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Groß angelegte Razzia
Schlag gegen saarländische Rockerszene

Zollfahnder bringen Mitglieder der saarländischen  Rockergruppe Road Gang nach der morgendlichen Razzia zum Haftrichter am Saarbrücker Amtsgericht.
Zollfahnder bringen Mitglieder der saarländischen Rockergruppe Road Gang nach der morgendlichen Razzia zum Haftrichter am Saarbrücker Amtsgericht. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken/Völklingen/Forbach. Sonderermittler verhaften komplette Führungsriege der Road Gang mit Sitz in Saarbrücken. Von Matthias Zimmermann
Matthias Zimmermann

Florierender Drogenhandel und illegaler Besitz gefährlicher Waffen: Das wird Mitgliedern der saarländischen Rockergruppe Road Gang vorgeworfen. Nach jahrelangen Ermittlungen haben Spezialisten am frühen Dienstagmorgen zugeschlagen. An 24 Orten in Saarbrücken, Völklingen sowie im benachbarten Lothringen – Forbach und Puttelange – fand die groß angelegte Razzia statt. Mehr als 300 Beamte diverser Sondereinheiten des Zolls sowie der Polizei aus Rheinland-Pfalz und dem Saarland durchsuchten Wohnungen und Unterkünfte. Auch das Clubhaus Road House in Saarbrücken-Gersweiler wurde gefilzt. Dabei nahmen die Ermittler anfangs acht Mitglieder fest, darunter die komplette Führungsriege mit ihrem 53 Jahre alten Chef. Ein Mann (37) und eine 50 Jahre alte Frau kamen später wieder frei.


Um 5 Uhr hatten Zollspezialisten sowie Spezialeinsatzkommandos (SEK) mit Rauschgift- und Sprengstoffspürhunden die Aktion gestartet. Bis in den Nachmittag hinein zogen sich die Durchsuchungen, bei denen umfangreiches Beweismaterial sichergestellt wurde, berichtet Hans-Jürgen Schmidt, Pressesprecher des federführenden Zollfahndungsamtes in Frankfurt/Main.  Neben zahlreichen Waffen, darunter eine Handgranate, stießen die Beamten auf zehn Kilogramm Rauschgift.

Seit 2016 bereits läuft nach Schmidts Angaben das Ermittlungsverfahren gegen die Road Gang. Dabei stehen zwölf Mitglieder im Visier. Den Stein ins Rollen gebracht hatte damals eine anonyme Anzeige. Sukzessive sollen Beweise zusammengetragen worden sein, die den Verdacht erhärteten. „Wir haben uns in dieser Zeit wie auf einer Leiter Sprosse um Sprosse empor geklommen“, beschreibt Zollsprecher Schmidt.



Der jetzige Einsatz mit 18 Durchsuchungen in Saarbrücken, vier weiteren in Völklingen sowie je einer in Forbach und Puttelange  lief unter Sachleitung der Staatsanwaltschaft in Saarbrücken. Bei den Festgenommenen soll es sich ausnahmslos um Männer zwischen 30 und 53 Jahren handeln, „primär Deutsche“. Sie seien „keine Unbekannten, einschlägig vorbestraft“, ergänzt Schmidt. „Sie wussten, was auf sie zukommt, als am Morgen auf sie zugegriffen wurde.“ Es habe keine Gegenwehr gegeben, demzufolge auch keine Verletzten. Sechs Verdächtige wurden noch am selben Tag dem Haftrichter vorgeführt.

Bei der Road Gang handelt es sich, wie Schmidt sagt, um eine „regionale Gruppe, die im Saarland aktiv ist“. Sie agiert demnach seit etwa 35 Jahren von ihrem Hauptsitz in der Landeshauptstadt aus und soll mehr als 40 Mitglieder zählen. „Ihr Präsident hält sehr gute Kontakte zu den Spitzen der anderen Rockerbanden Bandidos und Hells Angels.“ Diese sind in der Vergangenheit durchaus als gewaltbereit aufgetreten. Doch anders als sonstwo üblich, trügen die genannten Gangs im Saarland keine Rockerkriege aus. Schmidt: „Streitigkeiten werden hier in der Führung untereinander geregelt.“