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Debatte um Nachfolger des Weltkulturerbe-Managers
Wird ein Saarländer Grewenigs Nachfolger?

 Die Frage der Nachfolge von Meinrad Maria Grewenig beschäftigt jetzt auch die Landtagsfraktionen.
Die Frage der Nachfolge von Meinrad Maria Grewenig beschäftigt jetzt auch die Landtagsfraktionen. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Die Fraktionen im Saar-Landtag rätseln darüber, wer neuer Manager des Weltkulturerbes Völklinger Hütte werden soll. Von Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

In den saarländischen Landtagsfraktionen gibt es noch keine klare Entscheidung darüber, ob der neue Manager des Weltkulturerbes Völklinger Hütte saarländischen „Stallgeruch“ haben soll. „Wir haben uns mit dem Nachfolger von Meinrad Maria Grewenig in der SPD-Fraktion noch nicht befasst“, sagte SPD-Fraktionsvize Eugen Roth gestern vor Journalisten im Saar-Landtag. Roth erklärte, er sei einverstanden mit der Entscheidung des Aufsichtsratsvorsitzenden des Weltkulturerbes und Kultusministers Ulrich Commerçon (SPD), den Vertrag mit Generaldirektor Professor Grewenig, 64, im Juni nicht über dessen 65. Geburtstag hinaus zu verlängern. Wenn eine Arbeitsbeziehung nicht so sei, wie sie sein sollte, „dann sollte man sie nicht künstlich verlängern“, betonte Roth. Und bestätigte damit indirekt die Gerüchte in der Saar-Kulturszene, dass das Arbeitsverhältnis zwischen Commerçon und Grewenig nicht das beste gewesen sei. Commerçon hatte zuvor dem SR gesagt, dass er und Grewenig zwar nie enge Freunde gewesen seien. „Aber wir sind immer gut miteinander klargekommen“, so Commerçon im SR. Demnach will der Kultusminister bis Anfang kommenden Jahres einen neuen Manager für das Weltkulturerbe gefunden haben. Grewenig hatte es in der SZ als „Geschwätz“ bezeichnet, dass ihm im Aufsichtsrat irgendwelche Vorwürfe wegen seiner Amtsausübung gemacht worden seien. Commerçon kündigte an, dass er das Weltkulturerbe in Völklingen besser mit den anderen Orten der Industriekultur im Saarland verzahnen wolle.


CDU-Fraktionsvize Bernd Wegner sagte, Grewenigs Lebensarbeitszeit neige sich dem Ende entgegen. Grewenig habe das Weltkulturerbe Völklinger Hütte in den vergangenen Jahren „hervorragend kulturell vermarktet“. Das Saarland verliere mit ihm „eine Kapazität in diesem Bereich“. Über Personen, die das Grewenig-Erbe antreten sollten, werde jedoch erst im Ausschreibungsverfahren entschieden. Und auch darüber, ob die neue Frau oder der neue Mann an der Spitze des Weltkulturerbes aus dem Saarland stamme. „Namen wurden bei uns in der Fraktion noch nicht diskutiert“, sagte Wegner. Er bekannte, dass er ein großer „Fan“ von Grewenig sei, den er schon aus Jugendtagen aus seiner Heimatgemeinde kenne. Deshalb sei Grewenigs Ausscheiden ein Verlust, der jedoch durch eine fähige Nachfolgerin oder einen fähigen Nachfolger kompensiert werden könne.

Linken-Fraktionschef Oskar Lafontaine nahm die Grewenig-Nachfolgedebatte ironisch. „Ich bin für die kulturell beste Lösung, denn sonst hätte ich die Befürchtung, dass ein verdienstvoller Saar-Politiker aus der großen Koalition dort tätig wird. Ich würde mal vermuten, dass das nicht unbedingt die optimale Lösung wäre“, sagte Lafontaine in Anspielung auf die Besetzung von Chefposten öffentlicher Institutionen im Saarland wie Saartoto oder dem Landessportverband mit CDU- und SPD-Politikern. Lafontaine sagte, dass die CDU/SPD-Landesregierung jedoch im Falle Grewenigs erklärungspflichtig sei. Dieser habe schließlich erklärt, dass ihm nie Management-Fehler im Aufsichtsrat des Weltkulturerbes vorgeworfen worden wären. Dabei habe er auf die Aufsichtsratsprotokolle verwiesen. Die kulturpolitische Sprecherin der Linksfraktion, Astrid Schramm, teilte zudem mit, dass man zu dem Urteil kommen müsse, dass die Landesregierung „einen von Ungeschicklichkeiten gekennzeichneten provinziellen Umgang mit den führenden Kulturschaffenden an der Saar pflege“. Schramm nannte in diesem Zusammenhang die ehemalige Ballettchefin am Staatstheater, Maggie Donlon, den Ex-Leiter der Musikfestspiele, Professor Robert Leonardy, und den Festivalmacher Thilo Ziegler.



Der Chef der rechtspopulistischen AfD-Fraktion, Josef Dörr, lobte Grewenigs „sehr gute Arbeit“. Das Verhältnis von Besucherzahlen zu den Kosten sei bei den von Grewenig verantworteten Ausstellungen hervorragend gewesen. Zur Nachfolgefrage erklärte Dörr: „Ein Saarländer ist uns lieber.“ Aber letztendlich würden die Fähigkeiten als Kulturmanager den Ausschlag geben. Dörr sagte, er habe den Verdacht, dass man bereits einen Grewenig-Nachfolger in petto habe. Sonst hätte man Grewenigs Angebot, den Vertrag zu verlängern, nicht ausgeschlagen.