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Queen Victoria war ein Trendsetter für Bräute

Nohfelden. Queen Victoria von England ist es wohl zu verdanken, dass Bräute heute meist ein weißes Kleid tragen. Das hat Heidi Meier vom Museum für Mode und Tracht in Nohfelden herausgefunden, als sie für die aktuelle Sonderausstellung "Ganz in Weiß - Einmal Prinzessin sein" recherchiert hat. Denn früher heirateten die Frauen meist in einem schwarzen Kleid Von SZ-Redakteurin Melanie Mai

Nohfelden. Queen Victoria von England ist es wohl zu verdanken, dass Bräute heute meist ein weißes Kleid tragen. Das hat Heidi Meier vom Museum für Mode und Tracht in Nohfelden herausgefunden, als sie für die aktuelle Sonderausstellung "Ganz in Weiß - Einmal Prinzessin sein" recherchiert hat. Denn früher heirateten die Frauen meist in einem schwarzen Kleid. Das hatte praktische Gründe. Die Frauen wählten ein Gesellschaftskleid, das sie auch nach der Hochzeit weiter tragen können. Es galt als ungeschriebenes Gesetz, dass eine Frau nach der Hochzeit keine weißen Kleider trug. "Um 1850 setzten sich weiße Kleider in der gehobenen Schicht durch", weiß Meier. Vorbild sei damals Königin Victoria gewesen, die 1840 in einem cremfarbenen Kleid Prinz Albert von Sachsen-Coburg heiratete. In diese Zeit fielen auch die ersten Modezeitschriften, die speziell Brautmoden dokumentierten. "Hochzeitsfotos gab es erst ab 1900", sagt Meier. "Ab diesem Zeitpunkt können wir an Hand von Fotos zeigen, dass die gehobene Schicht im weißen Kleid heiratete und die einfache Bürgerstochter im schwarzen Kleid zur Hochzeit schritt", sagt Meier. Zahlreiche Hochzeitsbilder sind Bestandteil der Ausstellung, die an diesem Sonntag, dem Internationalen Museumstag, eröffnet und vermutlich bis November zu sehen sein wird. Dort können die Besucher die Entwicklung des Brautkleides, aber auch die des Schleiers und des Brautstraußes nachvollziehen. Auch besonders schöne Geschichten verbergen sich hinter dem einen oder anderen Bild. So sind auch Herbert und Ruth Grimm aus Baumholder auf einem Foto zu sehen. Ruth Grimm trug 1948 ein selbstgenähtes Kleid aus reiner Seide. Die Seide stammte von einem Fallschirm. Diesen hatte ihr Mann, früher ein Soldat, auf abenteuerliche Weise besorgt. Auch Brautkleider aus verschiedenen Epochen sind ausgestellt. "Das älteste Kleid stammt aus dem Jahr 1927", erzählt Museums-Mitarbeiterin Rosel Böhmer. Das neueste Modell stammt aus dem vergangenen Jahr. "Heute ist einfach alles erlaubt", sagt Böhmer. Alle Farben, alle Modelle, sogar Hosen sind möglich. Und Meier hat wieder den Trend zur Prinzessinen-Hochzeit erkannt: "Seit 2000 ist das üppige Märchen-Brautkleid wieder im Kommen."Die Idee, eine "Ganz in Weiß"-Ausstellung zu konzipieren, gibt es schon lange in den Köpfen von Meier und Böhmer. Da die Normalbevölkerung nicht in Weiß heiratete, war auch im Museum bisher kein weißes Brautkleid ausgestellt. Und immer wieder fragten Besucher: "Gibt es denn kein weißes Brautkleid." In der Sammlung des Museums gibt es genug - es fehlte nur der Platz, die auszustellen. Und die aktuelle Sonderausstellung bietet nun die passende Möglichkeit dazu. Das Museum für Mode und Tracht ist regulär geöffnet mittwochs bis freitags sowie sonn- und feiertags von 14 bis 17 Uhr. Der Eintritt kostet für Erwachsene zwei, für Schüler und Studenten sowie Gruppen ab zehn Personen einen Euro, Kinder unter zwölf Jahren haben freien Eintritt.




Auf einen BlickBrautkleider haben die Museumsmitarbeiter mehr als sie ausstellen können. Allerdings wünschen sie sich, um eine möglichst große Bandbreite an Brautmode zeigen zu können, Fotos von Brautpaaren - möglichst Hochformate, auf denen das Brautkleid in voller Pracht zu sehen ist. Weitere Informationen erteilen Heidi Meier oder Rosel Böhmer, Telefon (06852) 80 91 54. him