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Programm zur Dorferneuerung soll umgesetzt werden

Vor der Schule versammelten sich die Niederlosheimer zum SZ-Dorffoto für die Aktion „Unser Ort hat viele Gesichter". FoTOs: WERNER KREWER
Vor der Schule versammelten sich die Niederlosheimer zum SZ-Dorffoto für die Aktion „Unser Ort hat viele Gesichter". FoTOs: WERNER KREWER
Niederlosheim. Bis alles bereit zum Gruppenfoto auf dem Schulhof der Förderschule „Zum Kappwald“ war, mussten Ortsvorsteher Norbert Kraus und einige Helfer einige Stühle und Tische aus der Halle zum Treffpunkt bringen, um optimale Voraussetzungen für das Bild zu schaffen. Rainer Palz aus Wahlen, der schon Erfahrung vom Gruppenfoto aus dem Nachbarort hatte, gab genaue Anweisungen dazu und so konnte der Fotograf die Niederlosheimer eindrucksvoll ablichten. Von SZ-MitarbeiterinRuth Solander



Norbert Kraus ist stolz auf den Umbau der ehemaligen Pausenhalle der Förderschule des Landkreises. Sie wurde als Mehrzweckraum zur angrenzenden Halle in moderner Optik gestaltet. Der Raum mit einer großen Küche kann neben Veranstaltungen auch für private Feiern genutzt werden. "Hier haben wir nun seit drei Jahren optimale Bedingungen für Festlichkeiten im Ort. Auch an der Halle, die es seit über 30 Jahren gibt, waren Renovierungen dringend notwendig, so zum Beispiel die Duschen", erklärt der Ortsvorsteher. Der Kindergarten St. Hubertus in der Nachbarschaft bildet gemeinsam mit Schule und Halle einen zusammenhängenden Bereich.

In Sachen Vereine ist Niederlosheim gut aufgestellt. Während sich der Tischtennisverein und der Berg- und Hüttenarbeiterverein mit dem Nachbarort Wahlen zusammengetan haben, sind andere, wie der Karnevalverein, der Musikverein, der Sportverein (in der Frauenabteilung), Tennisclub und die Malteser eigenständig. Der Obst- und Gartenbauverein präsentiert sich seit kurzem mit einem ganz jungen Team.

Besonders stolz ist man in Niederlosheim auf die Frauenspielgemeinschaft (FSG). Sie wurde 1981 gegründet. Die Frauenmannschaft spielt in der höchsten Klasse des Saarlandes, der Verbandsliga. An Mädchenteams schickt die FSG in diesem Jahr eine E-, eine D- und eine C-Mannschaft ins Rennen. Der MV Niederlosheim hat jedes Jahr sein Sommerfest und ein Konzert mit ansprechendem Programm. Der Losheimer Ortsteil kann sich seit kurzem über einen Bouleplatz freuen, den der Tennisclub gebaut hat und der sehr gut angenommen wird.

Für Güter des täglichen Bedarfs müssen die Niederlosheimer Bürger fahren. "Leider hat die einzige Bäckerei seit letztem Jahr geschlossen. Aber wir haben glücklicherweise noch zwei Gaststätten im Ort", erzählt Kraus. Es gibt mehrere Gewerbebetriebe in Niederlosheim: Frisör, Autohaus mit Werkstatt, Dachdecker, Anstreicher, Fitnessstudio, Elektrobetrieb und eine Seniorenpension. Größter Arbeitgeber ist die Firma Homanit. Im Industriepark Holz stehen weitere Ansiedlungen bevor. Da Niederlosheim schon immer etwas "abgeschnitten" war, ist die Busverbindung "nachfragegerecht", wie der Ortsvorsteher sagt. "Eine sehr gute Verbindung gab es früher mit der MBE, der so genannten Kleinbahn, die regelmäßig die Menschen beispielsweise nach Merzig beförderte", erläutert Kraus.

Der Ortsvorsteher wünscht sich für die Zukunft die Umsetzung des Dorferneuerungsprogramms. Dazu zählt unter anderem auch die Gestaltung des Platzes vor der alten Schule, wo Feuerwehr, Musikverein, Malteser und der Karnevalverein ihre Räume haben. Wie in vielen Orten symbolisiert auch das Ortswappen von Niederlosheim die geschichtliche Entwicklung. Oben links das rote Kreuz auf silbernem Grund weist auf die Jahrhunderte lange Zugehörigkeit zum Kurfürstentum Trier hin. Die Ähren und die Eichenblätter auf dem rechten Feld zeigen die Bedeutung von Land- und Forstwirtschaft in der Vergangenheit. Das untere Feld stellt mit dem grünen Grund die Lage im Wiesental des Losheimer Baches dar, der durch den silbernen gewundenen Balken in der Mitte symbolisiert wird. Die Amphore rechts unten weist auf die zahlreichen römischen Funde in der Gemarkung Niederlosheim hin, und das Zahnrad ist das Zeichen für Industrie: Niederlosheim ist seit 1940 Industriestandort durch das damals errichtete Holzfaserplattenwerk.

Obwohl schriftliche Aufzeichnungen aus der Zeit vor Christus fehlen, sind klare Anhaltspunkte vorhanden, dass Niederlosheim bereits in vorgeschichtlicher Zeit besiedelt war. Darauf deuten in der näheren Umgebung gefunden steinzeitlichen Relikte hin. Durch den Ort ging die von Trier nach Metz führende Römerstraße. Nach einer Urkunde des Erzbischofs von Trier bestand Niederlosheim schon im 12. Jahrhundert. Am 9. April 1389 erkennt Ritter Peter von Rappweiler an, dass sein Vater selig mit seinem Wissen und Gewissen Güter in Niederlosheim an das Kloster Mettlach vermacht hat, welches er oder seine Erben "gegen 100 trierische Pfund wieder einlösen können".

Zur Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte der gewaltige Aufschwung des Kohlebergbaus und der Hüttenindustrie im saarländisch-lothringischen Raum und viele am Heimatort überzählige Arbeitskräfte fanden hier eine Beschäftigung und ließen sich teilweise auch dort nieder. Mit der Inbetriebnahme der Merzig-Büschfelder Eisenbahn im Jahre 1903 war es dann den Menschen im Losheimer Raum möglich, täglich zwischen Wohnort und den Arbeitsstellen im Saartal zu pendeln und eine kleine Nebenerwerbs-Landwirtschaft zu betreiben.


Zum Thema:

Auf einen BlickDas Ortsfoto aus der SZ-Aktion gibt es zum Herunterladen unter der Adresse www.sztipp.de/dorffoto, Preis: 0,99 Euro. Abzüge können Sie nur schriftlich bestellen: SZ, Im Wertchen 7, 66663 Merzig, per E-Mail: redmzg@sz-sb.de (Preis: ein Euro). red

Schule, Kindergarten und Kletterturm in Niederlosheim.
Schule, Kindergarten und Kletterturm in Niederlosheim.
Die Kirche St. Hubertus in Niederlosheim.
Die Kirche St. Hubertus in Niederlosheim.
Ortsvorsteher Norbert Kraus
Ortsvorsteher Norbert Kraus
Die alte Volksschule in Niederlosheim ist nun für die Vereine da. Daneben haben Feuerwehr und Malteser Hilfsdienst ihre Unterkunft.
Die alte Volksschule in Niederlosheim ist nun für die Vereine da. Daneben haben Feuerwehr und Malteser Hilfsdienst ihre Unterkunft.