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Weniger Straftaten im Saarland
Polizei registriert weniger Straftaten

Zwei Mordfälle aus dem Jahr 2017 sind noch ungeklärt, darunter der gewaltsame Tod einer 38-Jährigen in der Metzer Straße in Saarbrücken.
Zwei Mordfälle aus dem Jahr 2017 sind noch ungeklärt, darunter der gewaltsame Tod einer 38-Jährigen in der Metzer Straße in Saarbrücken. FOTO: BeckerBredel
Saarbrücken. Innenminister Klaus Bouillon lobt bei Vorstellung der Kriminalstatistik „hervorragende Arbeit“ der Polizei. Von Michael Jungmann
Michael Jungmann

Innenminister Klaus Bouillon (CDU) ist voll des Lobes: „Wir haben eine hoch motivierte Polizeitruppe, die hervorragende Arbeit leistet.“ Bei der Vorstellung der Kriminalstatistik für das Jahr 2017 verwies Bouillon gestern gemeinsam mit Hugo Müller, Vizepräsident der Landespolizei, und Gerald Stock, neuer Chef des Landeskriminalamtes (LKA) und der Direktion Kriminalitätsbekämpfung, auf eine „erfolgreiche Bilanz“ der Ermittler. Wie bereits von unserer Zeitung berichtet, wurden im vergangenen Jahr landesweit 70♦860 Straftaten registriert, 6121 Delikte oder acht Prozent weniger als im Vorjahr. Ohne die Berücksichtigung so genannter ausländerrechtlicher Verstöße, wie etwa unerlaubte Einreise bei Flüchtlingen, sinkt der Wert auf 68♦423 Delikte. 2,3 Prozent weniger als 2016. Die Aufklärungsquote liegt – bezogen auf alle Fälle – bei 56,3 Prozent (minus zwei Prozent). Den materiellen Schaden, der durch die Straftaten verursacht wurde, beziffern die Ermittler auf 77,05 Millionen Euro.


Das Risiko, im Saarland Opfer einer Straftat zu werden, ist nach den offiziellen Zahlen der Polizei erneut gesunken. Die Häufigkeitszahl, (registrierte Straftaten pro 100♦000 Einwohner) liegt jetzt bei 7♦110. Der beste Wert seit 2011. Bouillon: „Viele Zahlen zeigen eine erfreuliche Entwicklung. Dies ist zum einen der hervorragenden Arbeit der Polizei zu verdanken.“ Die Zahlen dokumentieren nach Ansicht des CDU-Politikers auch, dass Maßnahmen „zur weiteren Verbesserung der Polizeistruktur Früchte tragen“. Damit bezieht er sich auf die von ihm geschnürten sechs Sicherheitspakete. Bouillon erinnerte zudem an die Spezialisierung der Fahnder im Bereich der Wohnungseinbrüche. In diesem Sektor wurden die Fälle um fast 29 Prozent auf jetzt 1391 Taten (davon 587 Versuche) reduziert. Gleichzeitig gelang es, die Aufklärungsquote in diesem Deliktfeld auf 27 Prozent zu steigern.

Trotz der Loblieder sieht Bouillon weiteren Verbesserungsbedarf bei der Polizei. Es müssten weitere Maßnahmen umgesetzt werden. Damit bezieht er sich offenbar auf anstehende Veränderungen in der Dienststellenstruktur und der Fortschreibung der Polizeireform.

Vizepolizeichef Hugo Müller verwies darauf, dass die bei der letzten Neuorganisation und die durch den Personalabbau befürchteten Risiken nicht eingetreten seien. Beleg dafür sei die Kriminalstatistik. Er sprach von einer guten Zehn-Jahresbilanz und „einer Erfolgsgeschichte“.

Kripochef Stock analysierte das umfangreiche Zahlenwerk im Detail, verwies darauf, dass Fallsteigerungen in einigen Deliktfeldern mit gesetzlichen Änderungen zu erklären sind. So etwa bei den Sexualstraftaten und bei Verstößen gegen das Waffengesetz. Der deutliche Anstieg im Bereich der Wirtschaftskriminalität von plus 30,2 Prozent auf 742 Fälle wird mit einem Großverfahren (Ermittlungsgruppe Schneeball) erklärt. Um 20,6 Prozent oder 591 Fälle auf insgesamt 3455 Delikte stieg 2017 die Rauschgiftkriminalität an. Dies sei, so Stock, auf verschärfte Kontrollaktionen und Präsenz der Polizei in Brennpunkten zurückzuführen. Weitere Schwerpunktaktionen mit intensivem Personaleinsatz sollen folgen.



Insgesamt 27 Straftaten gegen das Leben, wie Mord und Totschlag und entsprechende Versuche, beschäftigten die Ermittler 2017. Ein Anstieg um sechs Delikte. Zwei Mordfälle, die von den Sonderkommissionen „Metz“ und „Schacht“ bearbeitet werden sind bislang noch ungeklärt.

26♦458 Tatverdächtige hat die Polizei 2017 ermittelt. 18♦804 davon haben einen deutschen Pass, 7♦654 sind Ausländer. Nähere Angaben zu den Nationalitäten konnte die Polizei gestern nicht machen. Nach Informationen unserer Zeitung waren bis Mitte Dezember etwa 1152 Syrer darunter.

Innenminister Klaus Bouillon.
Innenminister Klaus Bouillon. FOTO: Oliver Dietze / dpa
Polizei-Vizepräsident Hugo Müller.
Polizei-Vizepräsident Hugo Müller. FOTO: Norbert Becker