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Räume zum WohlfühlenGemS zählt zu den 50 besten Schulen Deutschlands

Freisen. Schon beim Betreten des Hauptgebäudes der Gemeinschaftsschule Freisen (GemS) merkt man, dass diese Schule sich von anderen unterscheidet. Leise meditative Musik erfüllt den Flur und schafft eine beruhigende Atmosphäre, überall hängen Bilder und Gebasteltes, die Türen der Klassenzimmer sind weit geöffnet und man kann die Schüler beim Arbeiten sehen Von SZ-Mitarbeiterin Andrea Hoppstädter

Freisen. Schon beim Betreten des Hauptgebäudes der Gemeinschaftsschule Freisen (GemS) merkt man, dass diese Schule sich von anderen unterscheidet. Leise meditative Musik erfüllt den Flur und schafft eine beruhigende Atmosphäre, überall hängen Bilder und Gebasteltes, die Türen der Klassenzimmer sind weit geöffnet und man kann die Schüler beim Arbeiten sehen.Diese "Wohlfühlatmosphäre", wie Schulleiter Rolf Mohr es nennt, sei wesentlicher Teil des neuen pädagogischen Konzeptes, das die GemS, ehemals Erweiterte Realschule, nun im sechsten Jahr praktiziert. Zu diesem Konzept gehört der Raum als "dritter Pädagoge", um eine angenehme Lernatmosphäre zu schaffen. "Die Schüler sollen gerne hierher kommen", erklärt Schulleiter Mohr. Wenn es nach ihm ginge, würde er am liebsten Wände einreißen, nutzlose, lange Behördenflure abschaffen und diese stattdessen in Ruhezonen und Arbeitsgruppenplätze verwandeln. Teilweise wurde dies auch schon umgesetzt. "Was wir nicht wollen, sind kahle Wände und geschlossene Lernzellen", betont Mohr.


In diesem Zusammenhang hat die Klasse 7d die Verschönerung ihres Klassenzimmers Ende des Jahres konkret in Angriff genommen. In gemeinsamer Arbeit von Eltern und Klassenlehrerin Michaela Kessler wurde aus langweiligen Wänden ein heller Raum in warmen, ansprechenden Farben mit einer Skyline im hinteren Teil sowie einer großen Infotafel mit viel Platz für Mitteilungen und Klasseninternes, eben zu einem echten "Wohlfühlraum", wie die Schüler bestätigen.

An der GemS Freisen sind solche Tätigkeiten nichts Außergewöhnliches. Selbstständigkeit und Eigenverantwortung werden hier groß geschrieben. Das selbstständige Lernen ab der fünften Klasse ist der wichtigste Punkt des neuen Konzeptes der Schule, der Frontalunterricht wurde abgeschafft.

Auch Heterogenität ist ein bedeutender Aspekt, an der GemS arbeiten unterschiedlich leistungsstarke Kinder zusammen. Die Schüler sind angehalten, sich gegenseitig zu helfen. "Davon profitieren beide, der starke wie der schwächere Schüler", erklärt Rolf Mohr. Die Schüler sollen miteinander, aber auch voneinander lernen. In diesem Zusammenhang hat sich auch die Rolle des Lehrers grundlegend geändert. Er bestimmt und reguliert nicht mehr den Unterricht, sondern hilft da, wo ein Schüler nicht weiterkommt. So ist das individuelle Fördern bei jedem Schüler anders, es wird auf die unterschiedlichen Ansprüche jedes Schülers eingegangen. "Wir wollen starke Menschen aus den Schülern machen und sie nicht unter Druck setzen", so Schulleiter Mohr.

Für ihre fortschrittliche Arbeit erhielt die Gemeinschaftsschule Freisen beim Saarländischen Schulpreis 2009 den zweiten Platz. Und als einzige saarländische Schule kam sie beim Deutschen Schulpreis 2013 unter die 50 besten Schulen Deutschlands (siehe Text unten). Vorher schon, aber vor allem, nachdem die GemS ausgezeichnet worden war, seien Eltern auf die Schule zu gekommen mit dem Wunsch, den Klassenraum ihrer Kinder zu verschönern, erklärt Rolf Mohr. Nun hoffe er, dass die 7d zum Vorreiter ähnlicher Aktionen werde. Freisen. Die Gemeinschaftsschule Freisen gehört aktuell zu den 50 besten Schulen Deutschlands. Zu diesem anerkennenden Schluss kam jetzt eine hochkarätige Jury, bestehend aus Erziehungswissenschaftlern, Pädagogen und Schulleitern aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und den Niederlanden, die jährlich über die Vergabe des Deutschen Schulpreises entscheidet. Vergeben werden Preis und Anerkennungen von der Robert-Bosch- und der Heidehof-Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Magazin "Stern" und der ARD. Schulleiter Rolf Mohr meinte dazu: "Wenn man bedenkt, wie viele Schulen es in Deutschland gibt und wo wir jetzt eingeordnet sind, haben wir wirklich allen Grund, auf das bisher gemeinsam Erreichte stolz zu sein."



Beispiele aus der Praxis

Mit der Wahl unter die deutschen "Top-50-Schulen" hat sich die Freisener Schule die Teilnahme am diesjährigen "Exzellenzforum des Deutschen Schulpreises" gesichert. Bei dieser Veranstaltung werden vor allem hervorragende Praxisbeispiele der teilnehmenden Top-Schulen vorgestellt und ausgetauscht. Dabei geht es in erster Linie auch darum, die Bereiche "Leistung", "Umgang mit Vielfalt", "Unterrichtsqualität", "Verantwortung", "Schulleben", und "Schule als lernende Institution" in einzelnen Arbeitskreisen noch intensiver aufzuarbeiten. Gerade von der Teilnahme an einem solchen Forum erhofft man sich daher bei der Schulleitung, dass von dort weitere Impulse ausgehen für das Bemühen um eine stetige Verbesserung von Schule und Unterricht.

Gemeinsam mit Bildungsexperten und Vertretern anderer "Top-50-Schulen" kann beim Exzellenzforum über die Potenziale und über mögliche weitere Schritte in der Schulentwicklung gesprochen werden. Unter die "Top 50" geschafft hat es die GemS Freisen unter anderem auch durch das bereits im sechsten Jahr laufende neue pädagogische Konzept der Schule. Dieses Konzept, das der Schulpreis-Jury ausführlich erläutert wurde, sieht ein weitgehendes selbstständiges Lernen der Schüler ab der 5. Klasse vor. red

Am Samstag, 2. Februar, findet an der Gemeinschaftsschule Freisen ein Tag der offenen Tür statt. Von 8 bis 12.30 Uhr können die Viertklässler mit ihren Eltern die praktische Umsetzung des besonderen pädagogischen Konzeptes und die Atmosphäre an der Schule hautnah erleben.

"Wir wollen starke Menschen aus den Schülern machen und sie nicht unter Druck setzen."

Rolf Mohr, Schulleiter