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Bessere Radwege ab Haustür
Radler-Club will mehr Geld für kommunale Radwege

Saar-ADFC -Chef Thomas 
Fläschner
Saar-ADFC -Chef Thomas Fläschner FOTO: Robby Lorenz
Saarbrücken. ADFC fordert vom Land zwei Millionen Euro jährlich, um den Radverkehr auf den kurzen Strecken anzukurbeln. Von Dietmar Klostermann

() Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) im Saarland klinkt sich in die Diskussion über von der CDU/SPD-Landesregierung nicht abgerufene Bundesmittel für den Bau von Radwegen an Bundesstraßen ein. Die vom saarländischen Bundestagsabgeordneten und Landes-Parteichef der Grünen, Markus Tressel, geübte Kritik sei zwar im Prinzip richtig, so der Chef des Radler-Clubs Thomas Fläschner gegenüber der SZ. Wichtig sei es aber auch, den Blick auf die gesamte Radverkehrsförderung im Saarland zu weiten und zu schärfen. Nicht der Ausbau der außerörtlichen, sondern der innerörtlichen Wege sei entscheidend. Dort finde der Radverkehr statt, dort besitze er sein auch im Saarland größtes Potenzial.


Niemand erwähne, dass es in den Behörden, sowohl auf kommunaler als auch auf Landesebene, „schlicht an genügend qualifiziertem Personal“ mangele, sagte Fläschner. Planungen müssten schließlich kompetent betreut werden, und genauso kompetent müssten die für die Umsetzung nötigen Finanzmittel beantragt werden. Das vorhandene Behörden-Personal erlebe der ADFC zwar fast überall als „sehr engagiert“, aber die Personaldecke sei so dünn, dass bereits die Daueraufgaben kaum erledigt werden könnten. Im ganzen Saarland gebe es nur einen einzigen hauptamtlichen Radverkehrsbeauftragten in Saarbrücken. Und sogar diese Stelle habe jahrelang im Dauerfeuer des CDU-Fraktionschefs im Stadtrat und neuen Saar-Finanzministers Peter Strobel gestanden. In den anderen Kommunen könnten Radverkehrsbelange nur nebenbei von oft fachfremden Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mitbetreut werden. Dies sei Folge der im Zuge der Einhaltung der Schuldenbremse vollzogenen massiven Personalkürzungen, die auch von den Grünen mitgetragen worden seien, merkte Fläschner kritisch an.

Verkehrsministerin Anke Rehlinger (SPD) habe diese Problematik erkannt und bei der Arge Solar eine so genannte „Förder-Lotsin“ installiert. Diese Lotsin solle den Kommunen bei der Einreichung von Förderanträgen zur Seite stehen. Der ADFC rügte, dass diese Hilfe nicht intensiv genug beworben werde.

Fläschner forderte, die finanzielle Förderung der innerörtlichen Wege an die erste Stelle zu setzen. Dort finde Radverkehr hauptsächlich statt, dort lauerten die Unfallgefahren, dort würden Eltern ihre Kinder nicht mit dem Rad zur Schule fahren lassen, dort liege wegen der kurzen Wegbeziehungen das große Potential des Radverkehrs, sagte Fläschner. So sei ein Viertel aller Autofahrten unter zwei Kilometer lang und könne gut mit dem Rad bewältigt werden. Das Land selbst müsse jährlich mit zwei Millionen Euro den Radnahverkehr unterstützen.