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Evangelische Kirche im Rheinland
Präses besorgt über soziale Nöte und Antisemitismus

Manfred Rekowski, protestantischer Kirchenchef.
Manfred Rekowski, protestantischer Kirchenchef. FOTO: Thomas Frey / dpa
Bad Neuenahr. Der Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski, pocht angesichts von Altersarmut und zunehmenden Einkommensunterschieden auf den sozialen Zusammenhalt im Land. „Wohin soll das führen, wenn in einer Gesellschaft die einen kaum leben können von ihren Löhnen, während bei anderen Einkommen und Vermögenswerte nahezu unbegrenzt anwachsen“, sagte Rekowski gestern in Bad Neuenahr-Ahrweiler in seinem Jahresbericht vor der Synode der Evangelischen Kirche in Rheinland (EKiR), zu der auch die meisten Protestanten im Saarland zählen. Von Deutsche Presse-Agentur GmbH dpa und KNA

Vor dem Parlament der zweitgrößten evangelischen Landeskirche kritisierte ihr oberster Repräsentant das „Übel der Kinderarmut“ und hohe Mieten in Großstädten. Manche Menschen könnten auch nach 40 Jahren Arbeit von der Rente nicht existieren und seien auf zusätzliche Hilfe angewiesen, sagte er. „Der soziale Zusammenhalt geht alle Menschen an, die sozial Starken wie die sozial Schwachen“, sagte Rekowski.



Der Präses kritisierte es als kurzsichtig, wenn die Debatte um den Klimaschutz mit dem Hinweis auf Gefährdung von Arbeitsplätzen abgewürgt werde. „Wer ein brennendes Haus löschen will, darf der Vermeidung eines Wasserschadens nicht erste Priorität beimessen“, sagte er. Die Folgen notwendiger politischer Korrekturen dürften am Ende allerdings nicht nur von den Arbeitnehmern bezahlt werden, die in der „falschen Branche“ tätig seien.

Besorgt äußerte sich der Präses mit Blick auf antisemitische Einstellungen in Teilen der Bevölkerung. Er sprach sich für das Amt eines Antisemitismus-Beauftragten bei der Bundesregierung aus. Die Aufgabe, dem Antisemitismus entgegenzutreten, sei nicht delegierbar an die jüdischen Gemeinden, „sondern die ist Christenpflicht“. Unter Zuwanderern seien auch solche, die in ihren Herkunftsländern mit einem Hass auf Israel aufgewachsen seien und diesen mit hierher brächten.

Das Verhältnis zum Islam sei das Hauptthema der Synode sagte Rekowski dem Kölner domradio. Der Dialog mit Muslimen sei auch eine wichtige gesellschaftliche Frage. „Da wollen wir noch einmal eine theologische Klärung vornehmen.“ Zu einem gehe es um das Verbindende. „Aber wir wollen noch einmal scharf stellen, was uns trennt.“

Der Präses warnte vor Gefährdungen „aufgrund eines fundamentalistischen Umgangs mit heiligen Schriften“ und einer Einschränkung der Religionsfreiheit. „Religion kann nur dann wahrhaft Religion sein, wenn sie frei von staatlichem oder anderem Zwang ausgeübt werden kann“, sagte Rekowski.

Auch in der Geschichte der christlichen Kirchen in Deutschland seien Staatsgebilde durch eine einzige Konfession unter Einschränkung der Religionsfreiheit geprägt worden, sagte der Präses. Gerade deshalb suche die EKiR das Gespräch mit den Muslimen über die potenziellen Gefährdungen durch den Fundamentalismus.

Die Synode, das oberste Leitungsgremium der rheinischen Kirche, tagt noch bis Freitag in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die Synode fasst auch Beschlüsse zu dem 80 Millionen Euro umfassenden Etat. Die Landeskirche hat gut 2,5 Millionen Mitgliederin NRW, Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland.