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Neue Ideen für Gondwana-Standort
Wird Reden zum Bergbau-Kosmos?

Das neue Wahrzeichen für den Bergbau im Saarland? Eine über 50 Meter hohe Skulptur soll zur Attraktion im „Montanium“ in Reden werden. Noch sind es nur Visionen.
Das neue Wahrzeichen für den Bergbau im Saarland? Eine über 50 Meter hohe Skulptur soll zur Attraktion im „Montanium“ in Reden werden. Noch sind es nur Visionen. FOTO: Immersive Planetdesign
Schiffweiler/Reden. Kurz vor dem zehnjährigen Gondwana-Jubiläum überrascht Investor Matthias Michael Kuhl mit der Idee eines „Montaniums“ in Reden. Von Cathrin Elss-Seringhaus
Cathrin Elss-Seringhaus

Zeitreisen haben es Matthias Michael Kuhl angetan, genau dieser Inszenierungsidee folgt das von ihm im Dezember 2008 am ehemaligen Grubenstandort Reden eröffnete Erlebnismuseum „Gondwana – das Prähistorium“. Jetzt scheint er selbst die Uhren zurückzudrehen, alles auf Anfang. Zehn Jahre nach der Gondwana-Taufe tritt Kuhl zum zweiten Mal als Standort-Pionier und -Vordenker in Erscheinung, nach Finanzkrisen, Schließungsdrohungen und unschönen Zerwürfnissen mit der Landesregierung.


Wobei er diesmal noch verwegener denkt als in seinen Anfängen. Damals ging es „nur“ um einen Dinosaurier-Themenpark, den die öffentliche Hand fördern und durch Investitionen in die Infrastruktur erfolgreich machen sollte. Über 30 Millionen Euro kostete das bis dato. Diesmal nimmt Kuhl gleich den gesamten Standort ins Visier, und jetzt sind etwa 40 Millionen Euro aufgerufen. Potenzieller Geldgeber? Die RAG-Stiftung, die Strukturwandel-Projekte der Nach-Bergbau-Ära fördert. Warum nicht eine weltweit einzigartige, nachhaltige Idee, die Bildung und Tourismus zum Thema Kohle verzahnt?, fragt Kuhl. Und wären seine Entwürfe, die er Medienvertretern am Montagabend in Reden bei einer Pressekonferenz anlässlich des bevorstehenden Jubiläums zeigte, nicht derart elektrisierend, man würde all das als spaßige, abenteuerliche Fantasiegeburt durchwinken.

So soll das „Montanium“ in Reden aussehen FOTO: M.M.Kuhl/Immersive Planet


Doch die Pläne verdienen Aufmerksamkeit. Darauf hat sich Reden in einen riesigen, mit einem transparenten Carbon-Netz überzogenen Bergbau-Kosmos verwandelt. In einen Landschafts-Erlebnis-Park, der erdzeitliche Aspekte zum Energieträger Kohle ebenso durchleuchtet wie alltagshistorische Fragestellungen zum Leben der Bergleute. Ein Ort, der simulierte Schachtfahrten genauso ermöglicht wie Übernachtungen in Erd- und Höhlenhäusern.

Die ersten Entwürfe sehen vor, bisher nicht ertüchtigte historische Hallen miteinzubeziehen und an die Gondwana-Hallen anzuschließen, hinter denen ein 200-Betten-Resort entstehen soll. Hinzu tritt ein gigantisches Wahrzeichen, eine „metaphorische Ikone für den Bergbau“, so Kuhl, fraglos mit Wow-Effekt: 50 Meter hoch, eine Skulptur in der Form eines Kohlestückes, in der Dämmerung rot glühend. „Das ist der Irrsinn, da muss ich hin!“, so beschreibt der Gondwana-Macher die Wirkung der Standort-Vision, die sein Coal-Design-Team entwarf. Der Begriff dafür: Montanium. Inspirationen und Rat holte sich Kuhl nach eigenem Bekunden beim namhaften Schweizer Architekten Peter Vetsch, der durch seine naturnahen Höhlenbauten bekannt wurde.

Kuhl möchte diesmal, wie er versichert, kein eigenes Geld investieren, auch nicht die Finanzierungsmodelle von Gondwana I (2008) oder Gondwana II  wiederholen – letzteres war die Erweiterung im Jahr 2013. Kuhl  sagt: „Standorte entwickeln ist mein Ding. Dafür will ich dann auch bezahlt werden.“ Er sieht sich als Planer und „Bauleiter“.

Mit dem Montanium legt er ein Komplettpaket auf den Tisch, das Reden gänzlich überformen und neu definieren würde. Macht Kuhl damit nicht die Arbeit der Standort-Entwicklungs-Gesellschaft Industriekultur Saar GmbH (IKS)? Der Unternehmer erklärt sein Vorpreschen damit, dass er seit Jahren Weiterentwicklungs-Impulse vermisse: „Wir machen jetzt einen eigenen Vorschlag, wie der Standort in den nächsten zehn Jahren wachsen könnte“, so Kuhl. Dass er mit seiner Vision das Stopp-Signal der Landesregierung überfährt, nimmt er in Kauf. Bereits vor Jahren wurde Reden von der Politik als „ausentwickelt“ erklärt. Die – noch nicht realisierte – Haldenmetro sollte die letzte staatliche Investition werden.

Nicht nur Kuhl hält die Ansicht für falsch, der mittlerweile gut angenommene Erlebnis- und Freizeitort Reden sei bereits optimal erschlossen. Als Mitstreiter an seiner Seite weiß er den früheren CDU-Umweltminister Stefan Mörsdorf, der ihn berät, und auch Willi Gehring, Ex-CDU-Arbeitnehmer-Vertreter und IGBCE-Mitglied. Beide waren bei der Pressekonferenz anwesend und berichteten von einem Arbeitskreis beim Neunkircher Landrat Sören Meng (SPD). Zusammen mit Reinhard Klimmt (SPD) und Eugen Roth (SPD) habe man parteiübergreifend für Kuhls Vorstoß geworben. Auch Tobias Hans (CDU), damals noch nicht Ministerpräsident, sei beim Arbeitskreis dabei gewesen.

Gehring setzt große Hoffnungen in die milliardenschwere RAG-Stiftung, die, wie er meint, jetzt ein offeneres Ohr für das Saarland besitze. Im Kuratorium sitzen drei Saarländer: Außenminister Heiko Maas (SPD), Wirtschaftsminister Peter Altmaier und Ministerpräsident Tobias Hans (CDU). Auch wechselte der Vorstandsposten an Bernd Tönjes. Gehring findet Kuhls Idee richtig, aus Reden den zentralen, einmaligen Erinnerungsort für den Bergbau zu machen. Und Mörsdorf sagt: „Wenn man Strukturwandel will, sollte man zuerst mal einen Standort zu Ende entwickeln, bevor man andere Baustellen aufmacht.“ Aus „eigener Kraft“ könne Kuhl das Montanium nicht stemmen, die Politik müsse sich „an die Spitze der Bewegung“ setzen.

Will sie das? Reden gilt als unbeliebtes, gefährliches Thema, nachdem ein Untersuchungsausschuss die umstrittenen Gondwana-Finanzierungsmodelle der damaligen CDU-Landesregierung durchleuchtete. Kuhl  hat Kredit und Vertrauen verspielt: Will er wieder nur Geld generieren? Auf SZ-Nachfrage erklärt Landrat Sören Meng (SPD), grundsätzlich sei er „neuen Ideen“ gegenüber offen. Kuhl habe vor über einem Jahr sein Modell präsentiert: „Seitdem habe ich nichts Neues von dem Projekt gehört. Daher wundere ich mich, dass jetzt das Ganze vorgestellt wird, da auch über eine Finanzierung nichts bekannt ist. Die zuständige IKS wurde mit diesen Plänen meines Wissens noch nicht befasst. Dies wäre die Grundvoraussetzung für weitere Überlegungen am Standort.“ Auch Ministerpräsident Hans wiederum lässt über seine Pressechefin übermitteln, er habe seit über einem Jahr nichts mehr gehört. Er halte das Ganze aber für „ein interessantes Projekt“. Zugeknöpfter geht es kaum. Übersetzen darf man sowohl Mengs als auch Hans’ Reaktion wie folgt: Strategisch hat Kuhl das Montanium so falsch eingeflogen, wie es eben geht – ohne flankierende politische Maßnahmen.

Auch der Urzeit- und Dinopark Gondwana (vorne) wird Teil eines neuen Landschafts-Konzeptes, das unter einer Art Carbon-Vorhang entstehen könnte. Hinter den Gondwana-Hallen soll eine Erdhäuser-Lodge mit 200 Betten entstehen.
Auch der Urzeit- und Dinopark Gondwana (vorne) wird Teil eines neuen Landschafts-Konzeptes, das unter einer Art Carbon-Vorhang entstehen könnte. Hinter den Gondwana-Hallen soll eine Erdhäuser-Lodge mit 200 Betten entstehen. FOTO: Immersive Planetdesign
Matthias Michael Kuhl
Matthias Michael Kuhl FOTO: Oliver Dietze