| 21:04 Uhr

Serie Für das Saarland im Bundestag
Mit blauen Haaren in die Politik

Die Saarbrücker SPD-Politikerin Josephine Loulou Ortleb bei einer Rede vor dem Deutschen Bundestag.
Die Saarbrücker SPD-Politikerin Josephine Loulou Ortleb bei einer Rede vor dem Deutschen Bundestag. FOTO: Alle Rechte beim Dt. Bundestag / Achim Melde
Saarbrücken/Berlin. Die Saarbrücker SPD-Bundestagsabgeordnete Josephine Loulou Ortleb setzt sich für Frauenrechte ein. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Mit blauen Haaren hat alles angefangen bei der Saarbrücker SPD-Bundestagsabgeordneten Josephine Loulou Ortleb, 31. „Als ich 14 oder 15 Jahre alt war, da hatte ich mal blaue Haare, meine willde Zeit“, sagt Ortleb, die mit ihrer jetzigen rotblonden Haarfarbe eher zum Farbspektrum der Mutterpartei passt. Damals wurde sie dafür belächelt. Sie sei immer gerne auf den Fußballplatz, zum 1. FC Saarbrücken, ins Ludwigsparkstadion gegangen. „Meine blauen Haare haben die Fan-Gemeinde optisch aufgemischt“, sagt die Sozialdemokratin, die im vergangenen Herbst erstmals in den Bundestag einzog und ihre langjährige Vorgängerin Elke Ferner beerbte. Das habe sie schon gespürt, die Sprüche mancher Fans ihr gegenüber hätten gesessen. „Ich trete für eine respektvolle und tolerante Gesellschaft ein“, erklärt Ortleb, deren Eltern ein Restaurant am Saarbrücker Schlossplatz führen. Da habe sie schon früh einen politischen Geist entwickelt, um etwas für eine friedlichere Gesellschaft zu tun. Mit ihrer Mutter war sie bereits als Kind auf Anti-Cattenom-Demos. Ihr Opa sei SPDler, die Oma habe den Button „Willy wählen!“ 1972 zur Unterstützung des Bundeskanzlers Willy Brandt getragen.


Nach dem Abi am Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium (WWG) sei ihr klar gewesen, dass sie sich einer Partei anschließen wolle. „Da kam eigentlch nur die SPD in Frage“, erzählt Ortleb. Die Saarbrücker Oberbürgermeisterin Charlotte Britz habe sie auf kommunaler Ebene beeindruckt. „Da bin ich hier gelandet“, sagt Ortleb lächelnd in ihrem SPD-Wahlkreisbüro an der Saarbrücker Talstraße direkt neben der Geschäftsstelle der Saar-SPD. An frauenpolitischen Themen sei sie schon früh stark interessiert gewesen. Die SPD sei eben die Partei, die sich dafür stark einsetze.

Das Politik-Studium an der Bremer Uni schmeißt sie hin, da ihr die sozialen Kontakte in Saarbrücken fehlen, mit den kühlen Norddeutschen wird sie nicht recht warm. In Saarbrücken beginnt Ortleb eine Ausbildung zur Restaurantfachfrau, die sei erfolgreich abschließt.



Als sie von 2015 bis 2017 das Büro von Elke Ferner führte, reifte der Entschluss, für das Direktmandat zu kandidieren. Da saß Ortleb schon seit 2014 für die SPD im Saarbrücker Stadtrat. „Im Kulturausschuss ist es mir ein großes Anliegen, die verschiedenen Szenen in der Stadt zu erhalten, damit die Stadt lebenswert bleibt: Dazu zählt etwa die freie Szene am Römerkastell“, betont Ortleb.

Im Wahlkampf 2017 wurde Ortleb als Kuchenbäckerin bekannt, die mit ihrem Selbstgebackenen in die Haushalte ging. „Ich wollte den Menschen auf Augenhöhe begegnen“, erklärt die eingefleischte Saarbrückerin. Dabei sei sie auch auf manchen röhrenden Hirsch an der Wand getroffen. „Wir sind vielen spannenden Einrichtungen begegnet. Aber es war total schön, dass die Leute mich in ihren privaten Bereich hereingelassen haben,“ sagt sie ohne den leisesten Hauch von Ironie.

Den Vertrauensvorschuss ihrer Wähler versucht Ortleb gerade im Bundestag und auf der großen Politibühne Berlin einzulösen. In der zwölfköpfigen jungen Gruppe der SPD-Fraktion hat sie bereits an verschiedenen Papieren mitgearbeitet. „Arbeit von morgen ist ein großes Thema. Wir sind für einen Mindestlohn von zwölf Euro, die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich und die Familienarbeitszeit“, betont die Restaurant-Fachfrau. Sie kenne die Arbeitsverhältnisse in der Gastronomie bestens, sei deshalb auch in der Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG). Viermal habe sie bereits am Rednerpult im Bundestagsplenum gestanden. Einmal sei es gegen die AfD gegangen in Sachen Frauenrechte, einmal um Religionsfreiheit. Das sei ihr wichtig, sagt die Ungetaufte. Jeder Mensch solle selbst seinen Glauben wählen können. Auch für die kostenlose Abgabe von Verhütungsmitteln an sozial benachteiligte Menschen habe sie gefochten und auf das Projekt der Saarbrücker Pro Familia verwiesen.

Ortleb versteht sich selbst als Teil der Linken in der SPD und war gegen die erneute Bildung einer Großen Koalition. „In der Groko bekommen wir keinen Richtungswechsel hin“, sagt Ortleb bedauernd. Ein linke Sammlungsbewegung findet sie „nicht schlecht“. Aber nicht mit Sahra Wagenknecht an der Spitze. Die sei nie für Rot-Rot-Grün gewesen. Deshalb sehe sie in deren „Aufstehen!“ eher ein Projekt der Selbst-Profilierung.