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Probleme und Zuschauerschwund beim 36. Überherrner Grenzlandfest

Überherrn. Die Besucherzahlen zeigen: Scheinbar ist das Überherrner Grenzlandfest nicht mehr das, was es einmal war. Noch vor ein paar Jahren drängten sich an einem Wochenende bis zu 10 000 Besucher auf dem Marktplatz. hj/spr

Damit hatte das vergangene Wochenende nur noch wenig zu tun: Keine 3000 Gäste trafen sich trutz der lauen Sommernächte noch, um grenzübergreifend zu feiern.

Auch bei den Vereinen zeigen sich erste Abnutzungserscheinungen: Von den 12 Vereinen, die das Fest stemmen sollten, sind gleich 6 im Vorfeld abgesprungen. Rainer Weiten, der Vorsitzende der Aktionsgemeinschaft Überherrner Vereine (AÜV), sah sich gezwungen, als Ersatz 6 gewerbliche Standbetreiber zu organisieren, damit das Fest überhaupt stattfinden konnte. "Sechs Vereine konnten das unmöglich alleine über die Bühne bringen", meinte er enttäuscht. Doch woran liegt dieser Schwund? "Die Vereine sagen uns, dass sie nicht genügend Leute haben, die sich engagieren wollen", erklärt Weiten. Wie zum Beispiel der Obst- und Gartenbauverein Überherrn, der nach eigenen Angaben keine jungen Leute hat, die beim Auf- und Abbau helfen oder den Verkauf organisieren könnten. Der Turnverein verwies auf das 50-jährige Bestehen, für das bereits ein Fest geplant sei. Den Mitgliedern sei nicht zuzumuten, zwei Feste zu organisieren.

Gefeiert wurde trotzdem noch: Die musikalische Gestaltung hatten Bands Time Machine und am Samstagabend The Backerstreet. Auf das traditionelle Feuerwerk wurde ganz verzichtet, stattdessen fand eine Feuershow mit der Gruppe Elements on Fire statt. Der Sonntag wurde kurz gestaltet, so dass nach der Siegerehrung des Grenzlandlaufs das Fest bereits zu Ende ging. Einigen Besuchern gefiel das Fest überhaupt nicht mehr und gaben dies auch so zu verstehen. Festen an der Grenze zu Frankreich kommt seit jeher eine besondere Bedeutung zu, sie sind auch aufgrund der bewegten Vergangenheit beider Länder ein Ausdruck gelebter Völkerverständigung. Das Grenzlandfest war in der Vergangenheit dafür immer ein Paradebeispiel, das nicht zu einem Lippenbekenntnis verkommen darf. Die Organisatoren sollten sich von dem Ergebnis in diesem Jahr nicht entmutigen lassen, sondern sich ein paar grundlegende Gedanken machen. Natürlich haben einige Vereine Probleme, ehrenamtliche Helfer zu finden. Aber es gibt in Überherrn weit mehr als die 12 Vereine, die in diesem Jahr teilnehmen sollten, und wenn man das benachbarte Frankreich dazuzählt, sind es noch einige mehr. Möglichst viele Vereine müssen frühzeitig an einen Tisch und in die Planungen eingebunden werden, damit das Grenzlandfest wieder zu dem wird, was es einmal war. Denn das motiviert auch die Helfer in den Vereinen, wieder etwas mehr zu tun.