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Reizvolles Kunsterlebnis in der Schalterhalle

Losheim am See. Mäanderförmig windet sich etwa ein breites Band aus Marmor nach oben und erschließt den Raum auf eine leichte, spielerische Art. Dabei lässt es nur allzu leicht vergessen, wie hart dieser beliebte Bildhauerstein ist und welche Kraft es braucht, ihn zu bearbeiten Von SZ-Mitarbeiterin Brigitte Quack

Losheim am See. Mäanderförmig windet sich etwa ein breites Band aus Marmor nach oben und erschließt den Raum auf eine leichte, spielerische Art. Dabei lässt es nur allzu leicht vergessen, wie hart dieser beliebte Bildhauerstein ist und welche Kraft es braucht, ihn zu bearbeiten. "Diese Arbeit hat mich etwa ein halbes Jahr gekostet", erzählt der Bildhauer aus Bachem, der in der freien Kunst einen guten Ausgleich zu seiner beruflichen Tätigkeit als Steinmetzmeister gefunden hat. "Es macht den Kopf frei, gibt mir Ruhe und Kraft", sagt er und zeigt auf die sieben Arbeiten aus indischem Sandstein, die neben vier Marmorskulpturen und einem Porträtkopf aus Terrakotta hier zu sehen sind. Dass Albero Giacometti sein großes Vorbild sei, ist zu erfahren und dass der ihn inspiriert habe, das Gesehene in Stein umzusetzen. Doch während der weltbekannte Schweizer Bildhauer sich überlangen, filigranen Figuren verschrieben hat, haben es Simon abstrakte Formen angetan. "Ich mag besonders diese fließende organische Wellenbewegung, die in vielen meiner Skulpturen zu sehen ist". In griechischem und italienischem Marmor gestaltet er sie ebenso gerne wie in indischen Sandstein, weil der "eine ganz besonders schöne Struktur hat". Entdeckt hat er ihn vor fünf Jahren, als er sich verstärkt der freien künstlerischen Arbeit zuwandte. Seine Begeisterung galt vor allem diesem feinen Spiel der Linien, das so viele unterschiedliche Farbnuancen von zartem Grau bis zu intensivem Ocker ins Spiel bringt. Schon bald stellte Simon dann fest, dass diese schöne Maserung sich sehr gut zur Kombination mit Holz eignet, da sie dort eine gelungene Entsprechung finden kann. Stein trifft auf Holz So zeigt er in dieser Ausstellung unter anderem auch 120 kleine quadratische Sandsteintäfelchen, die inmitten eines Eichenrahmens prangen. Da sie geschnitten und frei zusammengestellt sind, entfalten sie ihren Variantenreichtum umso stärker, doch die Parallele zum Holz wird im feinen Linienspiel ganz augenscheinlich. Ob Buch oder Eiche - das hängt von der Struktur des Holzes ab, doch beide finden in seinen Skulpturen Verwendung. So gestaltet er im Materialmix Werke mit Titeln wie "Gebetsmühle", "Königin" oder "Löffelfrau", die in harmonischen Braun-Ocker Tönen und einer schlichten Formsprache einher kommen. Doch gerade weil die Formen sehr reduziert sind und nichts vom Material ablenkt, können Schönheit und Struktur von Stein und Holz hier ihren Reiz in besonderer Weise entfalten. Bis zum 10. Juli. Volksbank Untere Saar in Losheim, Trierer Straße 1.



HintergrundHarald Simon war von 1983 bis 1985 Schüler des Bildhauers Erwin Rager und des Kalligrafielehrers Ernst Vollmer in Aschaffenburg. 1985 legte er seine Meisterprüfung in Steinbildhauerei ab und ist seit 1999 Inhaber der Firma Pinter & Simon in Besseringen.