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Gesundheitsmarkt
Migranten werden zu Pflegekräften

In der Pflege fehlen zahlreiche Fachkräfte. Nun sollen Migranten die Lücke schließen.
In der Pflege fehlen zahlreiche Fachkräfte. Nun sollen Migranten die Lücke schließen. FOTO: dpa / Christoph Schmidt
Saarbrücken. In einem Pilotprojekt sollen Migranten auf die Pflegeausbildung vorbereitet werden. Ministerin Bachmann sieht großes Potenzial. Von Joachim Wollschläger
Joachim Wollschläger

Mehr Fachkräfte für die Pflege aus dem Kreis der Migranten gewinnen – das ist das Ziel eines Modellprojekts der saarländischen Standortagentur Saaris und des Bundesgesundheitsministeriums, das Saar-Gesundheitsministerin Monika Bachmann (CDU) gestern vorgestellt hat.


Kranken- und Altenpflege leiden unter einem extremen Fachkräftemangel. Denn nur wenige Schulabgänger entscheiden sich für diesen Berufsweg. 25 000 Fachkraftstellen in der Alten- und Krankenpflege in Deutschland sind nicht besetzt, ergab Anfang des Jahres eine Anfrage der Grünen an die Bundesregierung. Und auch 10 000 Hilfskräfte fehlen. Rund 175 Tage dauert es nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit, um eine offene Stelle in der Altenpflege zu besetzen.

Bei diesem Fachkräftemangel setzt nun das Modellprojekt an, das am 1. Januar an den Start geht, über drei Jahre läuft und mit 2,2 Millionen Euro ausgestattet ist. Ziel ist es, das Arbeitskräftepotenzial bei Flüchtlingen und Migranten für das Gesundheitswesen zu nutzen, indem diese für Pflegeberufe ausgebildet und integriert werden. „Ich freue mich, dass dieses Modellprojekt im Saarland ins Leben gerufen wurde und nun über die Grenzen hinaus zur Verbesserung der Situation in der Pflege beitragen kann“, sagt Bachmann.



Drei Wege verfolgt das Modul: Flüchtlinge für die Ausbildung in der Pflege vorzubereiten und zu begleiten, die Ausbildung in Haushaltsführung und ambulanter Betreuung mit ergänzendem Stütz­unterricht zu begleiten sowie Mediziner auf die ärztliche Kenntnisprüfung vorzubereiten. Schwerpunkt des Programms ist jedoch die Hinführung zur generalistischen Ausbildung in der Kranken- und Altenpflege. Denn gerade der verschulte Weg, der für diese Ausbildung vorgesehen ist, sei für Migranten kaum zu schaffen. Sei es wegen fehlender Sprachkenntnisse, sei es aber auch wegen der mangelnden schulischen Vorbildung.

„Das Projekt setzt deshalb schon früher an“, sagt Saaris-Chef Christoph Lang. Und zwar mit Vorpraktika und einem Vorbereitungskurs. Im Januar geht es erst einmal mit der Auswahl der Teilnehmer und einem Qualifizierungspraktikum los. Dieses soll dazu dienen, die Bereitschaft zu testen, in einem Pflegeberuf zu arbeiten. „Das hilft den Teilnehmern bei der Entscheidung, ob sie diesen Beruf überhaupt ergreifen wollen“, sagt Lang. Ziel sei es natürlich auch, die Abbrecherquote schon im Vorfeld zu minimieren. Und auch spätere Konflikte auszuschalten: „Wenn jemand sagt, dass er oder sie nur Männer oder Frauen pflegt, ist das natürlich ein klares Ausschlusskriterium“, sagt Lang. „Das kann es nicht geben.“ Anschließend folgt – je nach Vorbildung – ein zwölf- bis 15-monatiger Vorbereitungslehrgang, der die Teilnehmer fit machen soll für die anschließende Pflegeausbildung. Diese soll dann bei den Ausbildungsträgern im Land stattfinden – jeweils unterstützt durch einen Stützungs-Unterricht von fünf Stunden pro Woche. Bisher liegen die Planungen nur im Konzept vor, allerdings gebe es schon erste Gespräche, sagt Lang. Klar sei auch, dass es eine generalistische Pflegeausbildung sein werde, für die ein interkulturelles Ausbildungskonzept entwickelt werde.

Wie viele Teilnehmer es im Pilotprojekt genau sein werden, ließ Lang noch offen. Beim Qualifizierungspraktikum rechne man mit 100 bis 200 Interessenten. Wie viele dann übrigblieben, sei noch offen. Aktuell seien die Vorbereitungskurse auf zweimal 20 Teilnehmer ausgelegt.

Angesiedelt ist das Projekt beim Welcome-Center von Saaris, wo auch eine Stelle mit Schwerpunkt Gesundheit eingerichtet wird. Dort findet auch die Anerkennung ausländischer Abschlüsse statt. Im Bereich des Pilotprojekts ist dann auch vorgesehen, bei entsprechender Vorbildung fehlende Qualifikationen durch Schulungen zu ergänzen.

Bachmann zeigte sich gestern überzeugt, dass das Programm auch nach der Projektlaufzeit weiter Unterstützung finden wird.