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Schaler Beigeschmack beim Vorleseentscheid

Beim Regionalentscheid des Lesedinos in Homburg gab es Ärger. Stadtbibliothekarin Karina Kloos (unser Foto) hat die Einladungen an die Kinder zu spät verschickt. Foto: SZ
Beim Regionalentscheid des Lesedinos in Homburg gab es Ärger. Stadtbibliothekarin Karina Kloos (unser Foto) hat die Einladungen an die Kinder zu spät verschickt. Foto: SZ
Homburg/Ormesheim. Ein trauriger neunjähriger Junge und viele Fragen. Das ist das wenig erfreuliche Ergebnis des Regionalentscheids des Vorlesewettbewerbs Lesedino. Am Dienstag vergangener Woche ab 15 Uhr nämlich hätten sich sieben Viertklässler, alle Sieger in ihren jeweiligen Grundschulen, in der Stadtbücherei Homburg messen sollen, um unter sich den regionalen Gewinner auszumachen Von SZ-Redakteurin Ulrike Stumm

Homburg/Ormesheim. Ein trauriger neunjähriger Junge und viele Fragen. Das ist das wenig erfreuliche Ergebnis des Regionalentscheids des Vorlesewettbewerbs Lesedino. Am Dienstag vergangener Woche ab 15 Uhr nämlich hätten sich sieben Viertklässler, alle Sieger in ihren jeweiligen Grundschulen, in der Stadtbücherei Homburg messen sollen, um unter sich den regionalen Gewinner auszumachen. Sechs Kinder - aus Homburg, Bexbach, Blieskastel, Erfweiler-Ehlingen - waren auch da, nur einer fehlte: Dominic Pfeiffer aus Ormesheim. Seine Eltern meldeten sich jetzt verärgert bei unserer Zeitung. Die Einladung zu diesem Lese-Wettstreit sei bei der Familie erst am 5. Mai, dem Tag des Wettbewerbs selbst, eingetrudelt. Den Brief hätten sie erst am frühen Abend gefunden und ihn dann Dominic hingelegt, damit er ihn selbst am nächsten Morgen öffnen könne. Die Post komme nicht vor 13 Uhr, zudem sei die Familie tagsüber unterwegs gewesen, erläutert die Mutter. Beim Öffnen glaubte die Familie zunächst an einen Tippfehler beim Datum, doch dann begriff sie: Der Wettbewerb war bereits vorbei. Organisiert wurde das Ganze von der Stadtbücherei in Homburg. Und deren Leiterin Karina Kloos war auch diejenige, die die Einladungen an die insgesamt sieben Kinder verschickt hatte. Am Donnerstag, 30. April, habe sie die Briefe an die Poststelle der Stadt weitergegeben. Und die habe die Einladungen am selben Tag noch auf den Weg gebracht, erklärt sie. Die meisten Kinder hätten das Schreiben am Samstag oder Montag erhalten - reichlich knapp also auch in diesen Fällen. Und so waren manche Eltern gezwungen, kurzfristig Verabredungen zu verlegen. "Zwei Mütter haben den Zahnarzt-Termin zu Gunsten des Vorlesewettbewerbs verschoben und mir das mitgeteilt", so Kloos. Dabei hätte das so kurzfristig alles nicht sein müssen: Seit Februar habe sie die Liste der teilnehmenden Kinder vorliegen gehabt, sagt Kloos. Und den Termin habe sie auch selbst festlegen können. Einzige Bedingung: Er musste vor dem Landesentscheid am 18. Mai liegen. Sie habe Urlaub gehabt, entschuldigt die Bücherei-Leiterin ihr Versäumnis. Zudem sei sie zuvor mit der Organisation des Welttages des Buches sehr beschäftigt gewesen. Überdies habe sie auch Dominics Schule, die Theo-Carlen-Schule, informiert, am 30. April per E-Mail. Allerdings, sagt Dominics Mutter, habe die Klassenlehrerin davon nichts gewusst; sie sei selbst ganz erschrocken gewesen, als sie von dem verpassten Termin hörte. Was Dominics Eltern besonders ärgert: Sie hätten zumindest eine Entschuldigung von Karina Kloos erwartet. Der tut das Ganze heute Leid, bekräftigt sie gegenüber der SZ. Doch für Dominic Pfeiffer gibt es nach derzeitigem Stand keine Chance, das Verpasste aufzuholen. Der Traum vom Landesentscheid ist ausgeträumt. Alle Regionalentscheide seien gelaufen, und den Jungen "einfach so" landesweit antreten zu lassen, sei den anderen Kindern gegenüber unfair, hieß es aus dem Kultusministerium. Nun will sich Karina Kloos für Dominic zumindest etwas einfallen lassen, damit er seine Vorlese-Künste doch noch präsentieren kann: Sie will ihn dazu einladen, vor einer Schulklasse oder vor Kindergartenkindern zu lesen. "Wir hätten zumindest eine Entschuldigung erwartet." Eltern von Dominic


HintergrundIn der Regel stelle die Post 96 Prozent aller Briefe nach rechtzeitiger Abgabe oder Einwurf am darauf folgenden Werktag zu, heißt es von der Deutschen Post AG. Es könne schon einmal vorkommen, dass es nicht klappt und Briefe daher erst später ankommen, so das Unternehmen weiter. Insbesondere dann, wenn es in der Anschrift Fehler, etwa Zahlendreher gebe. Die Leiterin der Homburger Stadtbücherei, Karina Kloos, will nun im Fall der am 30. April abgeschickten Einladung an Dominic Pfeiffer zum Vorlesewettbewerb, die erst am 5. Mai ankam, ein Reklamationsschreiben an die Homburger Post richten, das dann an die Poststelle in Ormesheim weitergeleitet werde. ust