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Die Gäste im Max Ophüls Festivalclub
Rolltreppe aufwärts in Lolas Bistro

Bei gedimmtem Licht und ausgelassener Stimmung feiern die Gäste im Festivalclub.
Bei gedimmtem Licht und ausgelassener Stimmung feiern die Gäste im Festivalclub. FOTO: Oliver Dietze / Oliver Dietze /MOP
Saarbrücken. Wer trifft sich abends im Club des Filmfestivals Max Ophüls Preis? Wir haben uns unter die Gäste gemischt. Von Patricia Heine und Lisa Kutteruf

Die Rolltreppe nach oben. Darauf warten sie – die jungen Filmemacher. Ihren Film zeigen. Auf der großen Bühne darüber diskutieren. Auch an diesem Abend in Lolas Bistro, dem Festivalclub des Max Ophüls Preises. Immer mehr Gäste füllen den Raum des ehemaligen Kaufhauses in der Kaiserstraße. Wer die Rolltreppe nach oben nimmt, diskutiert mit den Regisseuren über ihre Filme. In Etage eins. Wer unten bleibt, kann sich ablenken von den Gedanken über die Rolltreppe. Mit Wein, Bier, Cocktails, Musik und Gesprächen – an Stehtischen, an der Bar, auf Sofas, Stühlen oder Hockern. Gedimmtes Licht, Musikfetzen schneiden durch die Gespräche. Wer sind diese Leute, die hier abends das Festival ausklingen lassen?


Vor der Fensterfront zur Kaiserstraße sitzen vier Studenten der Filmakademie Baden-Württemberg auf weißen Sitzwürfeln. Sie gestikulieren und lachen viel, während sie sich unterhalten – oder sich vielmehr anschreien, um den Lautstärkepegel im Raum zu überbieten. Gelächter. Die drei Jungs in Jeans und Jackett. Das Mädchen trägt goldenes Top über weißem T-Shirt. „Wollt ihr mitreden? Wir diskutieren gerade über Pornos“, fragt sie lachend. Die Jungs erzählen, dass sie einen Kurzfilm produziert haben. Er lief am Nachmittag. Kein Porno im Übrigen. Plötzlich das Gesprächsende: „Wir gehen jetzt zu Wolfgang“, sagen die vier Studenten. Der sitzt auf der anderen Seite des Raumes an einem Tisch. Wolfgang Reeb – ein Urgestein der saarländischen Filmszene, Schauspieler, Produzent und Ophüls-Pate. Er bringt im Saarland Filmschaffende zusammen. Und sucht nach Geldgebern für das Festival, erzählt er.

Weitläufig ist das Kaufhaus ohne Kunden. Die Sitzgruppen sind belegt, die Theken belagert. Immer wieder sticht ein roter, spitzer Hut aus der Menge. Er sitzt auf Heikes Kopf. Genauer gesagt auf ihren genauso roten Haaren. Mit der Film-Szene hat sie wenig zu tun, erzählt sie. Heike ist zum Gucken da. Die Neugierde hat die Saarländerin in Lolas Bistro getrieben. Mit der Rolltreppe hat sie nichts zu tun.



José Barros ist da schon dicker im Geschäft. Gerade noch hat er dem Kinopublikum im Cinestar seine Rolle im Spielfilm Goliath erklärt. Jetzt zieht er am Strohhalm in seinem Moscow Mule. Der Hamburger mit chilenischen Wurzeln – er plaudert locker, lustig, herzlich mit jedem. Als kenne er sie alle.

Die Schauspielerin Jill Weller lebt seit einigen Jahren in Berlin. Zum Ophüls-Festival kommt sie gerne zurück in die Heimat. Sie schätzt die familiäre und entspannte Atmosphäre in Lolas Bistro, auch in Bezug auf den Dresscode. „Ich glaube, es würde auch keinen stören, wenn man im Schlafanzug antanzt“, sagt sie und lacht. „Das ist in Berlin anders.“ Dort gibt es auch mehr Rolltreppen.

Derweil wird Ali Tamim von einem jungen Schauspieler begrüßt. „Habibi, was geht? Alles klar bei dir, Bruder?“ Der Regisseur des Kurzfilms Ptok fühlt sich wohl, während er einen Wrap isst und mit Schauspielern quatscht. Sein Handwerk hat der gebürtige Berlin-Neuköllner an der Film-Universität Babelsberg in Potsdam erlernt. Dass er beim Ophüls-Festival nominiert ist, freut ihn sehr. „Ophüls stand auf meiner Liste ganz oben.“ Am Mittag ist „Ptok“ zum ersten Mal im Kino gelaufen. Voller Saal. „Das ist einfach riesig. Du stehst da, bist nur ein kleiner Student und der ganze Saal ist voll und will deinen Film sehen“, sagt er. Und wie stehen die Chancen auf den Preis? „Ich denke, mein Film gewinnt“, sagt Tamim, grinst und fährt die Rolltreppe nach oben.