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Saarbrücken
Freitod eines Polizeibeamten in seiner Saarbrücker Dienststelle

(Symbolbild)
(Symbolbild) FOTO: picture alliance / dpa / Patrick Pleul
Cathrin Elss-Seringhaus

Polizisten, insbesondere Personenschützer, machen einen  Job, der die Seele stark strapaziert. Das sagt die überdurchschnittlich hohe Suizid-Rate in diesem Beruf, die nicht bundesweit, sondern nur lückenhaft für einzelne Bundesländer erfasst ist. Doch die Polizeigewerkschaft sieht das besondere Berufsrisiko laut Medienberichten als erwiesen an. Im Saarland existiert laut gestriger Mitteilung des Innenministeriums keine Erhebung zu Suiziden in Polizeireihen. Doch nun hat auch das Saarland einen Fall, einen besonderen. Wann je kam dies vor: Ein Polizist (54) erschießt sich an seinem Arbeitsplatz, genauer „in Diensträumen“ auf dem Gelände der Saarbrücker Polizei in der Mainzerstraße. Dies bestätigte Polizeisprecher Stephan Laßotta der SZ auf Nachfrage, bevor die Öffentlichkeit durch eine kurze Pressemitteilung in Kenntnis gesetzt wurde und bevor erste Reaktionen der Betroffenheit in Umlauf gingen, etwa aus der Staatskanzlei. Denn der Mann stand drei Ministerpräsidenten zur Seite, war dadurch ebenfalls öffentlich sichtbar. Tobias Hans (CDU), Ex-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) sowie der frühere Ministerpräsident Peter Müller (CDU) erklärten gestern zum Tod des langjährigen Personenschützers: „Wir sind geschockt und traurig über den Verlust eines absolut zuverlässigen, angenehmen und allseits beliebten Kollegen.“


Wobei den toten Kriminaloberkommissar mit Kramp-Karrenbauer eine außergewöhnliche Geschichte verbindet, die Polizeisprecher Laßotta der SZ ebenfalls bestätigte. Der Mann, der sich das Leben nahm, saß mit in dem Unfallauto, das die damals noch amtierende Ministerpräsidentin Kramp-Karrenbauer im Januar diesen Jahres nach dem Neujahrsempfang zu den Koalitionsverhandlungen nach Berlin bringen sollte. Der Dienstwagen, in dem außer Kramp-Karrenbauer und dem 54-Jährigen  noch ein  weiterer Personenschützer und der Fahrer saßen, kollidierte  am 11. Januar kurz nach vier Uhr morgens auf der Autobahn A 10 bei Potsdam mit einem LKW.  Sowohl  die Ministerpräsidentin wie auch einer der Sicherheitsbeamten wurden nach dem Unfall stationär behandelt. War das der Beamte, der sich jetzt für den Freitod entschied? Das darf die Polizei aus Datenschutzgründen nicht offen legen. Auch nicht, ob sich der Mann mit seiner Dienstwaffe tötete.

Laßotta erklärt lediglich, alle Kollegen seien durch den Freitod „gänzlich überrascht“ worden. „Kein Mensch kann sich das hier erklären“, sagt auch Landespolizeipräsident Norbert Rupp der SZ. Selbsttötungen in den Reihen der Polizei seien „Ausnahmefälle“, auch wenn er selbst in 39 Dienstjahren durchaus schon Ähnliches erlebt habe. Er kannte den Toten sehr gut:  „Ich bin traurig und tief betroffen.“ Sein Mitgefühl, so Rupp, gelte den Angehörigen und den Kollegen des Verstorbenen. Der Kriminaloberkommissar hinterlässt als nächste Angehörige seine Mutter.



Aus Sicht der Polizei führt es offensichtlich in die Irre, Zusammenhänge zwischen dem Unfall vor Potsdam  und dem Freitod herstellen zu wollen. Aus einer weiteren Polizei nahen Quelle erfährt die  SZ, dass der 54-Jährige keine psychischen Auffälligkeiten zeigte. Allerdings stand er offensichtlich nach einer Krankheitsphase kurz vor einer Wiedereingliederung.

Das Ermittlungsverfahren der Fachabteilung, ob es sich zweifelsfrei um eine Selbsttötung handelte, dauerte gestern noch an.

Menschen, die unter Depressionen leiden und Suizidgedanken haben, finden bei der Telefonseelsorge online oder telefonisch unter den kostenlosen Hotlines (0800) 1 11 01 11 und (08 00) 1 11 02 22 rund um die Uhr Hilfe. Die Beratungsgespräche finden anonym und vertraulich statt.