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Schloss Hausen wechselt Stück für Stück den Besitzer

Nach fast 500 Jahren geht in Rehlingen bald ein Teil der Ortsgeschichte zu Ende. Die drei letzten Nachkommen der Familie der Freiherren von Hausen haben sich entschlossen, das Schloss Hausen aus der Familienhand zu geben. Das Schloss steht zum Verkauf. Für 200 000 Euro. Bereits am kommenden Wochenende beginnt der Ausverkauf des Besitzes mit einem Flohmarkt Von SZ-Redakteurin Sophia Schülke

Nach fast 500 Jahren geht in Rehlingen bald ein Teil der Ortsgeschichte zu Ende. Die drei letzten Nachkommen der Familie der Freiherren von Hausen haben sich entschlossen, das Schloss Hausen aus der Familienhand zu geben. Das Schloss steht zum Verkauf. Für 200 000 Euro. Bereits am kommenden Wochenende beginnt der Ausverkauf des Besitzes mit einem Flohmarkt. "Natürlich tut es weh, aber wenn es so weiter geht, bin ich nächstes Jahr pleite", erklärt Erbin Alexandra Frances Magnus die Entscheidung. Sie lebt in Frankfurt, wo sie ihr Studium der Kunstgeschichte wieder aufgenommen hat. Ob Wasserrohrbrüche oder wuchernde Hecken, aus der Distanz ist das Anwesen schwer zu pflegen. Wasser, Strom, Heizung müssten saniert oder - im Fall der Heizung - erst installiert werden. "Wir werden nie hier wohnen, wir können es uns nicht leisten und haben niemanden, an den wir es vererben können."Als Alexandra Magnus durch das Schloss führt, macht sie es auf eine distanzierte und gleichzeitig auf eine dem Anwesen verbundene Art. Die Geschichte des Hauses kennt sie bis ins Detail, ihre Familienherkunft kann sie durch Briefe bis ins elfte Jahrhundert zurückverfolgen. Im Erdgeschoss hat die Gemeinde ein Trauzimmer eingerichtet. Die Familie hat mit der Gemeinde einen Erbpachtvertrag bis 2085 geschlossen. "Da vorn hat mein Vater Marmor verlegt", zeigt Magnus, "hier sollte die Bibliothek hin". Aber soweit ist es nie gekommen. Magnus führt hoch in den ersten Stock. "Die Spinnweben gibt es kostenlos dazu", scherzt sie, die als Kind noch eine Erzieherin hatte und ihre Großmutter, Frances Freifrau von Hausen, mit Knicks begrüßte. Die Großmutter hat in den 1920er Jahren Georg Magnus geheiratet. Damit ging der Titel verloren. In den 60er Jahren hat Alexandras Vater, Dr. Dietrich Magnus, das Schloss zurückgekauft. Napoleon hatte es während der Französischen Revolution einem hochrangigen Militär geschenkt. "Es war eine Ruine, ziemlich zerbombt", sagt Magnus. Ihr Vater habe seiner Mutter damit einen Gefallen getan und eine halbe Million DM in den Bau gesteckt. Aber im Schloss gewohnt haben wegen langer Renovierungsarbeiten weder die Großmutter noch der Vater. Alexandra Magnus erzählt von horrend hohen Rechnungen der damaligen Handwerker. Nur sie wohnte vier Jahre hier. Nach 1793 die erste der Familie.


Nicht in fremde Hände wandern nur einige wenige Sachen: Eine Zeichnung der Großmutter, die Alexandras Vater als Kind zeigt, ein Biedermeier-Sekretär. Einen Gang zum Auktionshaus will Magnus am nächsten Tag machen. "Das Bild von meiner Großmutter von 1914 hole ich wieder ab. Das kann ich nicht weggeben." Ob sie bei dem Flohmarkt Sachen nur loswerden will, oder ob auch Geld reinkommen soll? "Beides", sagt sie entschieden. Doch eines liegt Magnus am Herzen: "Das Schloss soll in gute Hände kommen, an jemanden, der Spaß daran hat." Im Vorzimmer wartet ein Immobilienmakler aus Luxemburg. Magnus hatte gesagt, am liebsten sei ihr, die Gemeinde nehme sich des Schlosses komplett an. Derzeit sind darin das Heimatmuseum und der Sitz des Heimatvereins Rehlingen.

Der Flohmarkt ist an den Wochenenden, 8. und 9., 15. und 16. September, elf bis 17 Uhr. Eine Auktion der Antiquitäten ist für 24. oder 31. Oktober beim Auktionshaus Dawo geplant.



Hintergrund

Der Ort Rehlingen kam im frühen Mittelalter als Lehen an die Freiherren von Hausen. Zum Schutz einer Zollstelle wurde eine kleine Burg errichtet. Vermutlich 1624 ließ Alexander von Hausen anstelle des alten Burghauses ein Anwesen erbauen. Bis 1793 war das Schloss im Besitz der Freiherren von Hausen. Während der Französischen Revolution wurde ein Großteil des Schlosses durch Brand zerstört. Mit der Emigration der adligen Familie ging das Anwesen in bürgerlichen Besitz über.

1911/12 wurden die ehemaligen Stallungen zu Wohnungen umgebaut, zerfielen aber in den Weltkriegen. In den 1960er Jahren kauften die direkten Nachfahren der Freiherren von Hausen das Gebäude zurück. sop