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Wegen Schweinepest
Saar-Jäger fordern Freigabe von Nachtzielgeräten

 Zur Vorbeugung der ASP sei die Jagd auf Schwarzwild im Saarland „ein Riesenthema“, sagte Schorr.
Zur Vorbeugung der ASP sei die Jagd auf Schwarzwild im Saarland „ein Riesenthema“, sagte Schorr. FOTO: dpa / Franziska Kraufmann
Saarwellingen/Gensingen . Die Afrikanische Schweinepest rückt näher. In Belgien ist die Tierseuche bereits angekommen. Um ihrer Ausbreitung vorzubeugen, sollen mehr Wildschweine erlegt werden. Nachtzielgeräte sollen dabei helfen. Von Birgit Reichert

Die saarländischen Jäger fordern die Freigabe von Nachtzielgeräten an Schusswaffen, um die Jagd auf Wildschweine zu verbessern. Von dieser Technik erwarte man „eine größere Steigerung“ der Abschusszahlen, sagte der Geschäftsführer der Vereinigung der Jäger des Saarlandes, Johannes Schorr, der Deutschen Presse-Agentur in Saarwellingen. Das sei gerade angesichts der drohenden Afrikanischen Schweinepest (ASP) wichtig. Nachtzielgeräte an Waffen zu montieren sei aber nach wie vor durch das Waffengesetz verboten. Allein schon der Besitz sei strafbar, sagte Schorr.


„Die Jägerschaft im Saarland hätte die Nachtzieltechnik gerne“, sagte Schorr. Mit der künstlichen Lichtquelle an der Zieloptik könnte das Schwarzwild, das gerne nachts unterwegs sei, besser erkannt und zur Strecke gebracht werden. Das sei zudem „waidgerechter“, da Verletzungen der Tiere und die Suche nach ihnen eher vermieden werden könnten. Auch die Oberste Jagdbehörde stärke den Jäger bei ihrer Forderung der Rücken, sagte Schorr. Aber: „Nach meiner Einschätzung ist die Chance, dass wir einen Erfolg haben werden, allerdings sehr gering.“



Bisher würden sich die Jäger mit der legalen Nachtsichttechnik behelfen: Sie nutzen Geräte, die aussähen wie ein Fernglas und mit Wärmebildtechnik ausgestattet seien. Diese hätten aber den Nachteil, dass man nach dem Erkennen des Tieres zum Schießen „noch mal die Optik“ wechseln müsse, wenn man dann durch das Zielfernrohr seiner Waffe schaue. „Dann kann es sein, dass man je nach Sichtverhältnissen gar nichts mehr sieht.“

Zur Vorbeugung der ASP sei die Jagd auf Schwarzwild im Saarland „ein Riesenthema“, sagte Schorr. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Tierseuche eines Tages auch in Deutschland nachgewiesen werde, sei „leider groß“. „Es ist nicht die Frage ob, sondern wann.“ Im nicht weit entfernten Belgien wurden laut Deutschem Jagdverband bereits mehr als 400 ASP-positive Fälle (Stand 4. Februar) nachgewiesen.

Im vergangenen Jagdjahr seien im Saarland so viele Wildschweine erlegt worden wie noch nie: gut 8800 Tiere. Nach Einschätzung von Schorr hängt der der Rekord möglicherweise auch mit dem vermehrten Einsatz von Nachtsichtgeräten zusammen. Die Leistungsfähigkeit der Geräte werde immer besser und die Preise gleichzeitig etwas moderater, so dass sich immer mehr Jäger diese Technik leisten könnten.

Die Jäger in Rheinland-Pfalz dagegen lehnen in der Präventionsphase „eine generelle, unbegrenzte Einführung“ von Nachtzielgeräten auf Schusswaffen ab. Es gelte, die bestehenden Möglichkeiten auszuschöpfen: Dazu gehörten der Einsatz von Nachtsichtgeräten insbesondere auf Basis von Wärmebildtechnik, die nicht an der Waffe montiert seien - sowie von Taschenlampen, teilte der Landesjagdverband Rheinland-Pfalz in Gensingen mit.

Für die drohende Einschleppung der ASP nach Rheinland-Pfalz wird nach Ansicht der dortigen Jäger „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ der Mensch verantwortlich sein. „Das berühmte, achtlos weggeworfene Salamibrot lässt grüßen“, teilte der Verbandssprecher mit. Auch er meinte: „Es wird wohl keine Frage sein, ob die ASP kommt, sondern wann.“

Die Afrikanische Schweinepest ist eine Viruskrankheit, die Wild- und Hausschweine befallen und töten kann. Für Menschen ist die ASP ungefährlich.

Bei einem ASP-Ausbruch werde dann nicht mehr von Jagd gesprochen, sondern von Seuchenbekämpfung mit allen rechtlich angeordneten Mitteln, erklärte der rheinland-pfälzische Jagdverband weiter. Welche das sein werden, lasse sich derzeit nicht abschätzen. „Mit einer waidgerechten Jagd wird es aber wohl nichts mehr zu tun haben.“ In Rheinland-Pfalz wurden 2017/2018 knapp 89 000 Schwarzkittel geschossen.