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Saarbahnführer streiken ohne Ankündigung

Saarbrücken. Der Streik der Saarbahnführer am Freitag hat alle überrascht: Saarbahn, Busfahrer und die Fahrgäste. "Wir haben spontan über Funk davon erfahren", sagt Busfahrer Thomas Seiler, der seit 14.45 Uhr aufgrund des erneuten Warnstreiks der Gewerkschaft der Lokführer (GdL) Schienenersatzverkehr leisten muss Von SZ-Redaktionsmitglied Gerrit Dauelsberg

Saarbrücken. Der Streik der Saarbahnführer am Freitag hat alle überrascht: Saarbahn, Busfahrer und die Fahrgäste. "Wir haben spontan über Funk davon erfahren", sagt Busfahrer Thomas Seiler, der seit 14.45 Uhr aufgrund des erneuten Warnstreiks der Gewerkschaft der Lokführer (GdL) Schienenersatzverkehr leisten muss. Jetzt versucht er, der Ratlosigkeit unter den Fahrgästen Herr zu werden.Josef Hill zum Beispiel läuft etwas unschlüssig am Hauptbahnhof umher. Er muss sich neu orientieren, da er gerade erfahren hat, dass seine Bahn nicht fährt. Schließlich findet er eine Lösung: "Zur Not kann ich einen Zug in anderthalb Stunden nehmen." Grund für die Verwirrung: Die Lokführergewerkschaft hat zum dritten Mal innerhalb von dreieinhalb Wochen zu einem Warnstreik aufgerufen - dieses Mal für einen Zeitraum von fast 14 Stunden bis Betriebsschluss. "Ich habe eine Minute vor Streikbeginn davon erfahren", sagt Saarbahn-Geschäftsführer Norbert Reuter und fügt hinzu: "Das ist natürlich sehr ärgerlich für unsere Fahrgäste." Betroffen sind zehn Züge auf der Strecke zwischen Saargemünd, Hauptbahnhof und Riegelsberg. Am Nachmittag sind deswegen alle verfügbaren Busse im Einsatz. Zwischen Bahnhof und Saargemünd fahren Ersatzbahnen.



Trotzdem: Auf die Fahrgäste kommen Verspätungen zu. Und nicht alle haben Verständnis für die streikenden Saarbahnfahrer: "Denen geht es viel zu gut", sagt Arber Rrustemi, der gerade von der Arbeit kommt und nun nach Riegelsberg möchte. Er findet die Forderungen nach gleichberechtigter Bezahlung mit den Lokführern der Deutschen Bahn überzogen: "Die bedienen schließlich nur einen Hebel." Dagegen hat Thomas Heß zumindest teilweise Verständnis für den Warnstreik: "Es ist in Ordnung, dass die Bahnführer auf ihr Streikrecht zurückgreifen. Allerdings sollten sie das vorher ankündigen."

Doch genau diese Vorgehensweise verteidigt der Leiter der GdL-Tarifabteilung, Thomas Gelling: "Wir haben im Vorfeld bewusst nicht über den Warnstreik informiert, um ihn wirksamer zu machen." Er sieht die Hauptschuld beim Kommunalen Arbeitgeberverband Saar (KAV Saar). Der weigert sich bislang, den Saarbahnführern die gleiche Bezahlung wie den Lokführern der Deutschen Bahn zu gewähren. "Dass die Fahrgäste betroffen sind, ist natürlich ein bedauerlicher Nebeneffekt", sagt Gelling, "aber das sind nun mal die Streikauswirkungen." Zeigt der Warnstreik wieder keine Wirkung, kündigt er noch weitergehende Maßnahmen an.