbach), den Jakobiner und Juristen Johann Andreas Georg Friedrich Rebmann (Zweibrücken), den Revolutionär Carl Hermann Schmolze (Zweibrücken/Homburg, dann Philadelphia), Theo Schwalb (Blieskastel), Karl Uhl, Karl August Woll (beide St. Ingbert) oder Ludwig August Wollenweber aus Ixheim, der in Amerika als "Ferschdekiller" (Fürstenmörder") für Furore sorgte. Zu jedem der 83 Autoren ist jeweils eine Textprobe beigegeben, die einen Eindruck über Stil und Technik liefert.

Auf einen Blick

Reiner Marx, "Die Zeit bringt Frucht", Saarpfälzischen Autorenlexikon, Saarpfalz-Sonderheft 2008, 208 Seiten, Preis: 7,50 Euro. Erhältlich im Buchhandel sowie beim Amt für Heimat- und Denkmalpflege des Saarpfalz-Kreises, Landratsamt Homburg, Am Forum 1, Tel. (06841) 104 417, E-Mail: traudel.neumueller@saarpfalz-kreis.de.