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Protest in Saarbrücken
Saarländische Schüler streiken fürs Klima

  Am Freitag wollen saarländische Schüler in Saarbrücken für den Klimaschutz demonstrieren. In anderen Bundesländern (im Bild Kiel) hat die Aktion „Fridays for Future“ bereits viele Anhänger.
Am Freitag wollen saarländische Schüler in Saarbrücken für den Klimaschutz demonstrieren. In anderen Bundesländern (im Bild Kiel) hat die Aktion „Fridays for Future“ bereits viele Anhänger. FOTO: dpa / Carsten Rehder
Saarbrücken . Junge Menschen wollen diesen Freitag in Saarbrücken auf die Bedrohungen durch den Klimawandel aufmerksam machen. Die Schüler Union Saar ist gegen die Demo. Von Mauritius te Dorsthorst

Diesen Freitag wollen etliche saarländische Schüler und Studenten in einen Bildungsstreik ziehen, um vor der Saarbrücker Europa-Galerie für den Umweltschutz zu protestieren. Unter dem Motto „Fridays for Future. Gemeinsam gegen den Klimawandel“ gehen an diesem Tag bundesweit junge Menschen auf die Straße, um auf die Bedrohungen des Klimawandels aufmerksam zu machen.


Zu den Organisatoren im Saarland gehört die Schülerin Marie Burgardt von der Montessori-Gemeinschafts- und Gesamtschule Friedrichsthal. „Klimaschutz war für mich schon relativ früh ein wichtiges Thema“, sagt die 18-Jährige. Als sie im Dezember 2018 die Rede der 16-jährigen schwedischen Initiatorin Greta Thunberg bei der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz gehört hat, wollte auch sie sich für die Bewegung „Fridays for Future“ engagieren. „Die Rede hat mir noch mal total viel Hoffnung gegeben, und ich war sofort interessiert, einen Schulstreik zu organisieren“, sagt Marie Burgardt. Über das Internet erfuhr die Schülerin, dass es bereits eine Gruppe im Saarland gibt. „Da bin ich sofort beigetreten“, sagt sie.

      Hofft auf Unterstützer: Susanne Speicher, Leiterin der Saar-Gruppe „Fridays for Future“ .
Hofft auf Unterstützer: Susanne Speicher, Leiterin der Saar-Gruppe „Fridays for Future“ . FOTO: Volker Geibel-Hoffmann


Leiterin der Saar-Gruppe ist Lehramtsstudentin Susanne Speicher. Zum achtköpfigen Organisationsteam der 27-Jährigen gehören Schüler und Studenten – von 13 bis 27 Jahren. „Es werden zwischen 50 und 60 Schüler und Studenten an dem Protest teilnehmen, allerdings hoffen wir, dass sich uns noch viel mehr anschließen werden“, sagt Speicher.

Viele von Maries Mitschüler werden beim Protest dabei sein. „Ich würde sagen, dass bis auf etwa fünf Leute pro Klasse jeder aus den Jahrgangsstufen neun bis 13 streiken wird“, sagt sie. Bestärkt werden die Schüler auch durch Schulleitung und Kollegium der Montessori Schule. „Als ich zu meiner Direktorin gegangen bin, war diese sofort von unserer Idee einer Demo begeistert“, sagt Marie. Auch viele Lehrer ihrer Schule unterstützen die Aktion. Einer der Lehrer habe sogar angeboten, als Aufsichtsperson für die jüngeren Jahrgangsstufen sieben und acht mitzugehen. Weil er die Idee so gut finde.

Auch das Bildungsministerium unterstützt den Streik. Minister Ulrich Commerçon (SPD) lobt das Engagement der Schüler: „Das ist doch ein gutes Zeichen, dass die jungen Menschen sich mit ihren Ideen und Vorstellungen für eine bessere Welt einbringen.“ Er selbst habe während seiner Schulzeit gestreikt. „Damals ging es um die militärische Intervention der USA im ersten Golfkrieg.“ Obwohl Commerçon es lieber wäre, wenn die Schüler außerhalb der Schulzeit für den Klimaschutz protestierten, sieht er von Sanktionen für die Schüler ab. „Ich finde, dass ein solcher Einsatz nicht bestraft werden sollte“, sagt der Minister.

Deutlicher Gegenwind kommt aber von der Schüler Union (SU) Saar, einer CDU-nahen Schülerorganisation. „Wenn eine Demonstration wichtiger ist als die gesetzliche Schulpflicht, dann ist das Rechtsempfinden schwer erschüttert“, sagt Sven Fontaine, Landesvorsitzender der Saar Schüler Union. Unter dem Hashtag #notmydemo wendet sich die Schülerorganisation deshalb gegen den Schulstreik am Freitag.

 Die Schüler- und Auszubildendengruppe der Saar-Jusos (JSAG) kann die Position der SU jedoch nicht nachvollziehen. „Wir verstehen zwar die Sorge um die Schulpflicht. Aber für uns gilt auch, dass es beim Klima um unsere Zukunft geht. Dem kann keiner entkommen“, erklärt Darnell Boeckmann, Vorsitzender der Saar-JSAG. Die Grüne Jugend Saar sieht das ähnlich. „Wir unterstützen das Projekt absolut. Nick Lohmann unser stellvertretende Landesvorsitzende, wird auch einen Rede halten“, erklärt Jeanne Dillschneider, Landesvorsitzende der Grünen Jugend Saar und Vize-Landesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Saar.

Im Gegensatz zur schwedischen Initiatorin Greta Thunberg, die jeden Freitag streikt, handelt es sich im Saarland um eine einmalige Protestaktion. Vorläufig. Zwar ist für den 25. Januar ein bundesweiter Aktionstag in Berlin geplant, um ein Zeichen gegen die dort tagende Kohlekommission zu setzen. „Da aber an diesem Tag die Zeugnisse verteilt werden, kann ich verstehen, wenn Schüler nicht der Schule fernbleiben wollen“, erklärt Susanne Speicher.

Da es sich bei der Aktion eigentlich nicht um einen Streik im engeren Sinne, sondern vielmehr um einen Unterrichts-Boykott handelt und Schulpflicht besteht, müssen die Schüler je nach Schule mit schulischen Konsequenzen rechnen. Auf der Webseite der „Fridays for Future“ findet sich eine genauere Belehrung über die möglichen Folgen sowie Vorschläge, wie man legal am Protest teilnehmen kann. So wird etwa eine Vorlage einer Beurlaubung als Download angeboten.

Die Veranstaltung beginnt am 18. Januar, 9.30 Uhr, am St. Johanner Markt in Saarbrücken. Von dort aus ziehen die Protestierenden zur Europa-Galerie, wo ab 10 Uhr diverse Redner, unter anderem vom BUND, zu hören sein werden.