| 20:09 Uhr

Rechtzeitige Information versäumt

Gestern an der Pater-Eberschweiler-Grundschule in Püttlingen: Nach der Intervention durch Eltern, die wegen Asbest-Warnungen besorgt waren, wurden die Sanierungsarbeiten am Dach während der Unterrichtszeit eingestellt. Foto: Jenal
Gestern an der Pater-Eberschweiler-Grundschule in Püttlingen: Nach der Intervention durch Eltern, die wegen Asbest-Warnungen besorgt waren, wurden die Sanierungsarbeiten am Dach während der Unterrichtszeit eingestellt. Foto: Jenal
Püttlingen. "Asbest" gehört zu den Reizworten unserer Tage, bei denen schnell die Alarmglocken im Hinterkopf schrillen und automatisch an eine Gesundheitsgefährdung gedacht wird Von SZ-Redakteur Marco Reuther

Püttlingen. "Asbest" gehört zu den Reizworten unserer Tage, bei denen schnell die Alarmglocken im Hinterkopf schrillen und automatisch an eine Gesundheitsgefährdung gedacht wird. So ist es nicht verwunderlich, dass sich Eltern, die ihre Kinder am Montag zur Pater-Eberschweiler-Grundschule brachten, sehr besorgt waren über die Arbeiten, die dort gerade im Gange waren: Im Zuge von energietechnischen Sanierungsmaßnahmen am Dach waren eindringliche Warnschilder am Bauzaun angebracht worden, die Beobachter mit dem Hinweis "Asbestfasern!" auf Abstand halten sollten, und die Arbeiter trugen Schutzanzüge und Mundschutz. Mehrere Eltern ließen ihre Kinder daraufhin vorsorglich zu Hause, zudem suchten Vertreter der Eltern das Bauamt der Stadt auf und verlangten Aufklärung. Dort habe man, so schildert Elternsprecherin Nicole Huth, eingeräumt, eine rechtzeitige Information der Eltern versäumt zu haben, bot aber kurzfristig eine Informationsversammlung, zu der am Mittwochabend viele Eltern, die Schulleitung, Vertreter der Stadt und des Kultusministeriums kamen.


Der Püttlinger Beigeordnete Gerhard Ballas, der die Versammlung leitete, erklärte gestern im Redaktionsgespräch bei der SZ: "Wir haben, das gebe ich offen zu, einen Fehler gemacht: Wir hätten die Eltern vorher informieren müssen." Dass ernst zu nehmende Ängste, zumal um die eigenen Kinder entstehen, wenn man plötzlich Warnschilder und Schutzanzüge sehe, könne er gut verstehen. Von der technischen Seite her habe aber kein Risiko bestanden: Die Wellplatten, die derzeit vom Dach genommen werden, stammen aus einer kurzen Übergangsfrist, in der es keine Kennzeichnungspflicht gab, so sei nicht sicher, ob sie wirklich Asbest enthalten (derzeit wird eine Platte auf Asbestgehalt untersucht), vorsorglich gehe man aber von Asbesthaltigkeit aus. Eine lizenzierte Spezialfirma hat den Auftrag übernommen, die auch verpflichtet ist, Warnschilder aufzustellen und mit Schutzanzügen zu arbeiten. Zunächst werden die Platten mit einem Bindemittel besprüht, um den Staub "festzuhalten", dann werden die Nägel herausgezogen und die Löcher nochmals eingesprüht, dann werden die Platten vom Dach transportiert und luftdicht verpackt. Das Ganze wird von einem "Sicherheits- und Gesundheitskoordinator" des Ingenieurbüros Lehners & Barbian überwacht und vom Gewerbeaufsichtsamt kontrolliert. Von der technischen Seite her, so Ballas, habe er die Arbeiten eigentlich nicht verschieben müssen, aber da auch die Sorgen der Eltern ernst zu nehmen seien, habe er die den Asbest betreffenden Arbeiten in die Unterrichts-freie Zeit verlegen lassen, was das Projekt um etwa vier Wochen verzögere. Eigentlich hätten die Arbeiten ohnehin in den Osterferien erledigt werden sollen, da aber bestimmte Fristen gewahrt werden mussten, um Fördergelder zu erhalten, und weil es in der Folge Lieferschwierigkeiten mit der neuen Dachabdeckung gab, war es zu einer ersten Verzögerung gekommen.

Die meisten Eltern seien nach der Sitzung wohl zufrieden mit dem Erreichten gewesen, schätzte gestern, nach einem Gespräch mit weiteren Müttern, Nicole Huth die Situation ein. Die Stadtverwaltung habe zwar zu spät informiert, sich dann aber sehr kooperativ gezeigt. Auch Schulrektor Bernd Gothier wertete die Angelegenheit gestern als "geklärt".



Hintergrund

Asbest wurde wegen seiner Widerstandsfähigkeit von der Industrie gerne eingesetzt, ist aber inzwischen in der gesamten EU verboten, da eingeatmete Asbestfasern auf vielfältige Weise die Lunge schädigen können. Besonders gefährlich ist Spritzasbest (wie er im "Palast der Republik" verbaut war), der schneller Fasern freisetzt als Asbestzement ("Eternit"), um den es in Püttlingen geht. Asbestzement setzt seine Fasern durch Verwitterung und insbesondere durch mechanische Bearbeitung (bohren, sägen) frei. red