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Schreiben, wenn andere schlafen

Einöd/Limbach. Abenteuer entstehen bei Nicole Schuhmacher, wenn viele andere sich gerade noch einmal im Bett umdrehen. Zwischen fünf und sieben Uhr schreibt sie an ihren Geschichten Von SZ-Redakteurin Ulrike Stumm

Einöd/Limbach. Abenteuer entstehen bei Nicole Schuhmacher, wenn viele andere sich gerade noch einmal im Bett umdrehen. Zwischen fünf und sieben Uhr schreibt sie an ihren Geschichten. Es sind die einzigen Stunden, in denen sie dazu Muße hat, "sonst vielleicht noch mal am Wochenende" - die restliche Zeit ist voll gepackt: mit ihrem Job in der Fuhrparkverwaltung bei Praktiker, meist mit Zehn-Stunden-Tagen, und ihrer Familie, Mann und knapp sechsjährigem Sohn. "Mein Mann kann meist von zu Hause aus arbeiten", erklärt sie, wie das überhaupt klappen kann. Trotz allem: Gestresst wirkt Nicole Schuhmacher nicht, das liegt vielleicht auch daran, "dass Schreiben für mich ein Ausgleich ist". Geschichten gehörten eigentlich immer schon zu ihrem Leben. Sie schreibe eigentlich schon "seit meiner Schulzeit". Es war nicht immer Fantasy, aber für sie ist es dennoch " das Genre das Schaffenswut und Kreativität eines Autors am wenigstens einschränkt". Bis vor kurzem hat sie das zwar intensiv, aber im Wesentlichen "nur für sich" getan und nie daran gedacht, dass auch einmal ein größeres Lese-Publikum daran Gefallen finden könnte. Damit ist nun Schluss, denn Anfang Oktober ist ihr erster Roman "Sturmträume" (siehe auch Infobox) erschienen, rechtzeitig zur Buchmesse in Frankfurt. Und natürlich war es ein besonderes Gefühl, als sie zum ersten Mal ihr eigenes gedrucktes Werk in den Händen hielt. "Ich habe gezittert, war total aufgeregt und habe mich gefreut, dass gar nichts verändert wurde", sagt die Autorin. Dass es soweit kam, liegt auch an Einöds berühmten, preisgekrönten und extrem produktiven Fantasy-Export Markus Heitz, der gerade wieder ein neues Buch veröffentlicht hat. Der lebt inzwischen zwar in Zweibrücken, ist aber seit Studienzeiten ein Freund der Schuhmachers und neben anderen ein Testleser des noch unveröffentlichten Manuskripts. Nachdem sie bereits vorher zusammengearbeitet hatten, im Rahmen der so genannten Solo-Rollenspielbücher, war er es, der sie drängte, doch auch einmal eine ihrer eigenen Geschichten zu veröffentlichen. Er ließ nicht locker, machte sie mit einem Literaturagenten bekannt und hatte Erfolg. Das einzige veröffentlichte Buch wird es übrigens für Nicole Schuhmacher nicht bleiben. Das steht bereits fest, denn Band zwei ist bereits an den Heyne-Verlag verkauft und soll im nächsten Jahr erscheinen. Wer Nicole Schuhmacher kennen lernen und etwas aus ihrem Buch hören möchte, der hat dazu am Freitag, 13. November, Gelegenheit. Um 20 Uhr beginnt eine Lesung in Antiquariat & Buchhandlung Hahn, Hauptstraße 50, in Limbach, Tel. (06841) 17 15 25. Der Eintritt ist frei, aber um Anmeldung wird gebeten.

HintergrundIn einem Frankreich-Urlaub, genauer gesagt im Roussillon, hatte Nicole Schuhmacher die Idee zu ihrem Roman. Seit Anfang Oktober gibt's "Sturmträume" zu kaufen. Es geht um Rika, ein junges Mädchen, das seine Familie durch einen brutalen Raubüberfall verliert. Auf der Suche nach Unterstützung gegen die Vierbeiner-Herde, die ihr Elternhaus dem Erdboden gleichgemacht hat, tut sich Rika mit einem abenteuerlustigen Kaufmannssohn und einem großmäuligen Soldaten zusammen. Gemeinsam finden sie heraus, dass die Bedrohung viel größer ist, als sie zunächst angenommen hatten- und Rika einen mächtigen Verbündeten hat: den zornigen Herrn der Stürme. Das stellt ihr Leben erneut auf den Kopf. Herrscher und Reiche, Soldaten und Automaten, Bauern und Klöster, den ein oder anderen Ritter und Magie findet der Leser in diesem Roman. Das sonst bekannte Fantasy-Personal wie Elfen, Zwerge, Orks, Untote und das klassische 'Gut gegen Böse' allerdings nicht. Der Roman ist im Heyne-Verlag erschienen, 496 Seiten stark und kostet 15 Euro. ustZur PersonNicole Schuhmacher, 43, wurde in Saarbrücken geboren, verbrachte jedoch einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend auf dem Bayrischen Kohlhof verbracht und ging in Limbach und Neunkirchen zur Schule. Ihr Studium an der Universität des Saarlandes schloss sie als Diplom-Soziologin ab. Heute lebt sie in Einöd, ist verheiratet und hat einen fast sechsjährigen Sohn. ust