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Satansbraten mit weicher Schnauze

Saarbrücken. Lieselotte ist neugierig, ungestüm und macht gerne Unfug. Wie den armen Postboten erschrecken. Lieselotte ist eine Kuh, und erfunden hat sie Illustrator und Autor Alexander Steffensmeier, der nächste Woche die Kinder- und Jugendbuchmesse besucht Von SZ-Mitarbeiterin Ruth Rousselange

Saarbrücken. Lieselotte ist neugierig, ungestüm und macht gerne Unfug. Wie den armen Postboten erschrecken. Lieselotte ist eine Kuh, und erfunden hat sie Illustrator und Autor Alexander Steffensmeier, der nächste Woche die Kinder- und Jugendbuchmesse besucht.Eine besondere Beziehung zu Kühen hat Steffensmeier schon, er kommt aus dem kleinen ostwestfälischen Ort Mantinghausen, wo sein Onkel einen Bauernhof mit vielen Kühen besaß. "Da habe ich als Kind mit meinen Geschwistern geholfen, die Kühe von der Weide zu bringen, zu melken und was sonst dazu gehört", erzählt Steffensmeier. "Kühe mag ja eigentlich jeder, die haben so eine friedlich, freundliche auch ein kleines bisschen dumme Ausstrahlung, sympathisch", meint er. Jedenfalls ließen ihn Kühe auch später nicht los, weshalb er als Diplomarbeit an der Fachhochschule Münster für sein Design-Studium die Lieselotte kreierte. Die dann ein erfolgreiches Bilderbuch (im Sauerländer Verlag) wurde.


Lieselotte hat die traditionelle Rolle des Hofhundes im Cartoon, sie versteckt sich und jagt den Postboten, dass ihm die Mütze vom Kopf fliegt. Wenigstens brüllt sie bloß, beißt nicht und macht trotz allem noch Postkarriere. "Ich wollte damals auf alle Fälle ein Buch über einen Bauernhof machen. Da kenne ich mich aus, man kann wimmelige Details unterbringen und Geschichten dazu erzählen", sagt Steffensmeier. Sein Studium mit Schwerpunkt Illustration war wohl folgerichtig, auch schon für die Schülerzeitung habe er Comics gezeichnet. Illustration werde nur an wenigen Fachhochschule angeboten, er habe sich für Münster entschieden, wo er seit 1998 lebt. Mittlerweile arbeitet der freie Illustrator in einer inspirierenden Ateliergemeinschaft mit anderen Künstlern in einem Verwaltungsgebäude am ehemaligen Güterbahnhof.

Die Lieselotte-Bücher verkaufen sich bestens, das erste, "Lieselotte lauert", kam 2006 heraus, seitdem folgten fünf weitere. Lieselotte kocht, backt, feiert Geburtstag, kann nicht schlafen, außerdem gibt es Rätsel- und Malhefte, Würfelspiele, Tassen und mehr. Wie erklärt sich Steffensmeier den Erfolg? "Ich bin halt großartig", flachst er. Schon erstaunlich, wie viele liebevolle Details in seinen Bilderbüchern stecken. "Man braucht eine Idee für eine Geschichte, sie darf nicht zu schwer sein, aber trotzdem originell mit gutem Spannungsbogen. Gar nicht so einfach", erklärt der Autor.

Steffensmeier macht von der Idee Bleistiftskizzen, später werden daraus Aquarelle. Einen großen pädagogischen Ansatz habe er nicht, seine Bücher sollen unterhalten, Kindern und Erwachsenen Spaß machen. Dass Lieselotte gemocht wird, bestätigen die Verkaufszahlen, Band eins liegt bei 40 000 Stück, die Folgebände nicht weit dahinter, es gibt 15 Auslandslizenzen. "Momentan sitze ich gerade an der sechsten Lieselotte, sie kommt im Herbst raus", erzählt Steffensmeier. Da spiele die Kuh mit Freunden Verstecken, klettere auf einen Baum und komme nicht mehr herunter.

Lieselotte hat noch lange nicht ausgemuht. Dabei seien Kühe ziemlich schwer zu zeichnen: "Sie haben eine wilde Anatomie, einen wuchtigen Körper und dünne Beine, die Gelenke gucken immer genau in die Richtung, die man nicht vermutet."



Spaß haben kann man auch mit Steffenmeiers anderen Büchern, wie dem "Verrückten Chemielabor", das er mit Andreas Korn-Müller machte. Wer auf Steffensmeiers Homepage schaut, wird schwerlich wieder aus "Darwins Arbeitszimmer" herauswollen, ein geniales Multimedia-Vergnügen mit hohem Info-Wert.

Alexander Steffensmeier liest am Freitag, 11. Mai, um 9 und 11 Uhr. Info: Messebüro, Tel. (06 81) 9 38 83 33.

alexandersteffensmeier.de

Foto: Steffensmeier

Auf einen Blick

Die 12. Europäische Kinder- und Jugendbuchmesse eröffnet am Donnerstag, 10. Mai, 17 Uhr, im Saarbrücker Schloss. Bereits um 9 Uhr morgens starten die Lesungen. Bis 13. Mai finden dann im Schloss und im VHS-Zentrum Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche statt. Dazu gibt es ein Rahmenprogramm mit Ausstellung Poetry-Slam, Theater und Graphic Novel-Symposium.

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