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Pfiffe und Buh-Rufe statt Applaus

Studenten nutzten auf dem Saarbrücker Campus auch den Auftakt zur "Universität der Großregion", um gegen Studiengebühren zu demonstrieren. Fotos: Becker & Bredel/SZ
Studenten nutzten auf dem Saarbrücker Campus auch den Auftakt zur "Universität der Großregion", um gegen Studiengebühren zu demonstrieren. Fotos: Becker & Bredel/SZ
Saarbrücken. Pfiffe und Buh-Rufe statt Applaus. Der Präsident der Saar-Uni, Professor Volker Linneweber, hatte sich am Donnerstagnachmittag in "seiner" Aula auf dem Uni-Campus sicher einen anderen Empfang gewünscht Von SZ-Mitarbeiter Michael Stephan

Saarbrücken. Pfiffe und Buh-Rufe statt Applaus. Der Präsident der Saar-Uni, Professor Volker Linneweber, hatte sich am Donnerstagnachmittag in "seiner" Aula auf dem Uni-Campus sicher einen anderen Empfang gewünscht. Schließlich wollte er zusammen mit den Präsidenten und Delegationen der Universitäten Lüttich, Luxemburg, Metz, Nancy, Kaiserslautern und Trier den offiziellen Startschuss für das gemeinsame, grenzüberschreitende Projekt "Universität der Großregion" (UGR) geben.


Doch rund 350 Studierende der Saar-Uni machten dem erwarteten Verlauf des Festaktes zunächst einen Strich durch die Rechnung. Kurz vor dem offiziellen Beginn der Veranstaltung zogen sie mit den Worten "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Bildung klaut" in den Saal ein und verlangten lautstark die Abschaffung der Studiengebühren. Der anschließende Versuch des Uni-Präsidenten mit den Studierenden zu reden, wurde immer wieder durch Missfallensäußerungen gegen seine Person unterbrochen. Etwa 50 Minuten dauerte das Ganze. Dann konnte die Veranstaltung schließlich doch noch beginnen.

Der Rektor der Universität Lüttich und Vorsitzende des aus Universitätspräsidenten und Regionalpolitikern bestehenden Leitungsgremiums der UGR, dem Rat, Professor Bernard Rentier, stellte die Ideen und Ziele des Projektes vor. Koordiniert und verwaltet wird die Kooperations-Hochschule unter Federführung der Saar-Universität. In einem ersten Schritt soll der grenzüberschreitende Austausch zwischen den Partnerhochschulen stark vereinfacht werden. Dazu ist etwa geplant die Einschreibeverfahren zu erleichtern sowie Studienleistungen ohne große Bürokratie gegenseitig anzuerkennen. Ein gemeinsamer Studierendenausweis und ein einheitlicher Zugang zu den Bibliotheken und Mensen an den einzelnen Standorten sind ebenfalls im Gespräch. Darüber hinaus sollen gemeinsame Studiengänge entwickelt und Doktoranden zusammen von den Partner-Hochschulen ausgebildet werden. Hier hat die Saar-Uni mit ihren bereits eingeführten bi- und trinationalen Studiengängen etwa in Jura oder Physik bereits einen Anfang gemacht.



In der Forschung werden ebenfalls grenzüberschreitende Projekte sowie die gemeinsame Nutzung von Forschungseinrichtungen gefördert. An den Start gehen soll außerdem ein großes Internetportal, in das unter anderem das komplette Studienangebot der sieben Partner-Universitäten eingearbeitet werden soll. Um die grenzüberschreitende Mobilität der Studierenden zu gewährleisten wird auch über ein Semesterticket für die neue Hochschulregion nachgedacht. Um mögliche Sprachbarrieren abzubauen, soll das Sprachenzentrum der Saar-Uni künftig verstärkt Französisch anbieten. Ein sportlicher und kultureller Austausch steht ebenfalls auf dem Plan.

"Es kann in Europa nicht genug Mauerspringer geben", lobte der Schweizer Schriftsteller und überzeugte Europäer Adolf Muschg in seiner Festrede das grenzüberschreitende Hochschulprojekt. "Die Freude an dem Ungleichen und die Neugier am wirklich anderen sollte das Fundament sein, auf dem die neue Universität baut."

Dafür stehen ihr für zunächst 42 Monate rund sechs Millionen Euro zur Verfügung. Finanziert wird diese Summe zur Hälfte von der EU sowie den jeweiligen Regionen und Partneruniversitäten selbst. Die Studierenden der neuen Partner blieben bei der Gründung ebenfalls nicht außen vor. Rund 200 von ihnen beteiligten sich an einem Logo-Wettbwerb, um der UGR ein gemeinsames Gesicht zu geben. Ausgewählt wurde der Entwurf einer Studentin aus Luxemburg.

Der Entwurf für das Uni-Logo.
Der Entwurf für das Uni-Logo.