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Schöner sieht Zweibrücken in der Pflicht

Einöd. Seit Jahren ist die Hochwassersituation am Kaplaneihof in Einöd für Anwohner und Politiker auf beiden Seiten der Landesgrenze ein Thema von hoher Brisanz. In der Vergangenheit hatten immer wieder so genannte Starkregenereignisse zu Überflutungen der Ernstweiler und Homburger Straße geführt, waren Anwohner von Hochwasser in ihren Häusern überrascht worden Von SZ-Mitarbeiter Thorsten Wolf

Einöd. Seit Jahren ist die Hochwassersituation am Kaplaneihof in Einöd für Anwohner und Politiker auf beiden Seiten der Landesgrenze ein Thema von hoher Brisanz. In der Vergangenheit hatten immer wieder so genannte Starkregenereignisse zu Überflutungen der Ernstweiler und Homburger Straße geführt, waren Anwohner von Hochwasser in ihren Häusern überrascht worden. Laut eigener Einschätzung mit am meisten betroffen: das Koi-Center von Else und Heinz Martin an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz. Nun scheint sich die Situation zu verschärfen, eine Baumaßnahme des John Deere-Konzerns auf der angrenzenden Seite des Anwesens der Martins bringt Heinz Martin in Rage. Bis vor kurzem hatte ein Tordurchlass in der Grundstücksmauer des Landmaschinenherstellers an der Homburger Straße in Höhe des alten Grenzgrabens zumindest teilweise die Möglichkeit gegeben, dass das Hochwasser, das nicht mehr vom eigentlichen Ablaufrohr des Grenzgrabens aufgenommen werden konnte, auf der Strecke eines alten Feldwirtschaftsweges in Richtung Schwarzbach abfließen konnte. Dies scheint mit dem Mauerschluss nun nicht mehr möglich. Mit einem gewissen Galgenhumor hat Martin zwei Schilder an seinem Unternehmen angebracht - mit dem Hinweis auf den neuen "Stausee Kaplaneihof" und die neue "Staumauer", mögliche "Attraktionen", auf die er gerne verzichtet hätte. "Die ganzen Jahre hat das Hochwasser die Möglichkeit gehabt, durch diese Mauerlücke abzulaufen. Dies hat dazu geführt, dass sich das Wasser 'nur' bis zu einer Höhe von 60 Zentimetern gestaut hat." Nun sei dies nicht mehr möglich, Martin rechnet jetzt mit einer Höhe von bis zu einem Meter. "Das bedeutet, dass vier Gewerbebetriebe und 16 Privathäuser 'absaufen' könnten." Klaus Ruf von John Deere begründete auf Nachfrage der Saarbrücker Zeitung die Entscheidung, den Mauerschluss herbeizuführen, mit der Notwendigkeit, das dort vorhandene und defekte Tor, auch mit Blick auf die Sicherheit des Betriebsgeländes, zu ersetzen. "Dabei ist eine Mauer eine günstigere Lösung als eine neue Torkonstruktion." Auch sei die neue Mauer sekundär ein Schutz des Geländes gegen das Eindringen von Hochwasser. Im Kampf gegen selbiges sagte Ruf dabei Heinz Martin Unterstützung in der Diskussion mit den Verantwortlichen der Stadt Zweibrücken zu. Genau die sieht auch Martin selbst als Hauptschuldige der gegenwärtigen Situation, die für ihn vornehmlich in der zunehmenden Versieglung von Flächen auf Zweibrücker Seite zu suchen ist. Homburgs Oberbürgermeister Karlheinz Schöner zeigte sich überrascht von der Entwicklung am Kaplaneihof, verwies aber trotz seines Verständnisses für die nun schwierigere Situation der Anwohner an der Landesgrenze auf die Zuständigkeit der rheinland-pfälzischen Schwesterstadt. "Ich werde aber heute bei einem Treffen mit Zweibrückens Oberbürgermeister Helmut Reichling die Situation zur Sprache bringen." "Ich rechne mit einer Hochwasser-Höhe von bis zu einem Meter."Heinz Martin