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Rheinland-Pfalz sichert Westwall

Die Panzersperren bieten seltenen Pflanzen und Tieren Lebensraum. Archivfoto: Rolf Vennenbernd/dpa
Die Panzersperren bieten seltenen Pflanzen und Tieren Lebensraum. Archivfoto: Rolf Vennenbernd/dpa
Mainz/Bad Bergzabern. Bunker, Wasserbecken und Panzersperren aus Stahlbeton: Der Westwall sollte das Deutsche Reich vor Angriffen schützen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele der Anlagen gesprengt, doch die Überreste sind nach wie vor vorhanden, auch in Rheinland-Pfalz Von dpa-Mitarbeiterin Isabell Scheuplein

Mainz/Bad Bergzabern. Bunker, Wasserbecken und Panzersperren aus Stahlbeton: Der Westwall sollte das Deutsche Reich vor Angriffen schützen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden viele der Anlagen gesprengt, doch die Überreste sind nach wie vor vorhanden, auch in Rheinland-Pfalz. Seit Jahren setzt sich das Land für den Erhalt der geschätzten rund 3000 Anlagen ein und hat sich nun mit dem Bund auf eine Vereinbarung verständigt. "Damit können wir sicher stellen, dass nichts mehr abgerissen wird", sagte Finanz-Staatssekretär Salvatore Barbaro (SPD).



Das Land übernimmt nun die sogenannte Verkehrssicherungspflicht und erhält dafür insgesamt 25 Millionen Euro vom bisherigen Eigentümer der Anlagen, dem Bund. Die Vereinbarung, die heute in Bad Bergzabern von Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) unterzeichnet wird, soll am 1. Oktober 2014 in Kraft treten.

Der insgesamt 630 Kilometer lange Westwall wurde auf Anordnung Adolf Hitlers mit großem Aufwand als Bollwerk entlang der Westgrenze des damaligen Deutschen Reiches errichtet. Wie viele Anlagen in Rheinland-Pfalz vorhanden sind und wie gut sie erhalten sind, ist nicht bekannt und soll nun genau erforscht werden. Die Befestigungslinie erstreckte sich von Kleve am Niederrhein bis Weil am Rhein an der Schweizer Grenze. Von 1938 bis 1940 entstanden gut 17 000 Bunker plus Gräben, Stollen und Panzersperren.

Mit der Einigung geht nach Angaben des Finanz-Staatssekretärs eine seit 20 Jahren andauernde Auseinandersetzung um die Zukunft der Anlagen zu Ende. Zusammen mit Naturschutzverbänden und historischen Vereinen soll nun in den kommenden 21 Monaten ein Gesamtkonzept erarbeitet werden, das die historische Bedeutung der Anlagen und ihre Rolle als Biotop betonen soll.

Das Land wird nach der Vereinbarung fünf Jahre lang je fünf Millionen Euro erhalten, erklärte Barbaro: "Das Geld wird sehr wahrscheinlich in einer Landesstiftung angelegt, aus deren Erlösen die Finanzierung erfolgt." Das Land rechne mit etwa einer halben Million Euro pro Jahr.

Integriert werden sollen in das Gesamtkonzept auch bereits vorhandene Projekte wie der "Grüne Wall im Westen" des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND). Der BUND stellt die Anlagen als Lebensraum für seltene Tier- und Pflanzenarten wie Wildkatzen und Fledermäuse in den Fokus. Auch das Westwall-Museum in Bad Bergzabern ist als Teil des Konzepts vorgesehen. Das gleiche gelte für vorhandene Wanderwege, mit deren Hilfe die Anlagen besser für den Tourismus genutzt werden könnten.

Im Saarland sind die Überreste des Westwalls weiterhin in der Verantwortung des Bundes. Nach Informationen des Kultusministeriums sind derzeit keine möglichen Änderungen bekannt.

Hintergrund

Der Westwall wurde auf Anordnung Adolf Hitlers entlang der Westgrenze des Deutschen Reiches gebaut. Offiziell damit begründet, Deutschland brauche Sperranlagen gegen einen Angriff der Franzosen, war der Westwall nach der Invasion der Allierten 1944 nutzlos. Er wurde von den Allierten "Siegfried-Linie" genannt. Nach Angaben des Deutschen Historischen Museums wurden acht Millionen Tonnen Zement, 1,2 Millionen Tonnen Eisen und mehr als 20 Millionen Kubikmeter Kies und Sand verbaut. 600 000 Menschen waren beteiligt. Sie gehörten zur "Organisation Todt", die vom bereits für den Autobahnbau verantwortlichen SA-Obergruppenführer Fritz Todt geleitet wurde. dpa