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Pionier der Regionalgeschichte

Merzig-Wadern. In ihren letzten Sitzungen haben Mitgliederversammlung und Vorstand des Kreisheimatvereins beschlossen, zukünftig verdiente langjährige Heimatforscher mit der Constantin-von-Briesen-Medaille zu ehren

Merzig-Wadern. In ihren letzten Sitzungen haben Mitgliederversammlung und Vorstand des Kreisheimatvereins beschlossen, zukünftig verdiente langjährige Heimatforscher mit der Constantin-von-Briesen-Medaille zu ehren. Die Auszeichnung wird nach dem früheren Leiter der Kreisverwaltung, Constantin Carl Alexander Wilhelm von Briesen, benannt, der von 1850 bis 1866 im Kreis Merzig das Amt des Landrates innehatte.Förderer der Landwirtschaft Große Verdienste hatte von Briesen um die Förderung der Landwirtschaft. Er hatte die Wiesenmeliorationen im Kreis Merzig wieder in Gang gebracht und so zur Verbesserung versumpfter Wiesen beigetragen. Er gründete die Wiesenbaugenossenschaften, schuf eine selbständige landwirtschaftliche Abteilung in der Verwaltung und stellte 1853 einen Kreiswiesenbaumeister ein. Auch die Sparkasse, das heute größte Geldinstitut im Kreis, wurde im Jahre 1853 durch Landrat von Briesen ins Leben gerufen. Mit der Gründung dieser Einrichtung strebte er das Ziel an, in Not geratenen Landwirten mit Darlehen unter die Arme zu greifen. Der Kreis Merzig war damals stark landwirtschaftlich orientiert und die staatlichen Zuschüsse und Hilfen flossen sehr sparsam, so dass die Kreise auf eigene Initiativen und auf Selbsthilfe angewiesen waren. Eng verknüpft mit dieser Unterstützung und Förderung der Landwirtschaft in dieser Zeit waren auch die Namen Eugen von Boch und Wilhelm von Fellenberg. Außerdem muss das Wirken von Pastor Deutsch in Merchingen in diesem Zusammenhang Erwähnung finden. Ein ganz besonderes Verdienst aber hat sich Landrat von Briesen um den Landkreis erworben durch die Herausgabe seiner "Urkundlichen Geschichte des Kreises Merzig". Aus anderen Verwaltungskreisen sind historische Werke dieser Art aus jener Zeit nicht bekannt.Geschichtliche NachrichtenDer erste Band stammt aus dem Jahre 1863. Der zweite Band mit vorwiegend statistischen Angaben wurde im Jahre 1867 veröffentlicht. Sie sind ein besonderes Geschenk des fünften Landrats des neupreußischen Kreises Merzig "zur Belehrung der Kreiseingesessenen über ihre Vorzeit". Nur wer die beiden Bände und das urkundliche Material kennt, das der Autor zusammengetragen hatte, weiß dessen Leistung zu schätzen und seine Verdienste zu würdigen. In einem Schreiben an die "Herren Kreisstände" teilt er mit, dass seine geschichtlichen Nachrichten größtenteils auf Original- und meist noch ungedruckten Urkunden des Provinzial-Archivs zu Koblenz beruhen. Der bekannte Historiker Wilhelm Laubenthal bezeichnete das Geschichtswerk als "eine Pionierleistung der Regional- und Lokalgeschichtsschreibung, die nicht zuletzt wegen ihrer zahlreichen Quellenwiedergaben bis in die Gegenwart immer wieder zitiert wird". Das heimatgeschichtliche Werk von Briesens ist auch heute noch für jeden unentbehrlich, der sich mit der Lokal- und Regionalgeschichte dieses Raumes im 19. Jahrhundert wissenschaftlich beschäftigt. Heimatforscher finden in diesen Büchern immer wieder neue Anregungen und Impulse. Für den Freund der Heimatgeschichte ist dieses Originalwerk ein kostbarer Besitz. red




Zur personConstantin von Briesen wurde am 15. Juli 1821 in Pritten, Bezirk Köslin in Pommern geboren. Er gehörte einem alten Adelsgeschlecht aus dem zu Pommern gehörenden Teil der Neumark an. Sein Vater war Rittmeister; seine Mutter Charlotte Juliane von Hermensdorf stammte aus dem ostdeutschen Siedlungsgebiet. Nach dem ersten juristischen Examen musste er sich auf die höhere Staatsprüfung vorbereiten. Diese Vorbereitungszeit führte ihn über das Königliche Kammergericht und die Regierung in Potsdam nach Koblenz. Am 10. Mai 1849 erhielt er das Zeugnis über das bestandene zweite Examen. Als Assessor kam er zur Regierung nach Trier und erhielt dort am 25. März 1850 den Auftrag, den Kreis Merzig zunächst kommissarisch zu verwalten. Drei Jahre später erfolgte die Beförderung zum Landrat. Seine Mutter erwarb 1856 den Wiesenhof zwischen Merzig und Besseringen, und er verlegte seinen Wohnsitz aus dem Merziger Rathaus auf den Wiesenhof. Dort hat er in aller Ruhe die Geschichte des Kreises Merzig bis Ende 1862 vollendet. Gewidmet hat er das Buch der Königin Augusta. red