| 20:36 Uhr

Hitzefrei-Regelung im Saarland
Sauna in den Klassenräumen

Schwitzen im Unterricht. Laut Philologenverband sind Temperaturen von über 30 Grad in saarländischen Klassenräumen keine Seltenheit. Foto: Fotolia
Schwitzen im Unterricht. Laut Philologenverband sind Temperaturen von über 30 Grad in saarländischen Klassenräumen keine Seltenheit. Foto: Fotolia FOTO: Fotolia
Saarbrücken. Verbände kritisieren, dass zehn Jahre nach der Hitzefrei-Regelung Sonnenschutz und Klimaanlagen fehlen. Dennis Langenstein

"Pünktlich mit den ersten Sonnenstrahlen kocht im Saarland auch die Diskussion über Hitzefrei hoch. Diese Diskussion müsste schon längst überflüssig sein", erklärt Marcus Hahn, der Vorsitzende des Saarländischen Philologenverbands (SPhV), der die Lehrer an Gymnasien vertritt. Aus Sicht seines Verbandes sei es nicht hinnehmbar, dass zehn Jahre nach der Abschaffung der Hitzefrei-Regelung an vielen Schulen im Land ausreichende Vorkehrungen gegen überhitzte Klassenräume fehlten. Die Folgen seien jedes Jahr gleich: ermattete Schüler, ausfallende Technik, abstürzende Computer, sinkende Lernleistungen und gesundheitsschädliche Arbeitsbedingungen für Schüler und Lehrer.


Zwar gibt es einige Regelungen vom Bildungsministerium, wie etwa im Freien zu unterrichten oder Waldwandertage und Freibadbesuche anzubieten, die die Schülerinnen und Schüler vor übermäßiger Hitze bewahren sollen, doch auch hier übt der SPhV Kritik. Es seien "notdürftige Versuche, die baulichen Mängel an den Schulen durch unterrichtsorganisatorische Maßnahmen zu verbergen", was "einem hoch entwickelten Industriestaat schlichtweg unwürdig" sei. Hahn fordert einen runden Tisch mit allen Beteiligten, also den Trägern, den Verbänden und dem Bildungsministerium, um eine Bestandsaufnahme und einen Fahrplan zu erstellen, wann und wo entsprechende Umbauten umgesetzt werden. Minimalziel sei, "dass die Arbeitsbedingungen in den Klassenräumen zumindest den Vorschriften des Arbeitsschutzes entsprechen." Denn diese würden für Beamten nur abgewandelt und für die Kinder gar nicht gelten.

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft kritisiert den langsamen Fortschritt beim Hitzeschutz. Der stellvertretende Landesvorsitzende Andreas Sànchez Haselberger sieht zwar die Alternativen zum Hitzefrei nicht ganz so kritisch: "Früher wäre der Unterricht auch ausgefallen. Nun kann man die Zeit zumindest mit Sinnvollem wie Waldpädagogik füllen", doch auch er fordert mittel- bis langfristige Planungen: "Dem Hitzeschutz sollte der gleiche Stellenwert zukommen wie der Digitalisierung." Er schränkt jedoch ein: "Die Kassen bei den Kommunen und Kreisen als Träger sind leer."



Ähnlich lautet der Tenor von Lisa Brausch, der Landesvorsitzenden des Saarländischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (SLLV). Auch sie sieht, "wie auch bei der Inklusion", Handlungsbedarf. Ihre Hoffnung ist, dass sich mit der Neuordnung des Bund-Länder-Finanzausgleichs, der ab 2020 mehr Geld ins Saarland spülen soll, sich auch die überhitzte Lage ändert: "Wir erwarten, dass mit dem Geld aus Berlin auch eine Veränderung eintritt."