| 20:28 Uhr

Leben im Kloster
Saarbrücker Pfarrer schult Nikoläuse

Jugend- und Schulpfarrer Christian Heinz (links) gibt dem Studenten Sebastian Woll (24) bei der Nikolausschulung Tipps und zeigt ihm, wie man sich stilecht verkleidet und als Nikolaus verhält.
Jugend- und Schulpfarrer Christian Heinz (links) gibt dem Studenten Sebastian Woll (24) bei der Nikolausschulung Tipps und zeigt ihm, wie man sich stilecht verkleidet und als Nikolaus verhält. FOTO: Katja Sponholz / dpa
Saarbrücken. Den Weihnachtsmann gibt es nicht, und der Nikolaus schimpft nicht. Das und noch mehr lernen die Teilnehmer bei einem Nikolaus-Seminar. Von Birgit Reichert

Der Nikolaus darf nicht zu stark mit dem Kopf wackeln. Das lernt Sebastian Woll, 24-jähriger Student der Wirtschaftsinformatik, ganz schnell, als ihm Pfarrer Christian Heinz die Bischofsmütze aufgesetzt hat – und sie wenig später zum ersten Mal auf den Boden purzelt. Und auch die 18-jährige Lara Hunsicker merkt schon nach kurzer Zeit, wie es sich anfühlt, als Frau ein Nikolaus zu sein: „Voll heiß unter der Perücke!“, stöhnt sie.



Doch es sind nicht nur Äußerlichkeiten, die die Gäste an diesem Abend bei der Hochschulgemeinde an der Saar-Uni in Saarbrücken lernen: Bei der Nikolaus-Schulung der katholischen Kirche geht es neben der richtigen Kleidung vor allem um Inhalte. Darum, wer der Heilige Nikolaus von Myra überhaupt war, welche Legenden sich um ihn ranken, welche Bedeutung er in der heutigen Zeit noch hat und was die Nikoläuse und ihre Engel-Begleiter erwartet, wenn sie am 5. und 6. Dezember ausschwärmen, um Familien, Kindergärten, ein Krankenhaus und ein Seniorenheim zu besuchen.

Damit sie darauf innerlich wie äußerlich gut vorbereitet sind, bietet Jugend- und Schulpfarrer Christian Heinz in diesem Jahr in Zusammenarbeit mit mehreren kirchlichen Einrichtungen zum zweiten Mal eine Schulung an. Das Interesse ist groß: Mehr als 60 Teilnehmer haben sich für die Vorbereitungstermine und Nikolaus-Besuche gemeldet. Die meisten von ihnen sind junge Erwachsene, Studenten und Auszubildende, stark und weniger stark Gläubige, Ehrenamtler und Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr.

Und Teilnehmer, die große Hoffnungen in ihren Einsatz als Nikolaus setzen. Wie Raphael: „Ich finde es gut, wenn man schon Kindern christliche Grundwerte vermitteln und in der Verkündigung in Kontakt mit der Familie treten kann“, sagt er bei der Vorstellungsrunde. Und Sarah, die schon vergangenes Jahr dabei war, gibt zu, auch selbst von diesen Besuchen profitiert zu haben: „Wenn man selbst schon nicht die Muße hat, in der WG oder Wohnung schön zu dekorieren, und dann kommt man in Familien, wo kleine Kinder sind und überall hängt selbstgebastelter Weihnachtsschmuck, dann ist es einfach schön, sich selbst in Advents- und Weihnachtsstimmung bringen zu können.“

Doch nicht überall geht es idyllisch zu, gibt der Pfarrer aus der Jugendkirche eli.ja zu bedenken: „Ihr werdet auch in soziale Brennpunkte kommen. Zu Familien, wo es vorher nicht nur ein Bier gab, oder wo Ihr erstmal sagen müsst: So, jetzt holt Ihr dem Nikolaus erstmal einen Stuhl und macht den Fernseher aus.“ Doch ganz gleich wo, das Ziel der Nikolaus-Besuche ist immer dasselbe: „Es ist die ganz charmante Art und Weise, das zu verkünden, worum es geht: Nämlich zu geben ohne zu rechnen.“ Deshalb, so lernen die Teilnehmer, geht es auch nicht darum, dass es Geschenke nur gegen eine Gegenleistung gibt.

Oder dass der Nikolaus den Kindern gar Angst macht, mit ihnen schimpft oder ihnen droht. Selbst, wenn manche Eltern sich das gar als Unterstützung bei der Erziehung wünschen würden und ihm ein paar Tipps auf einem Spickzettel vorbereiten. Anhand ganz realer Beispiele - aus Elternbriefen über Kinder, die ihre Zimmer nicht aufräumen, die zu wild oder frech sind - übt Pfarrer Heinz gemeinsam mit den Nikoläusen in spe, wie sich solche Botschaften besser formulieren ließen. „Wir sind nicht der verlängerte Arm der Eltern, sondern der Anwalt der Kinder“, sagt er. „Von uns gibt es nichts Negatives zu hören.“

Und auch keine Lügen - auch nicht vom dicken Mann im roten Mantel, der „Hohoho“ sagt und Cola trinkt. „Was mache ich denn, wenn jemand fragt, ob ich der Weihnachtsmann bin?“, fragt Sebastian Woll. Doch so locker und fröhlich es bei dieser Schulung zugeht, so resolut ist der Pfarrer, wenn es um den Glauben geht: „In religiöser Beziehung immer nur die Wahrheit sagen“, betont er. „Dann sagst du, der Weihnachtsmann ist eine Erfindung. Aber den Nikolaus gab es wirklich.“

Nach eineinhalb Stunden Seminar fühlen sich die jungen Leute jedenfalls gestärkt. Nikoläuse, Engel, Fahrer und Helfer haben Telefonnummern ausgetauscht, David organisiert Teams und Einsatzpläne. Nur Lara, eines der wenigen Mädchen, das sich als Nikolaus verkleiden wird, hat ein mulmiges Gefühl, wenn sie an ihren Besuch denkt: „Meine größte Angst ist, enttarnt zu werden“, gibt sie zu, „dass plötzlich jemand zu mir sagt: Du bist ja ein Mädchen, du bist ja gar nicht der Nikolaus!“ Doch auch dafür hat der Jugendpfarrer einen Tipp: „Keine Panik, wenn was verrutscht“, sagt er. „Letzten Endes schlüpfen wir nur in seine Rolle und tun, was er getan hat: Kinder beschenken und Gutes tun.“