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Eichenprozessionsspinner lauern in Bäumen
Raupe verletzt Kleinkind im Freibad Friedrichsthal

Bademeister Armin Alt sperrt den Bereich um eine Eiche im Freibad Friedrichsthal ab. Grund: Raupen des Eichenprozessionsspinners.
Bademeister Armin Alt sperrt den Bereich um eine Eiche im Freibad Friedrichsthal ab. Grund: Raupen des Eichenprozessionsspinners. FOTO: BeckerBredel
Friedrichsthal/Saarbrücken. Von Frank Bredel und Dietmar Klostermann
Dietmar Klostermann

Der Name klingt vertrauenserweckend und gut katholisch. Doch die Menschen, die von den Härchen der Raupe des Schmetterlings berührt werden, sind alles andere als gebenedeit. Der Eichenprozessionsspinner hat jetzt einen Rettungseinsatz mit Notarzt im Freibad Friedrichsthal ausgelöst. Ein Kleinkind mit heftigem Ausschlag, eine Mutter in Angst, eine Szene, die mit einer Fahrt ins Krankenhaus endete. Und das nur, weil eine Raupe auf den Bauch des Babys fiel, das in einer Trageschale („Maxi-Cosi“) lag. Im Verdacht, diesen Ausschlag ausgelöst zu haben, steht der Eichenprozessionsspinner, ein Schmetterling, dessen Nachwuchs in Gespinsten an Eichen heranwächst und dessen Raupen hoch-allergene Härchen tragen.


Der Friedrichsthaler Bademeister Armin Alt war Zeuge des Vorfalls. Alt sagte der SZ, dass die Raupe von der Eiche gefallen sein müsse, unter der Mutter und Kind lagerten. „Mir tat das Kleine so leid. Die Mutter hat die Raupe fotografiert, ich konnte das Bild aber nicht gut erkennen“, sagte der Bademeister. Der Bereich um den Baum war am Donnerstag abgesperrt, Raupen waren keine zu sehen. „Wir haben den Baum von einer Fachfirma untersuchen lassen, die haben auch nichts gefunden“, sagte Alt.

Christian Jung, Sprecher der Stadt Friedrichsthal, erklärte dazu: „Vor Beginn der Freibadsaison haben wir die Bäume am Schwimmbad auf Befall hin untersucht. Bei der Kontrolle durch eine Fachfirma wurden vorhandene Nester abgesaugt.“ Nach einer weiteren Untersuchung mit Absaugung habe die Firma die Freigabe erteilt. Die Absperrungen wurden beseitigt. Offensichtlich zu früh. Jetzt wurde um die Eiche herum erneut abgesperrt. Jung räumte ein: „Die Härchen der Raupen verbreiten sich leider auch durch den Wind in einem weiteren Umfeld, sodass nicht ausgeschlossen werden kann, dass Härchen oder Raupe von einem ganz anderen Baum stammen.“ Das Bad bleibe geöffnet.



In dieser Badesaison scheinen besonders viele der giftigen Raupen im Saarland unterwegs zu sein. Auch in den Saarbrücker Bädern werden die Bäume regelmäßig kontrolliert. „Unsere Mitarbeiter sind darauf sensibilisiert. Wenn etwas entdeckt wird, verständigen wir unsere Fachfirma, die die Raupen sofort entfernt“, erklärte Ulrike Reimann, Sprecherin der Saarbrücker Stadtwerke. „Im Schwarzenbergbad wurden dieses Jahr einmal Raupen entdeckt und beseitigt.“ Nach Beobachtungen von Badegästen bewegten sich die Kammerjäger in weißen Ganzkörperanzügen, ähnlich jenen der Spurensicherungsbeamten der Kripo, und mit Mund- und Augenschutz in zwei Eichen, die auf der Liegewiese des Toto-Bades stehen. Ein paar Meter weiter sonnten sich die Badegäste in Bikinis und Badehosen. Ein krasser Kleidungs-Kontrast.

Josephine Kretschmer, Sprecherin von Oberbürgermeisterin Charlotte Britz (SPD), teilte mit, dass sich im Saarbrücker Rathaus die Meldungen über das Auftreten des Eichenprozessionsspinners häuften. Die Landeshauptstadt bitte alle Bürgerinnen und Bürger um erhöhte Vorsicht. In Kitas, Schulen oder an stark frequentierten Wegen und Plätzen lasse die Stadtverwaltung seit Wochen die Nester entfernen, überall sei dies jedoch nicht möglich.