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Fischzucht
Saar-Aale reisen mit dem Auto zum Rhein

Umweltminister Reinhold Jost (Mitte) und Hans Bünting von der Firma innogy (links) mit einem Saar-Aal im Netz.
Umweltminister Reinhold Jost (Mitte) und Hans Bünting von der Firma innogy (links) mit einem Saar-Aal im Netz. FOTO: Ruppenthal
Dillingen/ Merzig. Gute Nachricht für den Aal. Auch in Zukunft werden erwachsene Aale aus der Saar gefischt, um sie zu schützen. In Merzig haben jetzt Staatssekretär Roland Krämer (SPD) vom saarländischen Umweltministerium und Hans Bünting, Vorstand für erneuerbare Energien bei innogy, die Vertragsverlängerung zur Aalschutzkooperation an der Saar unterzeichnet. Von Rolf Ruppenthal

Die Initiative wurde 2016 mit dem Ziel gestartet, Aale in der Saar gezielt mit Reusen abzufischen, um sie anschließend hinter Linz in der Rhein zu setzen. Von dort aus können die Tiere weitgehend ungehindert in Richtung ihrer Laichgebiete in der gut 5000 Kilometer entfernten Saragossasee vor Florida weiter wandern.


„Der europäische Aal ist vom Aussterben bedroht“, betont der Präsident des Fischereiverbandes Saar, Andreas Schneiderlöchner. Querverbauungen, insbesondere die Staustufen, verhindern hierzulande die Rückwanderung der ausgewachsenen und geschlechtsreifen Blankaale. Die Aal- und Artenschutz-Aktion des Fischereiverbandes Saar lässt sich innogy die nächsten fünf Jahre rund 200 000 Euro kosten.

Kuriosum am Rande: Die Aale kommen als Jungtiere per Auto an und in die Saar und werden gut zehn Jahre später wieder mit dem Auto an den Rhein gefahren. Alljährlich setzt der Fischereiverband Saar an fünf bis sechs verschiedenen Stellen zwischen Saarbrücken und Mettlach mehrere tausend  Jungaale aus, um ihre Bestände aufzupeppen. „Der Fischereiverband Saar versteht sich schon längst nicht mehr als reine Interessenvertretung der Angler“, so der Präsident Andreas Schneiderlöchner, „vielmehr engagiert er sich in vielerlei Bereichen des Natur- und Umweltschutzes“. So versuche man schon seit geraumer Zeit mit gezielten Maßnahmen, den europäischen Flusskrebs wieder anzusiedeln, und ihn dort, wo er noch existiert, zu schützen. In zwei eigens gekauften Weihern können diese bedrohten Tiere ungestört heranwachsen und sich fortpflanzen, um dann in Zukunft nach und nach wieder  in geeigneten Gewässern ausgewildert zu werden.



Alljährlich werden auch mehrere tausend Jungzander in der Saar ausgesetzt, um die immer schneller anwachsenden Mengen an Schwarzmundgrundeln mit Hilfe dieses Raubfisches deutlich zu dezimieren. Diese Fischart ist vom kaspischen Meer her zugewandert, vermehrt sich explosionsartig mehrmals im Jahr und droht immer mehr einheimische Fischarten zu verdrängen. In Zusammenarbeit mit der Firma Prowin sind inzwischen auch die ersten von insgesamt 30 geplanten Feuchtbiotope fertiggestellt worden. Auf diese Weise sollen optimale Lebensbereiche für Amphibien, Reptilien, Insekten und Vögel geschaffen werden.