| 00:00 Uhr

Pinselstrich trifft Musik

Mit leichter Hand führt Kalligrafie-Künstler Seiji Kimoto den Pinsel. Foto: R. Schaaf/Festival
Mit leichter Hand führt Kalligrafie-Künstler Seiji Kimoto den Pinsel. Foto: R. Schaaf/Festival FOTO: R. Schaaf/Festival
Saarbrücken. Kalligrafie-Künstler Seiji Kimoto und Musiker Rudolf P. Schaaf treten in der Reihe „Saarbrücker Sommermusik“ als Duo auf. Am Samstag ist das Theater im Viertel Schauplatz ihrer Improvisation mit Zeichen und Noten, die eine Textmelodie hörbar machen will. Von SZ-MitarbeiterStefan Uhrmacher

International und interdisziplinär kommt die Saarbrücker Sommermusik einmal mehr daher: Unter dem Motto "Raku Sho - Die fünf Elemente" wollen sich Ost und West verbünden. Spielort der Duo-Performance am Samstag, 3. August, 20 Uhr, ist das Theater im Viertel (TiV).

Die Akteure sind der Kalligrafie-Künstler Seiji Kimoto und Kontrabassist Rudolf P. Schaaf, der sich auch als Perkussionist betätigt. Schaaf stammt aus Sinzig bei Köln, studierte Kontrabass am Hochschulverband Rheinland. Seit Jahrzehnten ist er Wahl-Saarbrücker und tourt überregional mit Formationen wie Trio "Ohr" und Rudy Schaaf Group.

Seiji Kimoto studierte in seiner japanischen Geburtsstadt Osaka Innenarchitektur und Zen-Malerei. 1967 besuchte er das Goethe-Institut in Freiburg, ab 1968 die Kunsthochschule Saarbrücken. Der Mitbegründer der Gruppe 7 und des Saarländischen Künstlerhauses machte sich durch Wandgestaltungen unter anderem in Saarbrücken und Berlin einen Namen. Ihren Dialog "Raku Sho" über die fünf Elemente Wasser, Erde, Holz, Feuer, Metall sehen die beiden als Gesamtkunstwerk aus Malerei und Musik, basierend auf einer Idee von Kimoto, die ständig improvisierend weitergeführt wird. "Kalligraphische Zeichen werden in Beziehung gesetzt zur Musik und umgekehrt - im vorliegenden Fall bilden sie eine Art Notation", erläutert Kimoto. "Beim Malen und Schreiben hört der Künstler über den Pinselfluss eine Textmelodie. Diese innere Melodie auch für andere hörbar zu machen, ist die eigentliche Intention des Raku-Sho. Dazu bedarf es eines Musikers, der sich einfühlt in das optisch erfahrbare Zeichen, ohne es zu interpretieren. Er greift Impulse auf und gibt Impulse an den Partner, ähnlich wie beim Jazz. Es entwickelt sich ein gegenseitiges Beeinflussen von Pinselstrich und Musik - der Betrachter wird zum Hörer, der Hörer zum Betrachter", so Kimoto. Raku Sho verlange weder das Bemühen um Deutung der einzelnen kalligraphischen Zeichen noch Kenntnisse des chinesisch-japanischen Schriftsystems. "Einzige Voraussetzung des Betrachters und Hörers ist die Offenheit für das kreative Zusammenwirken zweier Ausdrucksformen zu einem Ganzen." Kimoto und Schaaf lernten sich vor einigen Jahren in Saarbrücken kennen und hatten ihren ersten gemeinsamen Auftritt in der Luxemburger Galerie MediArt zum Thema "Wasser" im Rahmen einer Ausstellung Kimotos. Künftig möchten sie Raku Sho weniger einbinden, sondern vielmehr als eigenständiges musikalisch-künstlerisches Angebot vor allem überregional anbieten.

Samstag, 3. August, 20 Uhr, Theater im Viertel am Landwehrplatz. Eintritt frei.



Percussionist und Kontrabassist Rudolf P. Schaaf bei einer Aufführung von „Raku Sho“. Foto: Jean Lafitteau/Festival
Percussionist und Kontrabassist Rudolf P. Schaaf bei einer Aufführung von „Raku Sho“. Foto: Jean Lafitteau/Festival FOTO: Jean Lafitteau/Festival