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Rittenhofener Metzger wetzte das Messer

Köllerbach. Der Förderverein "Dorf Rittenhofen" hatte für Samstag ein Schlachtfest angekündigt. Schließlich ist der Vereinsvorsitzende Werner Telke Metzger. Aufs Schlachten wie früher verzichtete der Verein - aus Rechtsgründen. Schließlich sind Hausschlachtungen heutzutage an strenge Vorschriften gebunden. Vor allzu langer Zeit war das noch anders Von SZ-Mitarbeiter Walter Faas

Köllerbach. Der Förderverein "Dorf Rittenhofen" hatte für Samstag ein Schlachtfest angekündigt. Schließlich ist der Vereinsvorsitzende Werner Telke Metzger. Aufs Schlachten wie früher verzichtete der Verein - aus Rechtsgründen. Schließlich sind Hausschlachtungen heutzutage an strenge Vorschriften gebunden.



Vor allzu langer Zeit war das noch anders. Früher gehörten in den Dörfern des Köllertales Tiere zum Alltag, das Schlachten auch. Bis in das Jahr 1950 hinein trieb beispielsweise Nikolaus Altmeyer, der letzte Köllerbacher Schweinehirte, nach uralter Sitte tagein, tagaus rund 70 Borstentiere der Rittenhofer Bäuerlein auf den "Sauwasen", wo sie aus dem Boden wühlten, was ihnen schmeckte: Würmer und Engerlinge, Knollenfrüchte, Wurzeln, Pilze, Eicheln und Bucheckern. Die feine Nase, die sie dafür brauchen, haben sie heute noch. Blies der Hirte am Abend wieder sein Horn, gings im geordneten Schweinsgalopp zurück nach Rittenhofen, wo die Tiere alleine in ihre Ställe zurückfanden.

Dort fand dann irgendwann in der kalten Winterszeit das Schlachten statt, und das war eine reichlich archaische, blutige und stinkige Angelegenheit. Am Samstag, beim Backhaus, ist das Schwein (aus dem "Ursprungsland" Holland) bereits in zwei Hälften zerteilt, ausgeblutet und abgehangen. Wie früher hängt es an einer hölzernen Leiter und dem Silscheid, einer etwa einen Meter langen Holzstange, die normalerweise dazu dient, Zugtiere vor den Wagen zu spannen. Nun trennt Telke Schulter, Bug, Backe, dicke Rippe, Ober- und Unterschale, Eisbein, Nuss und Filetteile. "Damit es geht noch besser, schärft er zuvor das Messer", heißt es dazu bei den erwähnten Insterburg & Co.

Im Hastenichtgesehen werden Filetteile, Schnitzel und Kotelett herausgeschnitten. Verwertet wird eigentlich alles: Kopf, Füße, Ohren, Schwanz, das gerührte Schweineblut, der sogenannte Flomen, also das Nierenfett und die Schwarte.

Im Laufe des Nachmittages kochen die Rittenhofer aus dem auf diese Weise zerteilten Schwein Unmengen von Blut- und Leberwurst (letztere mit viel Möhren, Zwiebeln, Lauch, Pfeffer, Salz, Nelken, Majoran und Muskat).

Deftig essen kann man nun. Das wird im Laufe des gut besuchten Schlachtfestes schnell klar. Leberknödel kommen auf den Tisch, Wellfleisch, Wurstsuppe, Sauerkraut und Pürree aus Kartoffeln. Hausmacher Wurst schmeckt heiß wie kalt prima. Dazu passt frisches Bauernbrot, "...am besten aus unserem Backhaus", schmunzelt Andreas Kern, Aktiver vom Dorfverein. Sogar ihr eigenes Bier brauen die Rittenhofener, zur Not tut es auch Pils aus Homburg, Bitburg oder anderen Großbrauereien. "Ein Schnaps zur Verdauung schadet auf gar keinen Fall", fügt Andreas Kern hinzu.

Im Backhaus ging es am Samstag noch lange rund um das Schwein und die guten alten Zeiten.